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Der Herr der Ringe als Serie : Hobbits im Versand

Der Schauspieler Martin Freeman als Bilbo Beutlin: Eine Szene aus dem Film „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“. Bild: Imago

„Ein Ring sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden“: Der „Herr der Ringe“ soll bei Amazon in Serie gehen.

          Der „eine Ring“ mag zerstört sein, doch seine Geschichten werden wir nicht wieder los. Schon jene, die dachten es sei mit dem dritten Teil der Verfilmung des „Herrn der Ringe“ von J.R.R. Tolkien durch Peter Jackson vorbei, täuschten sich gewaltig. Da konnte der Ring noch so formschön auf der Lavakruste im Inneren des Schicksalsbergs schmelzen; es folgte die Verfilmung der Vorgeschichte, des Hobbits (in drei Teilen) sowie eine gewaltige Flut von Computerspielen und Merchandise-Artikeln aller Art. Und es ist noch lange nicht vorbei.

          Axel Weidemann

          Redakteur im Feuilleton.

          Wie „Variety“ berichtet, denken Warner Bros. und Tolkiens Erben darüber nach, den Stoff um die Zerstörung des Meister-Rings durch eine Bande tapferer Halbwüchsiger noch einmal in Serienform auf den Bildschirm zu bringen. Nach Angaben von „Variety“ hat sich Amazon im Wettbewerb um die Rechte früh an die Spitze gesetzt. Zwar gibt es weder einen Deal, noch eine offizielle Äußerung seitens Amazon oder Warner Bros.. Doch soll sich Jeff Bezos, der für seinen Fantasy-Faible bekannt ist, selbst in die Verhandlungen eingeschaltet haben. Es geht um viel. Vor allem um viel Geld. Zweihundert bis 250 Millionen Dollar sollen allein die Rechte am Stoff kosten, meldet das Online-Portal „Deadline.com“. Und das ist nur der Preis dafür, das Ganze überhaupt produzieren zu dürfen.

          250 Millionen Dollar allein für die Rechte am Stoff

          An Geld wird es Amazon nicht mangeln. Denn in der großen Materialschlacht um den nächsten großen Serienhit musste sich das Unternehmen seinen größten Rivalen, Netflix und HBO, bisher – abgesehen von einigen Nischen- und Kritikererfolgen – geschlagen geben. Eine Erzählung mit internationalen Erfolg und Größe, wie sie zuletzt mit „Stranger Things“ bei Netflix oder „Game of Thrones“ von HBO bei Sky gab, bietet das bisherige Œuvre der Amazon-Originals-Serien nicht.

          Deshalb hat man bei den Amazon Studios die Weichen im Oktober neu gestellt: Etliche aus der Führungsriege, darunter der Vizepräsident des Studios, Roy Price, mussten den Hut nehmen. Die Abgänge fallen – obwohl in Prices Fall Beschuldigungen wegen sexueller Belästigung eine Rolle gespielt haben sollen – mit einer Weisung von Jeff Bezos zusammen, die das Unterhaltungsangebot von Amazon von Grund auf ändern wird. Bezos, heißt es, wolle endlich sein eigenes „Game Of Thrones“. Daher setze man nun alles daran, sich auf massenkompatible Hochglanzproduktionen zu konzentrieren. Serien wie „Transparent“ oder „Z: The Beginning of Everything“, deren Fortsetzung zuletzt gestrichen wurde, haben es somit schwerer.

          Damit unterliegt die Serienproduktion im Netz dem Diktat des Erfolgs beim großen Publikum, wie es bei den Fernsehsendern gilt. Das führt dazu, dass es unter den Stoffen nur die ganz sicheren Publikumsrenner – „Sure Shots“ – in die Auswahl schaffen, obgleich Amazon, Netflix und HBO weder auf Quoten oder wie die Kinoveranstalter auf Ticketverkäufe angewiesen sind. Am „Herrn der Ringe“ sollen neben Amazon auch Netflix und HBO interessiert sein. Dem Letzten, der nach dem „einen Ring“ griff, ist dies bekanntlich schlecht bekommen.

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