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Deutsche Ausgabe der „Huffington Post“ : Ein Angebot, das man ablehnen kann

  • -Aktualisiert am

Sinnbild journalistischer Gratis-Mentalität: Huffington Post Gründerin Arianna Huffington Bild: dpa

In Zeiten von Stellenabbau und mieser Bezahlung öffnet das Online-Angebot des deutsche Ablegers der „Huffington Post“. Das Erfolgsmodell, für Journalismus nichts zu bezahlen, scheint nicht mehr aufzuhalten.

          Kirk Douglas ist dabei. Der Schauspieler hat zwar kein Mobiltelefon, und auf dem Computer, den seine Frau heimlich in seinem Zimmer installiert hat, spielt er ausschließlich „Spider Solitaire“ (das allerdings täglich). Aber er bloggt für die „Huffington Post“ und hat dort gerade darüber geschrieben, wie beunruhigend er es als 96-Jähriger findet, dass alle um ihn herum dauernd auf Bildschirme starren oder in Geräte sprechen. „Was soll nur aus unserer Welt in einhundert Jahren werden“, fragt er, mutmaßlich beim Diktat mit den Händen in der Luft fuchtelnd. „Werden unsere Kinder und Enkel überhaupt noch lernen, zu schreiben oder zu buchstabieren?“

          Die „Huffington Post“ hat seine kleine Klageepisode prominent oben auf ihrer Homepage plaziert. Vermutlich ist es ihr egal, dass Douglas das alles schon als 95-Jähriger dem „Hollywood Reporter“ erzählt hat: So eine Geschichte wird nicht schlecht, und es ist ja nicht so, dass man Douglas dafür ein Honorar zahlen musste.

          Barack Obama war auch schon da

          Der Name „Kirk Douglas“ schmückt die Seite jedenfalls, sorgt für Verkehr und trägt dazu bei, dass man anderen Bloggern, die sich fragen, warum sie hier - wie bei der „Huffington Post“ üblich - ohne Bezahlung publizieren wollen, sagen kann: Aber ihr bloggt dann neben diesen ganzen Prominenten! Üblicherweise fällt an dieser Stelle der Name „Barack Obama“, weil der vor fünfeinhalb Jahren einmal die Plattform nutzte, um sich von heiklen Äußerungen seines ehemaligen Pastors zu distanzieren.

          Am kommenden Donnerstag öffnet in Kooperation mit „Focus Online“ der deutsche Ableger des erfolgreichen amerikanischen Internetportals. Wer die Stars sind, in deren glanzvoller Nachbarschaft sich hiesige Blogger dann sonnen können, ist noch geheim. Auf Twitter wurde Peter Altmaier angefragt.

          Für mehr Furore hat allerdings ein Anwerbeversuch des Design-Bloggers Kai Petermann (stilsucht.de) geführt. Ob er sich „regelmäßige Blogeinträge bei der ,Huffington Post‘ vorstellen“ könne, wurde er gefragt. „Was wir Ihnen bieten können: . . . sicher eine schöne Reichweite Ihrer Texte - und dadurch auch eine Erhöhung der Visits Ihres Blogs. Was wir leider nicht bieten können: Geld für die Beiträge.“

          Ohne Bezahlung

          Petermann veröffentlichte die Anfrage mitsamt seiner Antwort: „Ich gebe Ihren Vorschlag gern an meinen Vermieter, den Lebensmittelhändler, den Tankwart und die Telekom weiter. Vielleicht kann ich in Zukunft dort ja ebenfalls ohne Bezahlung alle möglichen Dinge bekommen.“

          Die Gratismentalität des Online-Angebots hat in Deutschland eine wütende Diskussion im Netz ausgelöst, von der die „Huffington Post“ behauptet, profitiert zu haben - in der gleichen Währung, um die es sich auch bei den Bloggern handelt: Es verschaffte ihm Aufmerksamkeit.

          Das ist natürlich nur eine Variante der alten Behauptung, jede PR sei gute PR. Aber hinter der Debatte um das Geschäftsmodell der „Huffington Post“ steckt eine größere Entwicklung im Medienbereich: Aufmerksamkeit ersetzt zunehmend Geld als Zahlungsmittel.

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