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Zukunft des Hörfunks : Sie werden das digitale Radio nicht verhindern

  • -Aktualisiert am

Da fehlt doch was: UKW, Mittelwelle, Satelliten- und Internetradio, wo bleibt das Digitale? In den meisten Neuwagen, die in Europa zugelassen werden, findet sich das heißdiskutierte DAB+ inzwischen. Bild: Emile Wamsteker for Chevrolet

Den Befürwortern eines ewigen UKW-Empfangs und den Anhängern des Internets fehlen die Argumente, die gegen die Umstellung auf Digitalfunk sprächen: DAB hält technisch und inhaltlich, was es verheißt. Packen wir es an! Jetzt! Ein Gastbeitrag.

          Zum Digitalradio wurde in den vergangenen Wochen in dieser Zeitung bereits viel geschrieben und diskutiert. Wir haben Argumente gehört, die den abgeschotteten Markt im UKW-Bereich verteidigen, flammende Plädoyers für DAB+ und ebenso den Bocksgesang, dass das Internetradio den Standard DAB+ schon abgelöst hätte. Als Vorsitzende des Digitalradio Boards im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur wurde ich schon genannt. Ich bekenne mich aber auch ganz persönlich involviert, habe ich doch vor meiner Zeit als Abgeordnete auch für Radiosender gearbeitet und bin dem Rundfunk als Medium seither eng verbunden.

          Die Vorteile von DAB+ wurden in dieser Debatte genannt, sei es die größere Energieeffizienz, der rauschfreie Hörgenuss, der kostengünstigere Betrieb oder die größere Vielfalt, da mehr Frequenzspektrum zur Verfügung steht. Dazu kommt, für das Bundesverkehrsministerium natürlich besonders wichtig, die Möglichkeit, Verkehrsinformationen deutlich passgenauer zu senden und so einen signifikanten Beitrag zur Verkehrssicherheit zu leisten. Wer einmal zu Beginn der Ferienzeit versucht hat, genau die Information abzupassen, die seine Route betrifft, weiß, wovon ich spreche. Auch viele Navigationsgeräte erhalten ihre Stauinformationen häufig über Radiofrequenzen, und mit DAB+ lassen sich deutlich mehr Informationen übermitteln.

          Die Einwände überzeugen nicht

          Auch die Einwände gegen DAB+ wurden genannt: Die Umstellungskosten, insbesondere während der sogenannten Simulcast-Phase, in der auf UKW und DAB+ parallel gesendet wird, die Änderungen in der Sendelandschaft durch veränderte Empfangsbereiche und auch durch die unangenehme Situation, dass durch die größeren Kapazitäten bei DAB+ neue Radiosender auf den Markt gelangen und etablierten Anbietern damit Konkurrenz entstehen wird. An dieser Stelle sei auf den Beitrag der Kollegen Eumann und Brautmeier eingegangen, die fordern, dass die Befürworter von DAB+ Argumente für den Umstieg liefern müssten: Besitzstandswahrung ist legitim; aber die Pflicht, Argumente zu nennen, liegt bei den Verhinderern von Innovation, nicht bei ihren Befürwortern.

          Besonders gern wird von den UKW-Verteidigern ins Feld geführt, dass die Zukunft vor allem in der Rundfunkübertragung über das Internet liege und DAB+ daher bereits veraltet sei. Es dürfte allerdings niemanden geben, der guten Gewissens das Internetradio mit dem beliebten Begriff „disruptiv“ belegen dürfte. Dieser Begriff ist aus guten Gründen für Streamingdienste wie Spotify reserviert, die in der Tat eine Wirkung haben, die systemerschütternd genannt werden darf. Dazu kommen aber auch technische Argumente: Beim Internetradio benötigt jeder Empfänger ein eigenes Quantum an Bandbreite. Das wird besonders deutlich beim mobilen Empfang. Wollen beispielsweise bei einem Stau alle Autofahrer gleichzeitig Radio über ihre Mobilfunkverbindung empfangen, ist die Funkzelle schnell überfordert. Darüber hinaus sind die Datenmengen im mobilen Download noch begrenzt, so dass mobiler Radioempfang über Internet bis auf weiteres ein teures und nicht immer zuverlässiges Vergnügen bleiben wird.

          Klare Linien, klarer Empfang, selbstverständlich auf UKW, heute ein Fall fürs Museum: Ein Blaupunktradio in einem Porsche 356 Coupé von 1950.
          Klare Linien, klarer Empfang, selbstverständlich auf UKW, heute ein Fall fürs Museum: Ein Blaupunktradio in einem Porsche 356 Coupé von 1950. : Bild: dpa

          Natürlich könnten künftige Mobilfunktechnologien das alles puffern, aber mit den Gewissheiten in der Digitalisierung ist das so eine Sache. Bis vor wenigen Jahren waren auch die meisten überzeugt, Moore’s Law würde ewig gelten. Geradezu hilflos mutet da der Vorschlag an, man solle sich vorab über W-Lan die zu hörenden Sendungen herunterladen und dann im Auto hören. Das, liebe Mitdiskutierende, ist kein Rundfunk mehr! Rundfunk ist „Broadcasting“ im besten Sinne: Die Hörerschaft hört auf dem Sender das Gleiche, was eine effiziente Ausnutzung der bestehenden Bandbreiten ermöglicht. DAB+ kommt dabei dem Individualismus unserer Zeit entgegen, weil diese Technologie die kostengünstige Ausstrahlung einer Vielzahl von Programmen für die verschiedenen Geschmäcker ermöglicht. Und der Maximalindividualist, der eigentlich nur seine eigene Musik hören will, ohne sich von Neuem oder Nachrichten überraschen zu lassen, wird ohnehin seinen eigenen Kanal bei einem Streamingdienst zusammenstellen. Wer sich aber den Erfolg von Snapchat Events und Programmen wie Periscope zur LiveÜbertragung von Ereignissen ansieht, wird feststellen, dass es auch bei Internetnutzern den Wunsch gibt, Inhalte gleichzeitig mit anderen zu konsumieren. Und auch wenn mich meine Pflichten oft dazu zwingen, mir den „Tatort“ später in der Mediathek anzusehen, so ist das nur ein schaler Genuss im Vergleich zum Zuschauen zur eigentlichen Sendezeit, wenn die Zuschauer parallel auf Twitter die Handlung kommentieren. Entscheidend ist die Attraktivität der Programme, wie der bayerische Digitalradiosender BR Heimat mit 220 000 täglichen Hörern beweist.

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