30.01.2013 · Wie verrückt sind die Medien eigentlich geworden? Wie verlor die journalistische Debatte an Relevanz? Bemerkungen zum „Fall Brüderle“ und zum „Fall Steinbrück“.
Von Michael NaumannRichtlinien für Lesermeinungen
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Dröhnende Hau-den Lukas-Vorführungen auf Peers Rhetorikjahrmarkt
Das Parlando des Herrn Steinbrück hat den über 200 000
Deutschen in der Schweiz das Leben nicht leichter gemacht.
Zurückhaltung beim übermächtigen und zuweilen als
polternd wahrgenommenen Nachbarn kommt nicht nur südlich des Rheins
gut an. In britischen Medien spiegelte sich jüngst die
hoffnungsvolle Dankbarkeit für Angela Merkels vorsichtige Reaktion
auf Camerons EU-Vorstoss. Dies insbesondere, nachdem französischen
Politikern zu diesem Thema geistreich-spöttische Bonmots
entschlüpft waren.
Bei den dröhnenden Hau-den Lukas-Vorführungen auf Peers
Rhetorikjahrmarkt haben manchen Besuchern die Ohren geschmerzt.
Steinbrück sollte Frau Merkel in der rhetorischen Sahelzone
Gesellschaft leisten. Statt etwas Falschem sagt ein gewissenhafter
Politiker eben auf respektvolle Art gar nichts.
"prüde" (Brüderle) Sexismusdebatte für's "Himmelreich" (Sternreporterin)
Endlich einmal ein medienkritischer Beitrag aus Deutschland!
Während der endlosen Diskussionen
in Deutschland zu diesem Thema diskutierte die franz.
Nationalversammlung die Homo-Ehe. Zur gleichen Zeit gab es in Syrien
(Aleppo) ein Massaker mit 60-100 Toten. In Mali befreien franz. Soldaten
die Bevölkerung von der Scharia. Zwei Transporter, die kommen aus
Deutschland. In der Woche vorher erhält ein ehemaliger
RAF-Terrorist eine Medienplattform in einer Talk-Show. Der deutsche
Außenminister äußert sich zur Homo-Politik in Russland.
Hier die Fragen eines lesenden Pensionärs: Wo gibt es
verantwortliche Fernsehintendanten, sachkundige Journalisten und
kompetente Politiker, die sich der ökonomischen und geopolitischen
weltweiten Krisen annehmen und die denProblemen gewachsen sind?
Die Reaktion an die Öffentlichkeit zu gehen halte ich für einen schweren Fehler. Ich kann die Diskussion um Brüderle nicht mehr hören. Die einzig richtige Reaktion wäre es gewesen unmittelbar nach der Verfehlung von Herrn Brüderle, sich das Recht des Schwächeren zu nehmen und ihm eine Ohrfeige zu verpassen.
Das Problem der Presse ist deren Parteinahme - wie auch dieser Text beweist.
Eine wahrhaftige Demokratie braucht eine wahrhaft unabhängige,
ehrliche, ideologie- und parteifreie Presse. Diese haben wir
größtenteils nicht. Was daran liegen mag, dass Leute mit
Parteibuch schon lange in den Aufsichtsräten sitzen oder
Journalisten an Sachzwänge gebunden sind oder es bequemer finden,
Politiker des feindlichen politischen Lagers zu diffamieren.
Das Publikum nimmt es an. Die Causa Wulff war so ein Meilenstein einer
blutleckenden Meute.
Wir leben in einer Mediendemokratie, in der die Medien bestimmen was
Information sei und was mit dieser anzufangen ist. Mit echter
Wahrheitsfindung hat das nichts mehr zu tun. (Die FAZ empfinde ich als
löbliche Ausnahme.)
Auch dieser Text suggeriert mit der Überschrift eine Reflexion, die
es nicht gibt, vielmehr wird hier schamlos Werbung für
Steinbrück betrieben, dessen außerpolitische Aktivitäten
zurecht thematisiert wurden, denn die Lobbyarbeit der Politiker ist das
zweite Problem unserer "Demokratie" neben der "Pressearbeit".
Wenn sich ein Großer an den Computer setzt, dann sollte auch
Großes herauskommen. In diesem Fall brilliert Michael Naumann mit
einer Expertise, die ich als Journalist genauso sehe. Von Brüderle
bist Steinbrück wird im Randgeschehen gestochert. Die
Errgungs(trüffel)schweine suchen nicht mehr das Potenzial und das
Versprechen eines Politikers.
Sie stürzen sich auf den Versprecher, auf den Ausrutscher. Statt
aufzuhelfen streuen sie noch Bananenschalen, um mit laufenden
Filmkameras den Ausrutscher für explosive Reportagen zu
nützen. Stern-Geschichten des politischen Journalismus werden bald
mit versteckten Kameras aus den Dekolletés von möglichst
vollbusigen Journalistinnen untermauert werden.
Erregen sollte uns das von Herrn Naumann Aufgezeigte. Dieser
Journalismus dient nur noch dem Voyeurismus und der Schlechtmachung
aller. Der Eigenerhöhung durch Vernichtung der anderen.
Widerwärtig! Rette sich wer kann und tue sich DAS nicht an!
Die Textkritik des Initial-Artikels der Frau mit dem flachen Dekollete war Reflexion auf FAZ-Niveau
... und es wurde darin in diesem Blatt herausgearbeitet, daß eine
junge Frau einen älteren Herren, der ihr Vater sein könnte,
"fies von der Seite anmachte" und altersdiskriminierend,
unverschämt auftrat. Der Herr antwortete auf ähnlich
gelagertem Niveau auf die unziemliche Anmache der Dame, aber durchaus
angemessen. Nach einem Jahr veröffentlicht die weibliche Person,
die sich Journallistin nennt, diesen Vorfall, aus welchem Grund auch
immer.
Abgesehen davon, daß es mich nichts anzugehen hat, welche privaten
Diskurse Menschen an irgendwelchen Hotelbars nachts führen, war
spätestens damit das Ende der Berichterstattung über
irgendeine "Debatte" erreicht. Nicht interessant und
außerdem privater Natur.
Die sogenannte "Debatte" findet außerdem
selbsreferentiell nur in Medien statt ! Im wirklichen Leben mit
wirklichen erwachsenen Männern und erwachsenen Frauen, die zusammen
arbeiten und leben, spielt soetwas doch überhaupt keine Rolle.
Medien erregen kaum mehr die Menschen, sie nerven und ärgern sie. Von Information oft weit entfernt.
Herr Schneider brachte es auf den Punkt, „[...] und gibt ihnen die Ruhe, mal wieder mit guten Argumenten zu arbeiten...“ Wäre ja zu schön, wochenlang keine A. Merkel, W. Schäuble, P. Steinbrück,… zu hören und zu sehen. Die Nichtigkeit, gar Unsinnigkeit ihrer Aussagen würde bei intensiverem Hinhören für die Mehrheit besser ersichtlich und man hört nun bei jemand der selten etwas sagt genauer hin. Aber der ÖR muss ja seinen Bildungsauftrag erfüllen und genau dies vermeiden. Denn wo sieht man die Politiker am meisten? Grüne Politiker nehmen z. B. morgens im DLF eine Spitzenstellung ein, gefolgt von SPD Politikern. Etwa nur weil sie zeitig aufstehen.
Richtig ist dass sich die öffentliche Debatte gern an Themen
entzündet, die eigentlich nicht besonders relevant sind. Das war ja
schon immer so - und unsere Brüderele-Debatte ist doch nur ein
Lüftchen angesichts der weltweiten Dikussion, ob Beyonce bei
Amtseinführung nur Lippen die bewegt, aber nicht gesungen hat -
tja da geht es ab
Und sowohl Brüderle wie auch Steinbrück streifen extrem
relevante gesellschaftliche Themen. Steinbrück den zusehenden
Realitätsverlust der Politiker und den einträglichen Schmuh
mit dem sie ihr Gehalt aufbessern. Und das ist beiuleibe keine Bagatelle
wenn man 17.000 Euro fürs Plaudern abgreift und die Stadtwerke das
als karitativ tarnen.
Brüderle ist vielleicht etwas unschuldig/angeduselt in eine
unschöne Rolle geraten: Nämlich wie Frauen im Beruf nervig
angesabbert werden. Wie gesagt, vielleicht ist er gar nicht das beste
Beispiel dafür, aber einfach zu behaupten, diese Frage sei keine
relevante, ist abstrus.
Scheinheiliges Geschreibsel, das einen Steinbrueck, der sich an Komunal-+Staatsknete bereicherte,
auf Kosten von Rainer Bruederle reinwaschen soll !
"Brüderle wuchs ab 1948 in Landau in der Pfalz auf, wo sein
Vater ein Textilunternehmen betrieb. Nach dem Abitur 1966 am
Otto-Hahn-Gymnasium in Landau absolvierte Brüderle ein Studium der
Publizistik, der Rechtswissenschaft, der Volkswirtschaftslehre und der
Politikwissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz,
das er 1971 als Diplom-Volkswirt beendete"!
Bruederle hat die falsche Kinderstube, er wurde nicht kleinbuergerlich
rot-gruen sozialisiert.
Desweiteren kann er auf eine fundierte Ausbildung zurueckblicken, mit
der er wohl bald
einzigartig unter seinen Kollegen dasteht.
Aber, es kommt noch schlimmer: Bruederle ist KATHOLIK! Was erlauben dieser...?
Wenn man nicht gerade Seehofer oder Friedrich heisst, dann kann man als
Katholik heutzutage
keine weiteren Zugestaendnisse mehr an den Zeigeist machen, denn dann
hoerte man auf, katholisch
zu sein. "Schwester Nr. 1" hat das lange begriffen+handelt danach.
Die Gefahr besteht in der Parteinahme der Schreiber - so wie auch leider in diesem Text.
Demokratie braucht eine unabhängige, ehrliche, nichtideologische
Vierte Gewalt - genau das zeichnet unsere Vierte Gewalt aber nicht aus.
Wir leben in einer Mediendemokratie, in der Journalisten, die sich nicht
die Finger mit echten Problem schmutzig machen wollen, diktieren, was
Information ist und in der das Publikum nicht an Inhalten, sondern am
Grad der Aufregung interessiert ist. Wulff war ein solcher Meilenstein
in Sachen blutleckender Meute. Brüderle auch. Steinbrück nicht ganz.
Denn was in diesem parteinehmenden Text als bloße Aufregung
beschrieben wird ist in Wirklichkeit die Fehlentwicklung einer anderen
Gewalt, nämlich die Lobbyarbeit und Rückgratlosigkeit von
Politikern. Es ist nämlich keine Kante, schnoddrig und arrogant
daher zu reden, und es ist keine Ecke, von einer klammen Kommune 25000e
abzukassieren. Dagegen ist Wulff's Bobbycar eine Lappalie.
So war ich also auf diesen Artikel gespannt und musste wiederum erleben,
dass mir eine Parteiwerbung untergekommen ist.
Nun, da sich die Wogen wieder ein wenig glätten
und wir gebannt auf den nächsten Unruheherd warten, muss ich
feststellen, dass besonders die bekannten Medien nicht überzeugen
konnten und können. Den besten Kommentar und die beste Analyse zum
Fall Brüderle, fand ich nicht in mainstream Medien. Ein glasklarer
Kommentar mit journalistischer Relevanz zu diesem Thema von Birgit
Kelle. Nur einmal:
"Dann mach doch die Bluse zu!" von Birgit Kelle googeln. Ein
Kommentar, den ich mir in der FAZ gewünscht hätte.
Guter Artikel. Dazu noch von überraschender Seite.
Frau Kelle kann man nur zustimmen. Das Thema Brüderle gehört in die Klatschpresse, aber nicht in die FAZ.
Der Preis der Sensationsgeilheit ist schlechte Politik
Der Autor hat Recht. Wer Politiker nicht nach ihrer Fähigkeit
bewertet bzw. wählt, riskiert Fehlbesetzungen. Bereits jetzt
scheint der Politkbetrieb wirklich fähige Köpfe abzuschrecken,
es bleibt das Mittelmaß. Kein Wunder: Unfähigkeit wird
verziehen, aber Belanglosigkeiten können den Kopf kosten.
Vielleicht (und das ist vollkommen ernst gemeint) verdient der
Trivialjournalismus einen besseren Leumund. Wer über Fußball,
Fußballerfrauen, Prinzessinnen, Mode und Affären der
Filmstars redet, nimmt die Politikern aus der Schusslinie und gibt ihnen
die Ruhe, mal wieder mit guten Argumenten zu arbeiten.
[...] und gibt ihnen die Ruhe, mal wieder mit guten Argumenten zu arbeiten...
jaja, das wäre schön... wäre da nur nicht das Problem, dass wir zwischenzeitlich eine Politikerkaste etabliert haben (Richtig gelesen: WIR haben diese Leute dort etabliert), die sich wie Superstars der Rock- und Popszene verhalten und überall und bei jeder Gelegenheit ihre Visage in die Kamera halten?!
Grundsätzlich ein guter Artikel
Nur es hätte 1 Verweis auf Steinbrück gereicht, keine 10 oder
15. Damit meine ich nicht, dass der Autor damit in der Sache
Steinbrück nicht grundsätzlich richtig liegt, sondern dass
sein Artikel an Ausgewogenheit verliert und mithin tendenziell wirkt,
was den eigentlich zu transportierenden Inhalten zuwider läuft.
Meine These: es wird zukünftig noch schlimmer werden, noch
skuriller, noch schriller! Mit der Erfindung des Internet und der sich
daraus ergebenen Blogs und Instrumente (Twitter z.B.) erfährt der
moderne Mensch eine ungeheure Fülle an
Informationsbeschaffungsmöglichkeiten. Da auch dort letztlich
marktliche Gesetze greifen, lohnt es sich im wahrsten Sinne des Wortes
für die Medien nur dann, wenn sie wahrgenommen werden - notfalls
auch durch Skandalisierungen kleinster Petitessen.
By the way: ist Ihnen aufgefallen, dass bspw. Wolfgang Kubicki als
bundesweit unwichtige Person aus S.-H. plötzlich nahezu
überall medial auftritt?! Warum wohl? Weil er gut ins Konzept passt!
"Wir sind eine Rechthaber-Nation"
Genau und die Medien, speziell das ÖR haben nach Kräften dazu
beigetragen, dass sich die Bürger zu nahezu jedem Vorgang und zwar
weltweit eine eigene Meinung erlauben und stinkig werden, wenn man es
wagt, auf die Lücken oder kompletten Fehlannahmen darin hinzuweisen.
Bei uns wissen sie alles, wie man es in Ägypten machen sollte und
in Tibet, Syrien sowieso, in Russland, den USA usw. usf. usw. usf..
Die eigene grauenhaft konstruierte Eurohütte brennt lichterloh, das
Land Ingenieure rafft es nicht, einen primitiven Flughafen zu errichten,
aber die große und besserwisserische Klappe die können sie haben.
Der Untergang der Concordia war in der Beziehung sehr bemerkenswert,
denn da waren auch zwei junge Kanadierinnen, die das Unglück nur
denkbar knapp überlebt hatten und deren Aussage lautete
sinngemäß: "Ja, es sah alles nicht sehr glücklich
aus, was Kapitän und Crew da ablieferten und es war überaus
knapp aber wir sind aus Kanada und es steht uns nicht zu, über das
Ausland zu urteilen."
Nichts sehen, nichts lesen, nichts hören - alles wissen
Diesen Artikel brauchte man nicht lesen - nicht 'mal diagonal. Wer wegen
der Politik noch Zeitung liest, Radio hört oder in die Glotze
schaut, ja der muss zu wenig Arbeit haben.
Was die Politik kann, ist Staub erzeugen, der dann durch die Medien
aufgewirbelt wird. Diese Art von Demokratie ist geschenkt.
ja es ist beschämend, auf welchem Niveau Diskussionen angezettelt werden, wie Themen gemacht werden, die gar keine sind. Oder doch? - Sind es nicht die Leser, die Konsumenten von Medien, die "Nicht-Themen" zu Themen erst machen, in Foren, in ihren Privatgesprächen, in ihrem Denken? Ehrlich gesagt, ertappe ich mich manchmals selbst, anstatt einem Thema mit Ignoranz mit Aufmerksamkeit zu begegnen. Aber vielleicht sollten auch Medienmacher wieder mehr Journalisten als "Manager" sein und Themen gezielt ausklammern und andere gezielt verfolgen im Sinne politischer und gesellschaftlicher Willensbildung und überhaupt: im Sinne von Bildung. Dazu gehört sicherlich nicht der "Fall Brüderle" und der Fall "Steinbrück - Kanzlergehalt".
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 01.02.2013 15:49 UhrIn Zeiten wirtschaftlichen Drucks
dem die Redaktionen immer mehr unterliegen, ist Ihr Wunsch nach
vermehrter Ausrichtung der Medien auf politische Willensbildung honorig,
aber lebensfremd.
Gehen Sie mit Ihrem Vorschlag mal zur BILD. Die lachen Sie aus...
In solchen Medien wie BILD zum Beispiel wir der Leser nicht zur
sachlichen Differenzierung und eigenen Willensbildung geführt,
sondern mit vorgekauter leichter Meinungskost satt gemacht. Und das
funktioniert leider immer mehr. Der "Bildungsrepublik
Deutschland" einerseits, der Politikverdrossenheit infolge
inhaltloser, schwafelnder Politikeraussagen andererseits sei Dank.
Wenn schon die Politik nicht mehr für Inhalte und
Überzeugungen (siehe Identitätsverlust bei Merkel's CDU)
stehen will, dann übernimmt eben der Boulevardjournalismus
kurzerhand das Ruder... leider!
Schade es hätte ein interessantes Thema werden können. So aber bedient sich Herr Naumann selbst der Mehoden die er anprangert. Nimmt Erregung über die Erregbarkeit des Publikums durch medial inszenierte Kampagnen nur als Aufhänger um diese Erregung für eigene Zwecke zu instrumentalisieren. Eine sehr plumpe Umlenkung um für Peer Steinbrück laut die Werbetrommel zu rühren. Gänzlich unter den Tisch fällt, dass die Protagonisten der SPD selbst sehr gerne das Mittel der inszenierten Empörungs-Kampagnen nutzen. Es erfolgt keinerlei selbstkritische Reflexion darüber, so wirkt das vermeintliche Anliegen von Herr Naumann peinlich unglaubwürdig.
außer dem notwendig glücklosen Versuch einer Laudatio und
Exkulpierung gemünzt auf Steinbrück.
Das wäre das einzig relevante Thema in dem erratischen, außer
Rand und Band geratenen journalistischen Hühnerhaufen gewesen.
Aber die Richtigkeit der Kritik des unreinen Journalismus ist mit
solcher Wucht und wahrhaften Treffsicherheit dargeboten, daß die
subkutan applizierte Lobhudelei auf Steinbrück süffig mit
herunter geht.
Gleich die ersten Kommentatoren erklären schon gut, warum der Hase
so läuft. Ich behaupte einfachmal: Wer nichtmal ansatzweise
kapiert, worum es in diesem Artikel geht, der braucht auch keine
Detailinfos zum europäischen Rettungsschirm, zu
Parteienklüngel oder Verstrickungen von Industrie und Politik. Denn
es wird auch nicht verstanden.
Stattdessen sehnt man sich offensichtlich nach einfachen Feinbildern,
Simplifizierung statt Wahrheitsfindung und Polemik.
Dies kombiniert mit der Geldabhängigkeit der Zeitungen und der
vermehrt schlechter werdenden Grundbildung unserer Mitbürger
führt dann zu solchen Zuständen: Nichtigkeiten beherrschen die
Titelblätter, statt Skandale, von denen 75% und mehr der
Bevölkerung negativ betroffen sind.
Und ich wüsste auch anhieb auch nicht, warum das demnächst
besser werden sollte. Halle repräsentative Demokratie: Hier sind
deine Grenzen.
Merkel als die unfehlbare Frauenikone ohne Sexappell
Lieber Herr Naumann, "Aufschrei" ist die Konsequenz der
Evangelikanisierung in Deutschland. Politiker werden nicht wegen ihrer
miserablen Arbeit kritisiert, sondern durch sexistische Unterstellungen.
Nur so können Nimben zerstört werden. Was bei Angela Merkel
wohl schwerfallen wird. Sie genießt den Frauenbonus.
Ihr haftet der biedere Stil eines Mauerblümchens an und trifft sich
als zu gerne mit Friede Springe und Liz Mohn ganz privat. Wobei ich in
diesem Falle "privat" als "geschäftlich"
deklariere. Eine Angela Merkel wird nur in diesen gesellschaftlichen
akzeptiert, weil sie Kanzlerin ist und weil sie von Kohl als Kanzler in
diese Kreise eingeführt wurde.
Relevanz haben daher der "Fall Brüderle", sowie der
"Fall Steinbrück" - Sie dienen der Übermenschlichung
von Angela Merkel.