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Sparzwang beim Fernsehen : Als die Tiere den BR verließen

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Immer ganz nah dran: Die Tierfilmer Hans Schweiger (links) und Ernst Arendt an einem Nest eines Mornellregenpfeifers (Charadrius morinellus). Bild: dpa/Wildlife

Mit der Sendung „Tiere vor der Kamera“ haben die Naturfilmer Ernst Arendt und Hans Schweiger ein Genre geprägt. Nun werden sie beim Bayerischen Rundfunk nach 39 Jahren vor die Tür gesetzt.

          Die Fahrt nach Darwin, die Tierwelt in den Tablelands, die Baumkängurus, die Schnabeltiere im Nordosten Australiens und das tropische Finale an Cape York - all das werden die ARD-Zuschauer nicht zu sehen bekommen. Die Reise der Tierfilmer Ernst Arendt und Hans Schweiger endet nach 39 Jahren im öffentlich-rechtlichen Fernsehen abrupt und traurig. Denn im Bayerischen Rundfunk, bei dem die beiden Tierfilmer seit 1974 jährlich ihre einzigartigen Beobachtungen ablieferten, können sie das Ende ihrer Reise durch Australien nicht zeigen.

          Das Aus kam für beide überraschend im vergangenen Januar. Nach der Ausstrahlung der ersten drei Folgen von „Highway durch Australien“ habe er wissen wollen, „wann wir die nächsten Filme anliefern sollen“, sagt Ernst Arendt, „und war umso überraschter, als die Redakteurin am anderen Ende der Leitung meinte, es gebe keine Fortsetzung. Der Sender müsse sparen, und es gebe eine BR-Regelung, wonach über Fünfundsechzigjährige nicht mehr beschäftigt werden könnten. Das Ganze hat genau drei Minuten gedauert.“ Die Redakteurin habe sich verbeten, direkt unter ihrer Nummer angerufen zu werden. „Dabei war das mit Verlaub die Nummer, die wir seit 38 Jahren immer in Freimann angerufen hatten.“

          Preisgekrönte Tierfilmer, aussortiert aus Alters- und Spargründen

          Arendt und Schweiger haben für ihre Filme den Grimme-Preis, den Bayerischen Fernsehpreis und die Goldene Kamera bekommen. Sie haben nie für einen anderen Sender als den Bayerischen Rundfunk gearbeitet und der ARD regelmäßig überdurchschnittliche Quoten beschert. Geschätzt werden sie auch von Simone Peters, jener Redaktionsleiterin, die den beiden den Laufpass gab - auch mit den Worten, Sie hätten ja „lange genug gut vom Bayerischen Rundfunk gelebt“. So etwas verletzt die beiden Tierfilmer. Da hilft es nicht viel, wenn Peters erklärt, in ihrer Jugend ein Fan ihrer Tierfilme gewesen zu sein. Seit publik geworden ist, dass die Tierfilmer, die demnächst 68 werden, aus Alters- und Spargründen aussortiert wurden, stehen der BR und die Redaktionschefin in der Kritik.

          Ernst Arendt steht bei Tonaufnahmen unter genauer Beobachtung eines westlichen grauen Riesenkängurus Bilderstrecke
          Ernst Arendt steht bei Tonaufnahmen unter genauer Beobachtung eines westlichen grauen Riesenkängurus :

          Doch ganz so einfach sind die Rollen des Kasperls und des Krokodils in diesem Stück nicht verteilt. Simone Peters sind die Sendeplätze zusammengestrichen worden, statt drei gibt es 2017 nur noch einen Sendeplatz. Es steht weniger Geld zur Verfügung, jüngere Mitarbeiter seien von Arbeitslosigkeit bedroht, wenn der BR sie nicht beschäftige. „Aus dieser Notlage heraus mussten Entscheidungen getroffen werden. Das ist keinerlei Bewertung der Qualität oder des Alters der Produzenten, die nicht mehr beschäftigt werden können.“ Jeder Auftrag sei ein „Solitär“, daraus ergäben sich keinerlei Ansprüche auf einen folgenden. Verpflichtet ist der Sender hingegen all seinen fest-freien Mitarbeitern.“ Der BR habe die Filme von Arendt und Schweiger ausgestrahlt und wolle sie auch wiederholen. Daran sei doch zu erkennen, dass man mit ihrer Arbeit zufrieden war. In Gesprächen und bei einem persönlichen Treffen habe man dies ausdrücklich gewürdigt, sagt sie.

          Sie beschritten ganz neue Wege im Umgang mit Ton und Bild

          An den Termin erinnern sich Arendt und Schweiger anders. Ausdrücklich als „kurzes Treffen“ sei es deklariert worden und habe eine halbe Stunde vor Feierabend beim BR in München stattgefunden. Die Redaktionsleiterin habe im Beisein eines Redakteurs die Sparzwänge beschrieben und erläutert, dass sie die Richtlinie, niemanden über 65 zu beschäftigen, durchsetzen müsse. „Als wir sie baten, uns das schriftlich zu geben, damit wir bei Presseanfragen auf die Begründung verweisen könnten, hat sie nur scharf gefragt: Was, Sie drohen mir mit der Presse?“, sagt Hans Schweiger.

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