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TV-Kritik „Polizeiruf 110“ : Das ist der letzte Einheitsbrei

Die Kommissariate aus Rostock (links) und Magdeburg im Großeinsatz zum Einheits-Jubiläum Bild: NDR/Christine Schroeder

Zum Feiertag der Deutschen Einheit gibt es einen „Polizeiruf“ mit vier Kommissaren. Magdeburger und Rostocker ermitteln gemeinsam. Ihr Fall ist irre kompliziert, laufend gibt es Techtelmechtel. Will jemand den schlechtesten ARD-Krimi des Jahres sehen? Am Sonntag einschalten!

          Der Schauspieler Sylvester Groth hat seine Rolle als Kommissar im „Polizeiruf“ aufgegeben. Wer wissen will, warum, braucht sich von dem Fall in zwei Teilen, zu dem die „Polizeiruf“-Teams aus Magdeburg und Rostock an den nächsten beiden Sonntagen zusammengespannt werden, nur die erste Viertelstunde anzusehen. Danach ist klar, wie richtig Groth mit seinem Abgang liegt und mit seiner Kritik, dies sei alles zu kompliziert, konstruiert und behauptet. Es ist noch viel schlimmer: ein Krimi zum Abgewöhnen, ein nicht enden wollendes, abschreckendes Beispiel, ein wirres Verwirrspiel, ein Desaster auf hohem Niveau.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          In Magdeburg stirbt die Frau des Juniorchefs bei einem Brandanschlag auf die Firma Richter. In Rostock wird zur selben Zeit ein Mann erschossen, der Prokurist bei dem Unternehmen und gerade auf unerklärliche Weise zu hunderttausend Euro gekommen war. Zwei Täter, ein Zusammenhang, dem vier „Polizeiruf“-Kommissare nur mühsam auf die Spur kommen. Am Tatort in Rostock tippt LKA-Ermittlerin Katrin König (Anneke Kim Sarnau) auf das Handy des Toten und hat die Kollegin Doreen Brasch (Claudia Michelsen) in Magdeburg am Apparat. Deren Kollege Jochen Drexler (Sylvester Groth) denkt gleich an seine Tage bei der „Cerf“, einer längst ad acta gelegten Dienststelle zur Ermittlung von Verbrechen im Zusammenhang mit der deutschen Einheit, und sucht den früheren Kollegen Ferdinand Frey (Cornelius Obonya) auf, der wegen Vergewaltigung einer jungen Frau sechzehn Jahre im Gefängnis saß.

          Unschuldig, wie er sagt. Ganz eindeutig unschuldig, wissen wir bald, Frey ist nämlich schwul und mit Drexler verbindet ihn mehr als berufliche Kollegialität. Das stellt sich bald unter Beweis und erklärt zum Teil die angestrengte Verkniffenheit dieses Kommissars, der offenbar ein Problem mit seiner Homosexualität hat. Frey war den Tätern, um die es jetzt wieder geht, schon vor mehr als zwanzig Jahren auf der Spur, nun läuft er Amok. Ein einziger Amoklauf ist auch das Auftreten des Rostocker Kommissars Bukow (Charly Hübner). Er ist suspendiert und geht auf die Psychologin los, von deren Urteil seine Rückkehr in den Job abhängt. Mit einem des Mordes Verdächtigen ist er gut bekannt, bald sitzt er neben diesem, der sich vor der Polizei verborgen hält, im Auto, bekommt eine Ladung mit dem Elektroschocker, als er aufwacht, ist der Verdächtige tot, erschossen mit derselben Waffe, mit der schon zwei Morde begangen wurden. Bukow hält sie in Händen, seine blutdurchtränkten Klamotten verbrennt er hinter der Garage, von der Makarov-Pistole wischt er aber nicht einmal seine Fingerabdrücke ab, was ihn später selbstverständlich erst recht verdächtig macht.

          Versucht Trost zu spenden: Claudia Michelsen als Kommissarin Doreen Brasch.
          Versucht Trost zu spenden: Claudia Michelsen als Kommissarin Doreen Brasch. : Bild: NDR/Manju Sawhney

          Katrin König bändelt derweil mit einem anderen Verdächtigen an, dem Sohn des in die Verbrechen verstrickten Security-Firmenchefs Wagner, Doreen Brasch lässt sich ein wenig auf den Rostocker Kollegen Anton Pöschel (Andreas Guenther) ein, der Bukows Abwesenheit in jeder Hinsicht zu nutzen weiß und die Kollegin mit dem nicht eben zurückhaltenden Spruch überfällt: „Du und ich - Sex?“ Die beiden waren früher mal beim SEK. Pöschel sagt „Seks“, meint natürlich die Sache mit „x“ und hält das für sehr witzig. Die Verbrechen, um die es bei all dem geht, sind derweil ein elegisches Trauerspiel. Sie reichen, wie der Titel „Wendemanöver“ schon vermuten lässt, bis in die Tage der Wiedervereinigung zurück. Es geht um „Transferrubelbetrug“ und Waffengeschäfte mit Somalia.

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          Das ist so irre kompliziert, dass die Kommissare es sich in nervtötenden Dialogen (Buch Annika Wangard, Eoin Moore) immer wieder vorlegen müssen, die Regie (Eoin Moore) gibt gleich zu Beginn jede Ordnung auf, an den Figuren wirkt angesichts ihrer doppelten und dreifachen Verquickung nichts echt. „Ich glaub’, ich bin anders“, sagt Katrin König am Ende, „anders als andere Menschen.“ Ihr Kollege Bukow sei „auch anders, aber anders anders.“ In diesem Dreistundendrehkreuz, das sich „Polizeiruf“ nennt, wird einem auch anders. Ganz anders.

          Trailer : „Polizeiruf 110: Wendemannöver (2)"

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