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Neue TV-Serie „Modus“ : Ein Campingwagen im Wald ist immer verdächtig

  • -Aktualisiert am

Indizienkunde: Inger Johanne Vik (Melinda Kinnaman) und Yngvar Nyman (Henrik Norlén) ermitteln. Bild: ZDF und © Miso Film 2015 Photo:

Bei Anruf Mord: Mit dem Vierteiler „Modus“ richtet das ZDF ein Fest für Schwedenkrimi-Puristen aus. Der Mörder kommt aus dem Wald und die Ermittler tappen im Dunkeln.

          Nicht jeder ist sein eigener Herr. Aber Errungenschaften wie der Mobilfunk machen es möglich, an den entlegensten Plätzen zu leben und dennoch beruflich erreichbar zu sein. Der kernige junge Mann, um den es in dem Vierteiler „Modus“ geht, hat sich in ein Waldstück in Schweden zurückgezogen. Seine Tage beginnen mit einem Eisbad. Zur Verpflegung reicht ein Griff nach dem Wild. Als XL-Grill dient ein brennendes Fass. Wenn er einen Auftrag bekommt, geht auf einem seiner sechs Mobiltelefone eine Bildnachricht ein, dann fährt er kurz in die Stadt. Was für ein Traum! Man könnte ganze Abende im Männersender DMAX damit füllen, wie ein echtes Mannsbild in der schwedischen Einsamkeit überlebt.

          Allerdings geht der Mann aus dem Wald keinem bürgerlichen Beruf nach. Richard Forrester (Marek Oravec) ist ein Auftragsmörder des Schlages, wie wir ihn aus den Romanen von Henning Mankell oder Stieg Larsson kennen. Auf dem Rücken trägt er ein Engelsschwingen-Tattoo, er hört gern klassische Musik. Und wenn es sein muss, zerrt er ein Kind von der Straße.

          Ein Mädchen ist die einzige Zeugin

          Im Fall der prominenten Fernsehköchin, auf die der Killer angesetzt worden ist, gibt es eine sehr junge Zeugin. In dem Stockholmer Hotel, in dem Forrester zuschlägt, herrscht Weihnachts-Atmosphäre, obendrein wird gerade Hochzeit gefeiert. Im Nachbarzimmer des Opfers sitzen Kinder mit einem Tablet, die vor der Rückkehr ihrer Mutter noch so viel Fernsehen zu schauen versuchen wie möglich.

          Ein Geheimnis verschwindet im See: Erik Lindgren (Krister Henriksson) versenkt Beweiskräftiges.

          Eines der Kinder, ein lockiges Mädchen, beobachtet den Mord. Sie schaut dem Mörder direkt in die Augen, flieht barfuß auf die Straße - und wird von ihrem Verfolger vor einem herannahenden Laster gerettet. Schon steht die Mutter auf dem Asphalt, es ist nicht mal Zeit für ein kurzes Gespräch. Dass die kleine Augenzeugin Autistin ist, kann der Mörder nicht wissen. Er türmt.

          Den Namen der Mutter kennt indes jeder, der sich für skandinavische Thriller interessiert: Mit der Psychologin Inger Johanne Vik stieg die norwegische Autorin Anne Holt, deren Ruf viel davon zehrt, für einige Monate Justizministerin gewesen zu sein, 2001 in eine Bücher-Serie ein. Sie handelte nicht mehr von der lesbischen Kriminalkommissarin Hanne Wilhelmsen, deren Abenteuer gleichwohl bis 2007 fortgesetzt wurden, sondern von Johanna Vik und Yngvar Stubø, einem erfahrenen Polizisten.

          Die Fernsehserie „Modus“, in der wir Melinda Kinnaman und Henrik Norlén in den Hauptrollen sehen, basiert auf dem vierten Fall der Reihe, der im Deutschen unter dem Titel „Gotteszahl“ in die Buchläden kam. Sie unterscheidet sich von der Vorlage unter anderem dadurch, dass die eigentlich in Norwegen spielende Handlung nach Schweden verlegt wurde.

          Skepsis: Inger Johanne Vik (Melinda Kinnaman) hat einen Verdacht.

          Warum auch nicht? Aufgefahren wird alles, was man ohnehin von einem „Schwedenkrimi“ erwartet: Ermittler mit Familiengeschichten, Verdächtige mit Familienrätseln, Auftragsmörder, die dem liberalen Schweden wenig abzugewinnen vermögen, im Winterwald hängen tote Tiere wie gekreuzigt. Männer küssen Männer, Frauen küssen Frauen, unausstehliche Typen wähnen sich in einer feministischen Diktatur.

          Irgendwo dazwischen: Inger Johanne Vik. Die Professorin, die ihr Handwerk bei FBI-Profilern in Amerika lernte und gerade ein Buch veröffentlich hat, wird in „Modus“ bewundernswert ruhig eingeführt. Das von den Dänen Mai Brostrøm und Peter Thorsboe verfasste Drehbuch verschiebt die Fortentwicklung der eigentlichen Handlung sogar fast auf Teil zwei der Serie. Auf diesem Wege kommt „Modus“ den großen, fast immer durch Mut zur Langsamkeit und Biographik bestechenden Serienerfolgen nah. Alle Figuren erhalten Kontur, auch die Kinder.

          Gleichwohl spielt die deutsch-schwedische Koproduktion „Modus“ in einer anderen Liga als die Serienhits der vergangenen Jahre. Sie unterhält eher so, wie ein Jerry-Cotton-Heft unterhält, das man im Ferienhaus findet: entweder hat man dafür noch einen Draht oder nicht. Für Genre-Puristen ist „Modus“ ein Fest. Thriller-Fans, die das Ungesehene und Unerhörte suchen, bringt die Geschichte von dem Mörder, der in einem Campingwagen im Wald lebt, wenig weiter.

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