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Veröffentlicht: 28.07.2012, 14:08 Uhr

Der eingebildete Gast Eine Einladung beginnt in der Küche

Was man tun muss, um den Henri-Nannen-Preis nicht zu gewinnen: Heribert Prantl schreibt über ein Abendessen bei Andreas Voßkuhle, das wohl nie stattgefunden hat.

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© dpa In seiner Küche war Heribert Prantl nur in seiner Phantasie zu Gast: Andreas Voßkuhle, Präsident des Bundesverfassungsgerichts

Andererseits: Wo kommen wir eigentlich hin, wenn jetzt auch noch die letzten deutschen Qualitätsjournalisten auf Journalistenpreise pfeifen? Heribert Prantl, der Innenpolitikchef der „Süddeutschen Zeitung“, hat sich jetzt jedenfalls schon mal vorsätzlich disqualifiziert. In einem Text über Andreas Voßkuhle, den Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts (in der „Süddeutschen Zeitung“ vom 10. Juli), schilderte er ausführlich, wie es so zugeht, wenn der Richter seine Gerichte zubereitet, und zwar zuhause in der Küche.

Harald Staun Folgen:

Sicherheitshalber war Prantl, wie jetzt eine Sprecherin des Verfassungsgerichts erklärte, „weder für diesen Artikel noch zu einem anderen Zeitpunkt von Herrn Voßkuhle zu einem privaten Essen eingeladen“ worden, könne daher auch nicht „aus persönlicher Anschauung mit den Kochgewohnheiten des Präsidenten vertraut sein“.

Auf einen Preis weniger kommt es nicht an

Man müsse „nicht gleich an den Fall Pfister denken“, schreibt der Berliner „Tagesspiegel“ dazu. Aber woran denn sonst? Mit seiner Fernwartung der Horst Seehoferschen Modelleisenbahn hatte der „Spiegel“-Autor vor zwei Jahren den Henri-Nannen-Preis erst gewonnen, dann wieder aberkannt bekommen. Seitdem weiß jeder, was man tun muss, um den Preis nicht zu gewinnen.

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Aus welcher Anschauung auch immer Prantl seine Informationen über Voßkuhles kulinarische Methoden bezog, sie schienen ihm bedeutender als so ein „Henri“. In der Küche des Richters nämlich, „dem Ort, an dem das Fleisch geklopft, der Fisch entgrätet, das Gemüse gegart und das Essen abgeschmeckt wird“, lüftet sich schließlich „eines der größten Geheimnisse der Republik“: das Beratungsgeheimnis der Richter in Karlsruhe. Selbstverständlich darf das der Öffentlichkeit nicht verschweigen werden, auf einen Preis weniger kommt es da nicht an.

Den hätte man ruhig mal zum Essen einladen können

„Bei Voßkuhles“, schrieb Prantl, „setzt man sich nicht an die gedeckte Tafel und wartet, was aufgetragen wird. Eine Einladung (...) beginnt in der Küche: Der eine Gast putzt die Pilze, der andere die Bohnen, der dritte wäscht den Salat. Zu diesem Arbeitsessen gibt es ein Arbeitsweinchen. Natürlich hat der Gastgeber alles sorgfältig vorbereitet, natürlich steht die Menüfolge fest; aber es entsteht alles gemeinsam. Jeder hat seinen Part, jeder hat was zu schnippeln, zu sieden und zu kochen, jeder etwas zu reden: Es geht um die Nudel, die Küchenrolle und um die Welt. Voßkuhle selbst rührt das Dressing. Man ahnt, wie er als oberster Richter agiert“.

Im Übrigen ist Prantls Text eine Hymne, er verteilt Sterne im Stil eines „Guide Michelin“-Testers: Voßkuhle habe „hervorragende Qualitäten: eine schnelle Auffassungsgabe, eine kräftige Portion Selbstbewusstsein, großen, sehr großen Ehrgeiz, den ein heiteres Gemüt erträglich macht; er vermag wohltemperiert und eloquent zu reden, und er kümmert sich um seine Leute, seien sie Wachtmeister oder Verfassungsrichter.“

Wer so nett über einen schreibt: Den hätte man ruhig mal zum Essen einladen können.

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