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Veröffentlicht: 20.08.2016, 09:13 Uhr

Henryk M. Broder wird siebzig Polemiker im Weltall

Zu sagen, der Publizist Henryk M. Broder sei streitbar, wäre untertrieben. Er würde es bestimmt auch für beleidigend halten. Ein Asteroid wurde nach ihm benannt. Am heutigen Samstag feiert Broder seinen Siebzigsten.

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© Hauri, Michael Kollisionskurs ist seine Lieblingsrichtung: Henryk M. Broder.

Der Asteroid 236800 Broder ist einer von zirka sechzigtausend, die im Planetoidengürtel zwischen Mars und Jupiter umherfliegen. Er wurde 2007 entdeckt und ist von der Erde durchaus weit entfernt, 1699 mal 150 Millionen Kilometer, wenn wir richtig gelesen haben. Und er hat, mit etwas Wohlwollen betrachtet, die Form eines Faustkeils. Das wenigstens würde zu seinem Namensgeber passen. Denn der fährt wie ein Kugelblitz mitten in die politischen Debatten hinein und hat mit der von ihm mitgegründeten Online-Seite „Achse des Guten“ seine eigene publizistische Umlaufbahn eingeschlagen. Auf der legt sich der Publizist Henryk M. Broder vornehmlich mit der Linken und mit Antisemiten an, oder mit solchen, die er dafür hält. Wobei sein Lieblingsgegner seit den siebziger Jahren das Amalgam aus beidem ist – der linke Antisemit, der bürgerliche Salonsozialist, den als Antizionisten getarnten Antisemiten nicht zu vergessen.

Michael Hanfeld Folgen:

Geboren im polnischen Katowice, seine Eltern Überlebende der Konzentrationslager, kam Broder 1958 in die Bundesrepublik. Das Gymnasium, das er in Köln besuchte, erschien ihm als Zuchthaus – es ist einer der wenigen Punkte, über die er nicht schreibt. Er studierte Rechtswissenschaften, Soziologie und Volkswirtschaft, arbeitete für verschiedene Blätter, die ebenso links waren wie sie sich mit Pornographie beschäftigten. In seiner Zeit bei den St. Pauli Nachrichten lernte Broder Kollegen wie Günter Wallraff und Stefan Aust kennen. Für diesen, der bei Springer Chefredakteur der „Welt“-Gruppe ist, schreibt Broder heute wieder seine scharfen Polemiken, die stets für Skandal gut sind – weil sich jemand beleidigt fühlt oder weil Broder in seiner heiligen Wut überzogen hat.

„Entweder Broder - Die Europa-Safari!" © Picture-Alliance Vergrößern Mit Hamed Abdel-Samad ging es in einem sehr seltsamen Fahrzeug los zu „Entweder Broder - Die Deutschland-Safari“.

Dabei geht es ihm in seinem Furor stets um den Kampf für Demokratie und Menschenrechte und gegen Faschismus, Sozialismus und Islamismus, gegen Unterdrückung und totalitäres Denken, gegen Tabus und die verbreitete Kunst des Sich-selbst-Belügens. Beliebt macht er sich damit nicht, vor allem nicht in den politischen Kreisen, denen er selbst einmal zugehörte und die ihn zeitweise derart abstießen, dass er Deutschland für zehn Jahre verließ und nach Israel übersiedelte. Das war in den Achtzigern, als sein Buch „Der ewige Antisemit“ erschien, zwanzig Jahre später landete er mit „Hurra, wir kapitulieren!“ einen Bestseller.

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Zwischendurch hatte er einmal die Presselandschaft Deutschland gequert. Er schrieb für den „Spiegel“ und den „Tagesspiegel“, vor fünf Jahren landete er bei der „Welt“. Mit dem aus Ägypten stammenden Autor Hamed Abdel-Samad ging er im Auftrag des Hessischen Rundfunks auf eine dreißigtausend Kilometer lange Fahrt von Nord nach Süd und Ost bis West für „Entweder Broder – Die Deutschland-Safari“, um deutsche Befindlichkeiten zu vermessen. Er erhielt einen Hauptpreis des Wettbewerbs in Klagenfurt, den Börne- und den Hildegard-von Bingen-Preis. Am heutigen Samstag wird Henrik M. Broder, der Mann, nach dem ein Asteroid benannt ist, siebzig. Soll er auf seiner Umlaufbahn noch lange unterwegs sein. Kollisionen sind erwünscht.

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