18.02.2009 · Vor wenigen Wochen noch sagte Jonathan Newhouse, der Chef von Condé Nast International, die deutsche „Vanity Fair“ sei sicher. Nun wird das Magazin doch eingestellt - und die Frage ist: Warum jetzt? Im Interview mit der F.A.Z. gibt Newhouse erste Antworten und gesteht: Auch für ihn kommt der Rückzug unerwartet.
Vor wenigen Wochen sagte Jonathan Newhouse, der Chef von Condé Nast International, die deutsche „Vanity Fair“ sei sicher. Jetzt wird das Magazin eingestellt. Die Frage ist: Warum jetzt?
Herr Newhouse, es ist zwei Monate her, dass wir über die deutsche „Vanity Fair“ sprachen. Damals sagten Sie, dass der Fortbestand des Magazins gesichert sei. Jetzt wird „Vanity Fair“ doch eingestellt. Da fragt man sich, warum Sie uns vor kurzem noch des Gegenteils versicherten.
Als wir vor elf Wochen miteinander gesprochen haben und ich sagte, „Vanity Fair“ sei sicher, habe ich das auch so gemeint („Vanity Fair“ bleibt: der Condé-Nast-Chef Jonathan Newhouse widersetzt sich der Krise). Ich habe die Wahrheit gesagt und ich hatte vor, „Vanity Fair“ in Deutschland fortzuführen. Aber die globale Wirtschaftskrise hat sich viel schlimmer entwickelt, als dies irgendjemand vorhersehen könnte. Der Druck auf das Projekt „Vanity Fair“ hat immens zugenommen, dem konnten wir nicht standhalten.
Das sieht aber trotzdem nach einer seltsamen Kehrtwende aus.
Ich gestehe ein, dass es ein Fehler war, versichert zu haben, dass es mit „Vanity Fair“ weitergehe und nun ist das Gegenteil der Fall. Ich habe das selbst so nicht erwartet.
Ihre Worte schienen Verweiskraft zu haben, nicht nur für „Vanity Fair“. Angesichts Ihrer jetzigen Entscheidung könnte man plötzlich grundsätzliche Zweifel bekommen.
Im Augenblick werden viele Dinge in Zweifel gezogen. Aber man sollte nicht verallgemeinern und auch unsere Entscheidungen im Gesamtzusammenhang sehen. Wir schließen zwar die deutsche „Vanity Fair“, starten aber zugleich zwei Magazine in anderen Ländern: „Wired“ in Italien, morgen schon, und das Magazin „Love“ in Großbritannien. Wir investieren weiter in Magazine, neue Konzepte und Märkte. „Vanity Fair“ in Deutschland als wöchentliches Magazin herauszubringen war eine große Investition. Es war sogar die größte Investition, die wir seit langem getätigt haben und es war ganz und gar meine Absicht, das Magazin fortzuführen. Aber unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Gegebenheiten ist es einfach nicht mehr möglich. Ich kann nur sagen: Es gibt eine Zeit, zu kämpfen und eine Zeit, sich zurückzuziehen. Dennoch halten wir „Vanity Fair“ nach wie vor für ein gutes Zeitschriftenkonzept für den deutschen Markt.
Man fragt sich schon, wo das hinführt, wenn nicht nur Finanzinvestoren, die sich in der Pressebranche seit ein paar Jahren herumtreiben, klein bei geben, sondern ein Verlag wie Condé Nast.
Ich kann verstehen, wie das wirkt. Wir sind und bleiben Verleger und wir setzen auf gedruckte Medien. Aber in diesem Fall gab es sehr ernste wirtschaftliche Schwierigkeiten. Diese waren im Dezember so nicht abzusehen. Es wäre der einfachere Weg gewesen, die deutsche „Vanity Fair“ damals zu schließen.
Die Schwierigkeiten, von denen Sie sprechen, betreffen die ihre deutschen Aktivitäten, ist es die generelle Wirtschaftslage oder sind es Probleme, die vom amerikanischen Markt ausgehen?
Alle Zeitschriftenverlage stehen durch die weltweite Wirtschaftsentwicklung und den Rückgang der Anzeigenerlöse in diesem Jahr natürlich unter enormen Druck. 2007 und 2008 waren sehr gute Jahre, aber die Entwicklung für 2009 hat eine ungeahnte negative Dynamik entwickelt. Dem konnten wir uns mit „Vanity Fair“ in Deutschland nicht entziehen.
Manche Internet-Impressarios warten ja nur auf das vermeintlich nahende Ende des Printjournalismus, viele wünschen es offenbar herbei und bekommen nun noch etwas mehr Oberwasser.
Ich denke, es gibt Segmente auf dem Magazinmarkt, die vom Internet besonders betroffen sind, andere aber nicht. Das Erstarken des Internets und der digitalen Medien bedeutet aber nicht das Ende der gedruckten Medien. Das ist schlicht Unfug. „Vanity Fair“ musste sich in Deutschland auf dem Markt der wöchentlichen Magazine bewähren, dort haben auch etablierte Marken große Probleme, schauen Sie nur auf den „Focus“. Hinzu kommt die weltweite Wirtschaftskrise, wie wir sie seit der großen Depression in den dreißiger Jahre nicht gesehen haben. Noch im Dezember sah die Welt ganz anders aus als heute.
Da Sie die deutsche „Vanity Fair“ einstellen, verabschieden Sie sich vom deutschen Zeitschriftenmarkt?
Absolut nicht. Nach allem, was geschehen ist, erwarte ich nicht, dass Ihre Leser meinem Ausblick allzu sehr trauen, aber ich kann mich nur wiederholen: Jetzt war es Zeit für einen Rückzug, Wir sind in Deutschland seit 30 Jahren mit nun fünf Zeitschriftenmarken erfolgreich und werden dies auch in Zukunft weiterhin sein.