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„Verräter - Tod am Meer“ im ZDF : Sie mussten einander begegnen

Trauen können sie niemandem: Martin (Albrecht Schuch) und Nina (Hannah Herzsprung). Bild: ZDF und Bella Halben

Späte DDR, Stasi, BND und RAF-Aussteigerinnen, die einen Mord begehen sollen: Der Film „Verräter – Tod am Meer“ fächert eine vertrackte innerdeutsche Verschwörungsgeschichte auf.

          Als die beiden Volkspolizisten die Leiche einer jungen Frau aus der Ostsee ziehen, ist für ihren Vorgesetzten der Fall sofort klar: ein „213er“, Republikflucht. Allerdings haben die Grenztruppen keinen solchen Vorfall gemeldet. Der präzise Kopfschuss, mit dem Johanna Schön zu Tode gebracht wurde, deutet nicht darauf hin, dass sie bei der versuchten Flucht getroffen wurde. Dem jungen Polizisten Martin Franzen leuchtet das alles nicht ein. Auch nicht, dass sich der Ehemann der Getöteten, kaum dass er ihn befragt hatte, selbst umgebracht haben soll. Der Obduktionsbericht in diesem Fall ist ebenfalls nicht stimmig. „Schließen Sie die Akte“, sagt sein Chef, die Staatssicherheit übernehme. Den Brief an eine gewisse Nina in Berlin, den er bei der Toten gefunden hat, gibt Martin Franzen jedoch nicht weiter. Er will herausfinden, was hier vor sich geht und nimmt sich ein paar Tage frei.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Es ist der Sommer 1988, in dem die Geschichte des Films „Verräter – Tod am Meer“ beginnt. Die Zeichen in der DDR stehen auf Niedergang. Martin Franzen ist nicht der Einzige, der Fragen hat. Mit wem er sich da anlegt, um einen mysteriösen Mordfall zu klären, ahnt er freilich nicht. „Jeder Mensch hat seine Geheimnisse“, sagt eine Kollegin der verstorbenen Johanna Schön, die Franzen im Krankenhaus besucht. Nur eines sei für sie gewiss: In den Westen flüchten wollte die junge Frau nicht. Franzens verschrobener väterlicher Freund Gerd (Christian Redl), von dem er annimmt, dass er bei der Stasi war oder noch ist, scheint ihm etwas sagen zu wollen, redet aber in Rätseln. Er hat mit Staat und Partei abgeschlossen und scheint der Einzige zu sein, dem Martin vertrauen kann.

          Begeben sich gemeinsam auf die Flucht: Der Volkspolizist Martin Franzen (Albrecht Schuch) und die RAF-Aussteigerin Nina (Hannah Herzsprung).
          Begeben sich gemeinsam auf die Flucht: Der Volkspolizist Martin Franzen (Albrecht Schuch) und die RAF-Aussteigerin Nina (Hannah Herzsprung). : Bild: ZDF und Bella Halben

          Die ominöse Nina vertraut ihm wiederum erst einmal nicht. Bei einem konspirativen Treffen, bei dem sie die Stasi abschütteln müssen, hält sie Martin eine Waffe vor die Nase. Doch wie die Erzählung der Drehbuchautoren Stefanie Veith und Nils Willbrandt nach dem Roman „Innere Sicherheit“ von Christa Bernuth es will, sind Nina und Martin aufeinander angewiesen. Bald sind sie gemeinsam auf der Flucht und voneinander angetan. Die Chancen, dass sie der Stasi und dem BND, der auch mit im Spiel ist, entkommen, stehen derweil denkbar schlecht.

          Dass Stasi und BND auf unheilvolle Weise zusammenwirken, hat seinen Grund darin, dass es sich bei der getöteten Johanna Schön und bei Nina um RAF-Aussteigerinnen handelt, die in der DDR Unterschlupf gefunden haben und nun für die Stasi als Söldnerinnen Attentate begehen sollen. Sie sollen – mit stillschweigender Billigung des BND –, einen Frankfurter Banker liquidieren, der angeblich verhindert, dass die DDR weitere Kredite erhält. In Wahrheit setzt der Betreffende sich dafür ein, der Dritten Welt die Schulden zu erlassen. Die Anspielung auf den von der RAF am 30. November 1989 ermordeten Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen, ist unverkennbar.

          Fernsehtrailer : „Verräter - Tod am Meer“

          So verdreht wie der Verschwörungsplot anmutet, der ob seiner Erklärbedürftigkeit oft im Text transportiert werden muss, ist der von der Regisseurin Franziska Meletzky inszenierte Film glücklicherweise nicht. Das hat auch mit der klaren Bildführung der Kamerafrau Bella Halben zu tun, die die späte DDR neunzig Minuten lang gegenwärtig macht. Und es hat mit den beiden bemerkenswerten Hauptdarstellern Albrecht Schuch als Martin und Hannah Herzsprung als Nina zu tun, auf deren Schultern die Handlung des Films fast ganz allein lastet. Wie ihre Figuren sich einander nähern, das hat nichts Aufgesetztes, Ungefähres oder Kitschiges, sondern etwas Existenzielles.

          „Warum sind wir uns begegnet?“, fragt Martin, bevor sie die vermeintlich rettende Grenze nach Polen erreichen. „Weil es nicht anders ging“, sagt Nina. Punkt. Nach einem Happy End klingt das nicht, und das bekommen wir auch nicht zu sehen, sondern zwei Menschen, die aus einer Welt voller Falschheit und Verrat ausbrechen wollen. Ob sie es schaffen?

          Verräter – Tod am Meer läuft heute, Montag 21. August, um 20.15 Uhr im ZDF.

          Quelle: F.A.Z.

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