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Reporter Paul Sahner tot : Er war der König des Klatsches

Verstarb am Sonntag im Alter von siebzig Jahren: Paul Sahner Bild: dpa

Er avancierte zum Gesellschaftsreporter der Bundesrepublik schlechthin und zum Aushängeschild der „Bunte“. Jetzt ist Paul Sahner, der Großmeister des Unterhaltungs-Journalismus, im Alter von siebzig Jahren gestorben.

          Die Fernsehsendung, die er einmal moderierte, war nicht seine wichtigste Bühne, ihr Titel freilich trifft das Wesen seines Wirkens: „... bitte mit Sahner“ hieß das Format, das Paul Sahner auf dem kleinen Sender „Das Vierte“ präsentierte. Mit Sahner - das reichte, um das Markenzeichen auszuweisen. Paul Sahner war Chefreporter der Zeitschrift „Bunte“, er war der Gesellschaftsreporter der Bundesrepublik oder, wie die „taz“ einmal schrieb, der „Gottvater der Intimbeichte“. Am Sonntag ist er im Alter von siebzig Jahren gestorben.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Angefangen hatte Sahner beim „Westfalenblatt“. Er war Polizeireporter für die „Bild“ in München, schrieb für die „tz“, den „Stern“, die „Hörzu“ und die „Bunte“, in den Neunzigern führte er zwei Jahre lang die Redaktion des Magazins „Penthouse“, 1994 kehrte er zur „Bunten“ zurück, 2001 trat er in die Chefredaktion ein, den ihm angemessenen Titel des „Chefreporters“ trug er seit 2007. Als solcher war er, neben der Chefredakteurin Patricia Riekel, das Aushängeschild seiner Zeitschrift. Erst vor einem Jahr war Sahner, kurz vor seinem siebzigsten Geburtstag, in einen Teil-Ruhestand getreten, als Autor schrieb er für die „Bunte“ bis zuletzt.

          Die legendärste Geschichte, mit der Sahner als Reporter in die Annalen einging, war sicherlich die, die er 2001 von einem Mallorca-Trip mit dem damaligen Verteidigungsminister Rudolf Scharping und dessen Freundin, Kristina Gräfin Pilati, mitbrachte. Die „ausgelassenen Wasserspiele“, von denen Sahner seinerzeit berichtete - gemeint war das Planschen der Verliebten im Pool - hatten für Scharping allerdings negative Folgen. Die Episode wurde zur „Bin Baden“-Affäre und bedeutete den Anfang vom Ende der Partei-Karriere des SPD-Politikers. Dabei hatte Sahner getan, was er stets machte - das Persönliche in den Vordergrund gestellt. Dass das Persönliche und das Politische nicht immer zu trennen sind, sollte sich hier jedoch erweisen.

          Sahner habe die „Bunte“ in „den vergangenen zwei Jahrzehnten entscheidend geprägt“, sagte die Chefredakteurin Patrica Riekel. „Wir verlieren nicht nur einen der größten Gesellschaftsjournalisten dieses Landes, sondern auch einen geliebten Menschen. Unsere Trauer ist unbeschreiblich.“ Der Burda-Vorstand Philipp Welte teilte mit: „Paul Sahners Tod trifft uns alle zutiefst. Er war ein wundervoller Mensch und als brillanter Erzähler prägender Teil der journalistischen Kultur dieses Unternehmens und unserer gesamten Branche. Unsere Gedanken sind bei seiner Frau und seiner Tochter.“

          Auch Hubert Burda trauert um den Reporter: „Paul Sahner war einer der ersten, die zur neuen Bunte-Redaktion in Offenburg 1976 kamen. Mit Journalisten wie ihm ist eine vollkommen neue Kategorie von Leute-Personalien entstanden, die aus Bunte in der Folge das große People-Magazin werden ließen. Paul Sahner war ein großer Journalist und ein wunderbarer Mensch.“

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