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Veröffentlicht: 09.06.2017, 17:51 Uhr

TV-Krimi „In Wahrheit“ Ist es an der Saar so schön?

Das hat auf der Landkarte des deutschen Fernsehkrimis gefehlt: „In Wahrheit – Mord am Engelsgraben“ spielt in Saarlouis. Hier ist es eigentlich zu nett, als dass es um Verbrechen gehen könnte.

von Heike Hupertz
© © ZDF/Manuela Meyer Ist das ein Beweis? Für die Ermittler Markus Zerner (Rudolf Kowalski) und Judith Mohn (Christina Hecke) haben gerade Kleinigkeiten Verweischarakter.

Vor einigen Jahren gaben André Jung und Brigitte Urhausen im „Radio Tatort“ eine Zeitlang Kommissare aus Saarlouis, ansonsten aber durfte die Stadt im Saarland bislang als blinder Fleck auf der mit roten Markierungsnadeln übersäten Deutschlandkarte des Fernsehkrimis gelten.

Dabei gibt es hierzulande wesentlich unattraktivere Schauplätze. Die Nähe zu Frankreich und Luxemburg sorgt für besonderes Flair; die Landschaft mit Reben und Weingütern bildet genau die Art von bukolischer Idylle, hinter der man sich Abgründe und Verbrechen sofort vorstellen kann. Die Transitstrecke Deutschland–Frankreich mit ihrem Fernfahrerleben rechts und links der Autobahn setzt den nötigen Kontrapunkt.

46872411 © © ZDF/Manuela Meyer Vergrößern Bitte recht skeptisch: Anna Loos, Christian Hecke und Christian Berkel (von links) spielen „In Wahrheit - Mord am Engelsgraben“.

„In Wahrheit – Mord am Engelsgraben“, einem routiniert durcherzählten, stark besetzten Auftaktkrimi, dem bei guter Quote wahrscheinlich weitere Ausgaben folgen werden, erschließt Miguel Alexandre (Regie, Kamera und Buch) mit seinem Koautor Harald Göckeritz nun diese Landschaft für das Fernsehen. Selten sah man so viele gepflegte Gebäude mit steinmetzgearbeiteten Sandsteindetails im Krimi. Die Kameradrohne fliegt und fliegt über die Saarschleife und angrenzende Hänge.

Der Wald ist lichtdurchflutet, der Himmel wie frisch gewaschen, und die Gärten zeugen von liebevoller Zuwendung. Küchen entsprechen dem Standard des Manufactum-Katalogs. Eines ist dieser bis kurz vor Schluss überraschungsarme Krimi sicher nicht: schäbig gefilmt. Schöner Sterben rund um Saarlouis hätte man sich genau so vorgestellt. Für das handelnde Personal gibt es kaum etwas Wichtigeres als anständigen Kaffee, von berechtigten Verdächtigungen und schlimmen Mutmaßungen einmal abgesehen. „Das geht nie vorbei“, bemerkt der überführte Täter, eine tragische Figur, gegen Ende.

Kommissarin Judith Mohn (gewohnt eindrucksvoll: Christina Hecke) ermittelt mit ihrem Kollegen Freddy Breyer (Robin Sondermann) im Fall einer toten Prostituierten vom Straßenstrich. Die Spur führt ins Fernfahrermilieu. Vor Jahren verschwand ein junges Mädchen (Emilia Bernsdorf) in der Nähe des Waldstücks, in dem man jetzt die Tote fand. Judith Mohn reaktiviert den einst zuständigen Ermittler Markus Zerner (Rudolf Kowalski). Paul Satzmann (Constantin von Jascheroff), der Freund und ehemals Hauptverdächtige, ist nun mit der jüngeren Schwester (Paula Kroh) liiert. Deren Eltern (Ulrike Krumbiegel und Peter Kemper) leiden immer noch unter der Ungewissheit, Kommissar Zerners privates und berufliches Leben brach in der Folge zusammen. Auch Heike Kupka (Anna Loos) hat der Verdacht gegen ihren Mann über lange Jahre hin emotional zerfressen. Der Lkw-Unternehmer Erich Kupka (Christian Berkel) könnte mit beiden Fällen etwas zu tun haben oder auch nicht.

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Nicht erwiesene Unschuld ist so zerstörerisch wie bewiesene Schuld, so scheint es. Und Geständnisse können aus Motiven entstehen, die weit außerhalb des polizeilichen Nachforschungshorizonts liegen. Mahn (Sebastian Rudolph), ein Sonderling, will die Tat begangen haben, auch das Verschwinden des jungen Mädchens gehe auf sein Konto. Obsessiv hat er sich mit den Angelegenheiten beschäftigt, allein das ist klar. Bevor ein kleiner Gegenstand alles Zweifel beseitigt. Zum Abschied gibt es von Mohn ein freundliches Winken und ein eindeutiges „auf bald“. Demnächst erfährt man dann wohl auch mehr über die Gründe der hier nur angedeuteten Verzweiflung und Versehrtheit von Mohns Mann Niklas (Juergen Maurer).

„In Wahrheit – Mord am Engelsgraben“ ist weder schlecht gemacht noch gespielt. Man hat bloß das Gefühl, ähnliche Konstellationen und Fälle schon dutzendfach gesehen zu haben – wenn auch zugegebenermaßen nicht in und um Saarlouis. Für Alexandre und Göckeritz, die mit „Grüße aus Kaschmir“ und anderen Filmen schon Meriten gewonnen haben, ist das ein bisschen wenig.

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