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„Der Fall Mollath“ im Ersten : Von Schwarzgeld wollte niemand etwas wissen

Gustl Mollath wurde 2006 in der Psychiatrie untergebracht, weil er als „wahnhaft“ galt Bild: dpa

Gustl Mollath wurde 2006 von der Justiz in die Psychiatrie gesteckt, weil er vor Schwarzgeldkreisen warnte. Eine ARD-Dokumentation zeigt nun, dass offenbar alle Verantwortlichen heillos überfordert waren.

          Gustl Mollath, dem berühmtesten Psychiatriepatienten der Republik, ist Unrecht widerfahren. Das Urteil, mit dem er zwangsweise in einer Klinik untergebracht wurde, ist zwar noch in Kraft; sowohl seine Anwälte als auch die Staatsanwaltschaft haben aber die Wiederaufnahme des Verfahrens beantragt - diese Einmütigkeit spricht eine deutliche Sprache.

          Albert Schäffer

          Politischer Korrespondent in München.

          Die 7. Strafkammer des Landgerichts Nürnberg-Fürth, die Mollath 2006 verurteilte, sah bei ihm eine paranoide Wahnsymptomatik gegeben; er glaube, „Schwarzgeldkreise“, in die seine Frau verstrickt sei, hätten sich gegen ihn verschworen. Eine Anzeige, die er wegen Verschiebungen von Geldern in die Schweiz gestellt hatte, beachtete die Strafkammer nicht - anders als die Bank, bei der seine Frau beschäftigt war: In einer internen Untersuchung kam sie schon 2003 zu dem Ergebnis, alle „nachprüfbaren“ Behauptungen Mollaths träfen zu; er besitze „Insiderwissen“.

          Monika Anthes und Eric Beres erzählen in ihrem Dokumentarfilm das Schicksal Mollaths, der jetzt 56 Jahre alt ist, noch einmal nach. Wie ihm zunächst kein Glaube geschenkt wurde; wie ihm dann, als sich herausstellte, dass er nicht falsch lag, bedeutet wurde, auf die Wahrheit käme es gar nicht an.

          Die beiden Journalisten, die zur Redaktion „Report Mainz“ gehören, haben mit Beteiligten gesprochen, soweit sie auskunftswillig waren, und Dokumente ausgewertet. Sie sind, was die Fakten betrifft, auf der Höhe anderer Recherchen, etwa von Uwe Ritzer und Olaf Przybilla, die ein Buch zum Fall Mollath verfasst haben. Eine schlüssige Antwort auf die quälenden Fragen, was zum Versagen der Justiz geführt hat - Fehlverhalten Einzelner, Mängel im Rechtssystem oder gar kriminelle Energie -, können auch Anthes und Beres nicht geben.

          Der Zerfall der Partnerschaft 

          Mollaths Sturz in die Abgründe der Justiz und der Psychiatrie begann mit der Zerrüttung seiner Ehe, die später geschieden wurde. Das nach außen harmonische, wohlsituierte Leben, in dem er italienische Sportwagen restaurierte und sie bei der Bank arbeitete, mündete in Schlachten, für die Rosenkrieg eine beschönigende Bezeichnung wäre. Sie zeigte ihn wegen Körperverletzung an und behauptete, sie sei geschlagen, gebissen und gewürgt worden; er brachte die Anzeige wegen Schwarzgeldschiebereien auf den Weg.

          Der Film zeichnet den Zerfall der Partnerschaft sehr dicht nach - mit Aufnahmen aus glücklicheren Tagen, mit Berichten von Weggefährten, mit Mollaths eigenen Schilderungen. Auch die Eskalation des Konflikts zwischen den Eheleuten ist gut dokumentiert, bis hin zu der Aussage eines Freundes, Petra Mollath habe ihm in einem Telefonat bedeutet, wenn ihr Mann sie und die Bank anzeige, werde sie reagieren. Sie habe gute Beziehungen: „Dann hänge ich ihm was an, ich weiß auch, wie.“

          Mollath war im Ausnahmezustand

          Es war eine hässliche Auseinandersetzung, wie sie immer wieder die Schreibtische von Staatsanwälten und Richtern erreicht; sie sollten gewohnt sein, damit umzugehen. Doch in diesem Fall setzen hier viele Fragezeichen ein. Wie kam es, dass die Anzeige Mollaths bei der Justiz und der Steuerfahndung auf die Seite gelegt wurde, obwohl sie konkrete Hinweise enthielt, mit Namen von Bankmitarbeitern und Kunden sowie einer Kontoverbindung in Zürich? Weil Mollath, der einst das zweitbeste Abitur seines Jahrgangs abgelegt hatte, in einer Diktion schrieb, die auf psychische Nöte hinwies?

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