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„Der Andi ist wieder da“ : Ein Hipster auf’m Dorf

  • -Aktualisiert am

Provinzpaar: Kathi (Dagmar Leesch) und Andi (Nicholas Reinke) Bild: SWR

Der Heimatfilm „Der Andi ist wieder da“ lässt seinen gescheiterten Protagonisten in die Provinz zurückkehren. Mit all seinen ungelösten Großstadtproblemen.

          Natürlich verkleidet sich dieser Fernsehfilm, der von der unfreiwilligen Rückkehr eines Traumtänzers aus der Metropole erzählt, von einem Kreativen, der auf den Boden der Tatsachen zurückknallt, als Kommentar auf den Hype um Hamburg und Berlin. Er will sogar als tragikomisches Porträt einer Generation verstanden werden. Im Hintergrund laufen Hymnen wie „Was hat dich bloß so ruiniert?“ von den „Sternen“ oder die Wiederauferstehungs-Pille „Das Leichteste der Welt“, die der Rheingauer Liedermacher Gisbert zu Knyphausen mit Nils Koppruch aufnahm: „Jeder Tag ist ein Geschenk, er ist nur scheiße verpackt.“ So fühlt es sich an, wenn man „neununddreißigdreiviertel“ ist wie Schäfers Andi und merkt, das Leben ist kein Ponyhof.

          Tatsächlich hat Wolfgang Stauch mit „Der Andi ist wieder da“ ein Familien-Drama geschrieben, dessen Geschichte sich in der sensiblen filmischen Umsetzung von Regisseurin Friederike Jehn erst allmählich abzeichnet wie der Untergrund jener Wand, die Andis Vater mit zitternder Hand aufstemmen muss. Dieser Vater (Tilo Prückner) ist ein Handwerker, wie er im Buche steht. Ein Mann, der mit dem Intellektuellen-Dasein von Andreas, dem Architekten (Nicholas Reinke), nichts anfangen kann. Noch als Siebzigjähriger muss er täglich auf den Bau. Er trinkt wie ein Loch, ohne dass ihn seine Frau oder Micha, Andis älterer Bruder, davon abhalten könnte.

          Großstadtleben als Jugendliche?

          Micha (Michael Kranz) wiederum hat alles übernommen, während Andi nach dem Abi in die Ferne aufbrach: den Familienbetrieb, der viel Arbeit macht und schlecht läuft, den pflegebedürftigen Großvater, der Geld gespart haben soll, den pflegebedürftigen kleinen Bruder Ecki und sogar Andis Freundin, die sich ein Großstadtleben als Jugendliche nicht vorstellen wollte und sich ihre Alternativen heute umso stärker auszumalen versucht. Die Finanzierung eines Häuschens, in dem er mit Frau und Kind wohnt, raubt Micha jeden Rest Schlaf.

          Wut hat sich auch angestaut. Schließlich scheint Andi, „der feine Onkel aus Berlin“, in den letzten zwanzig Jahren immer nur dann nach Hause gefahren zu sein, wenn dem Architektur-Preisträger vor lauter Kreativität mal wieder das Konto leerlief. „Wir hier sind eins, und du bist was anderes“, brüllt Micha Andi entgegen. Man kann das verstehen - obwohl es darüber hinwegtäuscht, dass Andi schon als Kind wie ein Außenseiter behandelt worden sein muss.

          Die bedrückende Familien-Konstellation und nicht die bedrückende Provinz als solche ist es, in die Andi nun mit leerem Tank hineinrollt - eine Loser-Figur, die nicht zum Sympathieträger taugt, weil sie weder Großmut noch Respekt in sich trägt. Dieser Typ trieft vor Selbstmitleid, und selbst diejenigen, die es gut mit ihm meinen, betrügt er mit falschen Fassaden. Dass wir ihn trotzdem beobachten mögen, liegt an seiner Sehnsucht nach einem echten Stück Heimat und an der liebenden Ratlosigkeit, mit der Andi seinem geistig behinderten Bruder Ecki begegnet. Von dem stammt der Jubelschrei: „Der Andi ist wieder da!“, der in einem zweiten Schrei „Der Papa ist wieder da!“ ein spätes Echo finden wird.

          Dazwischen entfaltet sich ein bescheidener, überzeugend besetzter Film über das Woher und Wohin im Leben. Zwar bleibt das Komische im Tragischen fast nur auf den Anfang und das Ende beschränkt. Aber selbst für die Freunde der Landflucht bleibt in ihm noch genügend Raum, denn Andis Zukunft nach dieser Selbstvergewisserungs-Tour in die Provinz kann doch allein in der Stadt liegen, in der die Kreativszene tanzt, bis die Wolken wieder lila sind.

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