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„Die Konfirmation“ : Der Glaube als letzte Form des Protests?

  • -Aktualisiert am

Bens Freundin Frida (Tijan Fischer-Islas) bildet das wilde Gegenstück zur Besonnenheit des Jungen. Bild: ARD Degeto/Reiner Bajo

Ein Junge lehnt sich gegen seine vermeintlich freigeistigen Eltern auf: Er findet zur Religion. Der Film zeigt, was Jugendlichen der christliche Glaube bieten kann.

          Am Sonntagmorgen ist Bens (Tim Litwinschuh) Bett leer. Fünfzehn Jahre ist ein bisschen früh, um die Nacht durchzumachen, findet seine Mutter Johanna Winkler (Ulrike C. Tscharre), schämt sich aber gleichzeitig ihrer Gluckenhaftigkeit. „Bleib mal locker“, fordert ihr Lebensgefährte Felix (Ben Braun). Der umtriebige Sozialpädagoge mit unklarer Beschäftigungslage – dann und wann trainiert er Jugend-Fußballmannschaften – und eher peinlichen Jugendslang findet Johannas Frage „Wo warst du?“ echt daneben. „Bisschen übergriffig. Inquisition.“

          Als Ben mit der Sprache herausrückt, fühlen sich Mutter und Stiefvater umgehend schuldig. Der Junge war in der Kirche. Beim Gottesdienst. Genauer: Bei seiner Taufe. War er betrunken, war es eine Wette oder eine schräge Mutprobe? Nein, sagt der Junge, der in sich ruht wie Jesus auf dem Ölberg, er wolle sich konfirmieren lassen. Das Weltbild seiner Erzieher bekommt in diesem Moment Risse. Da hat man sich so viel Mühe gegeben, eine repressionslose, glaubensbefreite Atmosphäre zu schaffen, und jetzt das. Ein subversiver Akt pubertärer Rebellion?

          Konfirmationsunterricht mit Schaumstoffkissen

          Dabei sind sie gar nicht links und auch keine überzeugten Atheisten. Mit ihrer Toleranz hat es jetzt ebenfalls schnell ein Ende. Die verantwortliche Pfarrerin werde sie kennenlernen, schäumt Johanna. „Die Taufe ist ungültig.“ Ist sie nicht. Ab vierzehn ist man hierzulande mündig, was die Wahl seiner Religion angeht, und kann über seine Zugehörigkeit zu einer Konfession selbst bestimmen.

          Auch die Pfarrerin Tabea (Christina Große) entspricht nicht Johannas Erwartungen. Sie ist eine moderne Vertreterin der evangelischen Kirche, betreibt ihren Konfirmationsunterricht erlebnisorientiert und lässt ihre Schützlinge den Kampf David gegen Goliath mit Schaumstoffkissen austragen oder über die Mehrfachbedeutung des Begriffes Vater sinnieren. Ihre Vorbereitung auf die Erneuerung der Taufe durch die Jugendlichen hat nichts von Repression, aber viel mit individueller Sinn- und Haltsuche zu tun. Ben, so wird im Verlauf von Stefan Krohmers alltagsgeerdetem Spielfilm „Die Konfirmation“ deutlich, sucht genau das. Er will sich ausprobieren.

          Die Sache mit Gott hat für ihn auf dem Weg der Selbsterforschung und wachsenden Selbstbestimmung eine gewisse Anziehungskraft. Die wahrhaft Bornierten sind seine angeblich freigeistigen Eltern. Sandkastenfreundin Frida (Tijan Fischer-Islas) bildet das wilde Gegenstück zur Besonnenheit des Jungen. Sie fragt ihn aber trotzdem ernsthaft interessiert nach seinen Absichten, ebenso wie sein Opa Axel (Reiner Schöne), der in punkto Halt und Struktur mit seiner innerlich unsicheren Tochter Johanna noch eine Rechnung offen zu haben scheint. Oder sie mit ihm. Bens leiblicher Vater Simon (Kai Wiesinger) ist auch konsterniert, versucht aber, wie immer, die Sache mit Geld zu bereinigen.

          Beate Langmaacks Buch bewegt sich auf das Feld der Glaubensannäherung wie auf dünnes Eis. Sie geht von Menschen aus, die gar keinen Bezug mehr zum Christentum haben, begreift das aber nicht als kulturelles Manko, sondern zunächst einmal als schlichte Tatsache. Ein wenig zu reif gerät ihr dabei vielleicht die Figur von Ben. Einer, der trotz der Verständnislosigkeit seiner Umgebung niemals wankt und nicht weicht und der am Ende alle wichtigen Menschen seines Lebens mit Konfirmationsgeschenken bedenkt, die ihm nur ein vollkommen in der Gnade Stehender eingeflüstert haben kann. Als personifizierter Kitt einer – unter der toleranten Oberfläche – von Unsicherheit getriebenen Verwandtenschar ist ein Fünfzehnjähriger doch vielleicht noch etwas überfordert.

          Andererseits gelingt Langmaack, Krohmer und dem Kameramann Manuel Mack Bemerkenswertes. Sie zeigen das evangelische Christentum in unaufgeregter Manier einerseits als Terra incognita, andererseits glaubwürdig als Faszinosum für Jugendliche, denen die Eltern alle anderen Möglichkeiten des Protests schon genommen haben. Und es ist kein esoterischer Gemischtwarenladen, der hier in den Blick genommen wird. Während Johanna wie früher spielsüchtig wird, um vermeintliche Kontrolle über ihr Leben zu bekommen, will Felix mit dem Jungen nach Kathmandu oder sonstwohin, wo Spiritualität eine Rolle spielt, ganz egal. Doch Ben geht es um das Christentum. Als Reise mit ungewissem Ausgang, aber freiwilliger Selbstverpflichtung.

          „Die Konfirmation“ ist ein Film, der nachvollziehen lässt, was auch tiefenentspannte Jugendliche am christlichen Glauben finden können. Und warum äußerlich praktizierte Toleranz nicht unbedingt der Weisheit letzter Schluss ist. Er läuft im Ersten im Rahmen der Themenwoche „Woran glaubst Du?“.

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