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Veröffentlicht: 31.03.2015, 18:39 Uhr

Sat.1-Film „Die Ungehorsame“ Bis der Tod sie scheidet

Bei Gewalt in der Ehe schweigen die Misshandelten und Gedemütigten meist und verlassen den Partner nur selten. Der Sat.1-Film „Die Ungehorsame“ zeigt eine Geschlagene, die sich wehrt.

von Heike Hupertz
© obs Ihre Ehe ist ein Grauen: Leonie (Felicitas Woll) und ihr Mann Alexander (Marcus Mittermeier).

Warum verlassen geschlagene, vergewaltigte und gedemütigte Frauen ihren Peiniger so selten? Ist es die Angst, die Scham? Oder das zerstörte Selbstwertgefühl, die Ohnmacht? Ist es ein Selbstopfer, um die Kinder zu schützen? Wie gelingt es den Tätern, das geschlossene System zu erzeugen, in dem ihre Partnerinnen lieber schweigen und alles ertragen, als auszubrechen? Jede vierte Frau in Deutschland, so die Statistik, wird Opfer häuslicher Gewalt. Die Täter finden sich in allen gesellschaftlichen Schichten. Nach außen bleiben sie meist unauffällig. Die von ihnen misshandelten Frauen könnten sie entlarven. Doch weder Frauenhäuser noch Opfertelefone können viel ausrichten gegen die Täter-Opfer-Psychologie, die gewalttätigen Beziehungen in der Regel zugrunde liegt.

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Der Sat.1-Film „Die Ungehorsame“ zeigt, wie eine Partnerschaft sich in puren Horror wandelt. Seine Dramaturgie entlehnt der Film Gerichtsdramen amerikanischer Prägung. Die Geschichte der Ehe von Leonie (Felicitas Woll) und Alexander Keller (Marcus Mittermeier) schildert Regisseur Holger Haase in präzisen, nüchtern inszenierten Rückblenden. Die Kamera von Uwe Schäfer wechselt zwischen Nähe und Distanz, eine Kamerafahrt um die eigene Achse im Gerichtssaal gehört dazu, dann wieder befinden wir uns auf Augenhöhe mit der misshandelten Ehefrau. Was sie durchlebt, bedarf keiner dramaturgischen Steigerungen, und konsequent verzichtet das Drehbuch von Michael Helfrich auf solche Strategien. Es küchenpsychologisiert nicht, es unterfordert nicht die Fähigkeit des Zuschauers, mit komplexen Gefühlsgemengelagen umzugehen. Dabei steht eines nicht zur Debatte: wer hier der Täter und wer das Opfer ist.

Isolierung, Entwertung und Demütigung

Am Anfang ist Alexander so ziemlich alles, was die meisten Frauen sich wünschen. Gutaussehend, selbstbewusst, galant, großzügig, beruflich engagiert und erfolgreich. Charmant und witzig. Intelligent und wohlhabend. So einer soll seine Frau gewürgt, in den Bauch getreten, als „Nutte“ beschimpft, niedergeschlagen und mit dem Tod bedroht haben? Den Ermittlern, die von Leonie in den vormals blitzsauberen Wohlstandskäfig gerufen werden, bietet sich ein grauenvolles Bild.

Die Küche sieht aus wie ein Schlachtfeld. In ihrer Mitte der tote Ehemann, mit der Tranchiergabel im Körper. In einem Zimmer versteckt sich Leonies Sohn (Matti Schmidt-Schaller). Sie habe aus Notwehr gehandelt, sagt die Frau. Alexander habe sie erdrosseln wollen, weil die Küche nicht aufgeräumt gewesen sei. In der U-Haft wirkt sie teilnahmslos und kooperiert kaum mit der unerfahrenen Pflichtverteidigerin (Alina Levshin). Zeugen treten auf, die sie belasten. Psychisch instabil sei sie gewesen. Woher man das wisse? Von Alexander. Er sei besorgt gewesen, unerreicht in seiner Fürsorglichkeit. Entlastungszeugen gibt es nicht. Leonie hat alle Kontakte längst abgebrochen. Die Pflichtverteidigerin aber lässt nicht locker. Sie will das System von Isolierung, Entwertung und Demütigung enthüllen, das dem Ehemann Kontrolle und Macht über sein Opfer gab.

„Die Ungehorsame“ vermeidet es, physische Gewalt allzu deutlich darzustellen, und deutet manches nur an. Die verbale Gewalt ist es, die diesen Film so quälend wie sehenswert macht. Felicitas Woll und Marcus Mittermeier zeigen schauspielerische Glanzleistungen. So gelingt die Balance zwischen spannend erzähltem Genrefilm und engagiert aufklärendem Beziehungsdrama. Das hat nichts von einem Thesenstück oder bloß gutgemeinter pädagogischer Unternehmung. Von solchen Filmen hat das Privatfernsehen nicht allzu viele zu bieten.

Die Ungehorsame läuft um 20.15 Uhr bei Sat.1.

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