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Veröffentlicht: 20.04.2017, 19:47 Uhr

Affären beim Sender Fox News Der O’Reilly-Faktor

Seit Monaten macht Fox News Schlagzeilen in eigener Sache. Nach Vorwürfen sexueller Belästigung musste erst der Senderchef gehen, nun tritt der Top-Moderator Bill O’Reilly ab. Sein Anwalt spricht von einer Kampagne.

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© Reuters Der Moderator in der Kulisse seiner Show „The O’Reilly Factor“

Die Karriere des amerikanischen Fernsehmoderators Bill O’Reilly endet unrühmlich. „Nach einer sorgfältigen Prüfung der Vorwürfe stimmen das Unternehmen und Bill O’Reilly überein, dass Bill O’Reilly nicht auf Fox News zurückkehren wird“, teilte 21st Century Fox, der Mutterkonzern des Nachrichtensenders, am Mittwoch mit. Die Vorwürfe lauten auf sexuelle Belästigung. Sie waren im Laufe der vergangenen Jahre von fünf Frauen gegen O’Reilly erhoben worden. Die „New York Times“ hatte recherchiert, dass der Moderator zu deren Beilegung insgesamt dreizehn Millionen Dollar „Schweigegeld“ gezahlt hatte.

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Mit O’Reillys Abgang endet – vorläufig – eine öffentliche Schlammschlacht. Seit Bekanntwerden der Vorgänge, die O’Reilly als Verschwörung bezeichnet, zogen angeblich rund fünfzig Werbekunden ihre Budgets aus dem Umfeld seiner Sendung „The O’Reilly Factor“ ab. So geriet die Angelegenheit für den Sender nicht nur zum Image-, sondern auch zum finanziellen Problem, das an diesem Donnerstag im Vorstand von 21st Century Fox besprochen werden sollte. Dann sollte auch das Ergebnis einer internen Untersuchung vorliegen.

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Zunächst hatte sich Fox News hinter den Moderator gestellt, der die Vorwürfe als substanzlos zurückweist. Sein Anwalt Marc E. Kasowitz sagte, sein Mandant sei einer Kampagne ausgesetzt, die an die McCarthy-Ära erinnere. Zum Teil anonym erhobene, unbelegte Vorwürfe würden wie Fakten behandelt. Eine Gruppe namens „Ultra Violet“ organisierte derweil eine Demonstration gegen O’Reilly und forderte den Vorstandschef von 21st Century Fox, James Murdoch, auf, den Moderator zu entlassen.

© AP, reuters Fox News feuert Star-Moderator Bill O’Reilly

O’Reilly arbeitete seit fast zwanzig Jahren für den Sender. Seine ultrakonservativ und konfrontativ angelegte Sendung wurde zum Markenzeichen von Fox News und einem bedeutenden Faktor der politischen Debatte. O’Reilly unterstützte früh den heutigen Präsidenten Donald Trump, als dieser mit seiner Kandidatur gegen das Establishment der Republikaner antrat. Als O’Reilly nun in Bedrängnis geriet, erhielt er vom Präsidenten Unterstützung: O’Reilly sei „kein schlechter Kerl“, sagte Trump.

Wegen Vorwürfen sexueller Belästigung hatte im vergangenen Sommer schon der Chef von Fox News, Roger Ailes, seinen Hut nehmen müssen. Seither kam der Sender aus negativen Schlagzeilen nicht heraus. Die Moderatorin Gretchen Carlson, die Ailes beschuldigt hatte, einigte sich mit Fox News auf eine Geldentschädigung von zwanzig Millionen Dollar. Eine „Handvoll“ weiterer Frauen wurde ebenfalls entschädigt. Die Moderatorin Megyn Kelly, die sich bis zu einem Streit mit Trump in einer Wahlsendung als kernige Konservative inszeniert hatte, machte dem Senderchef Ailes in ihrem Buch „Settle for More“ ebenfalls den Vorwurf, er habe sie sexuell belästigt. Über Bill O’Reillys Umgangsformen soll sie sich ebenfalls beschwert haben.

43484476 © AP Vergrößern Sie ist jetzt bei NBC: Die ehemalige Fox-News-Moderatorin Megyn Kelly.

Anfang des Jahres verkündete Megyn Kelly, der Fox News angeblich ein Salär von zwanzig Millionen Dollar anbot, womit sie in die Spitzenverdienerklasse von O’Reilly vorgestoßen wäre, dass sie zu NBC wechsle. Dort soll sie fünfzehn bis zwanzig Millionen Dollar pro Jahr erhalten. Derweil ist der Sender Fox News, den Rupert Murdoch 1996 gründete und Roger Ailes übergab, ein Trümmerhaufen: Chef und Top-Moderator sind weg, die populärste Moderatorin flüchtet. Der Neuanfang, den Rupert Murdochs Sohn James vor einiger Zeit für Fox News verkündete, ist unumgänglich. Er beginnt am Nullpunkt. Bill O’Reillys Einschaltquoten waren übrigens bis zuletzt eine Bank.

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