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Neue Twitter-App : Was ist noch so auf dem Smartphone?

  • -Aktualisiert am

Twitter: Macht jetzt verstärkt in #PersonalisierteWerbung Bild: dpa

Der Social-Media-Dienst Twitter wertete bisher nur wenige Daten der Nutzer aus: Was steht in den Profilen, was steht in den Tweets? Nun greift die neue App aber auf das Smartphone zu und erstellt eine Liste der Nachbar-Apps.

          Man mag Twitter für ein Medium der Verknappung und der Flüchtigkeit halten, aber bislang galt der Kurznachrichtendienst doch im Vergleich zu manch anderen Sozialen Netzwerken als einigermaßen diskret im Umgang mit seinen Nutzern und deren Daten. Die jüngste Neuerung indes wird dieses Bild trüben: Mit den neuen Updates seiner Smartphone- und Tablet-Apps wird Twitter auch die anderen auf den Geräten installierten Apps analysieren und auswerten.

          Das Vorhaben ihres sogenannten App-Diagramms stellt Twitter im Supportbereich seiner Internetseite vor: „Um Dir eine individuellere Twitter-Erfahrung zu ermöglichen, erfassen wir die Liste der auf Deinem Mobilgerät installierten Apps und aktualisieren sie gelegentlich. Auf diese Weise können wir maßgeschneiderte Inhalte bereitstellen, an denen Du interessiert sein könntest.“ Dabei wird es sich natürlich auch um maßgeschneiderte Werbung handeln. Und zu den Verbesserungen der persönlicheren Twitter-Erfahrung zählt das Unternehmen außerdem „verbesserte 'Wem folgen'-Empfehlungen bei ähnlichen Interessen“ und „Hinzufügen von Tweets, Accounts oder anderen Inhalten zu Deiner Timeline, die Du unserer Meinung nach besonders interessant findest.“

          Diese Form des Trackings setzt an diesem Mittwoch mit der neuen App-Version für das iPhone ein. Die Android-Variante wird im Laufe der darauffolgenden Woche ihre Arbeit aufnehmen. Überraschend ist der Wechsel zu dieser Praxis nicht, steht sie doch in einer Reihe der Praxis vieler anderer Internetunternehmen – bloß hatte Twitter bisher diese Gangart eben nicht eingelegt. Jetzt zieht das Unternehmen Facebook und Google nach, die schon lange gezielt durch die Datenauswertung personalisierte Werbung anbringen. Bislang hatte Twitter durch den Minimalismus der Accounts und des User-Generated-Contents nicht annähernd so viele Daten seiner Nutzer erfassen können.

          Twitter behauptet, lediglich eine Liste der Anwendungen zu erstellen. Auf die Inhalte und Daten der Anwendungen will die Forme ausdrücklich nicht zugreifen. Die Nutzer sollen zudem gezielt über die neue Funktion der App und Twitters neue Datenpolitik informiert werden, bevor die App mit dem App-Diagramm beginnt. Als „Opt-out“ beim Update der App muss diese Funktion jedoch explizit abgelehnt werden, damit sie das Datensammeln lässt. Daher muss man davon ausgehen, dass eine Vielzahl der Nutzer dies einfach ignorieren wird und somit Twitter den Zugriff auf ihre Smartphones gewähren lässt.

          Trotz wirtschaftlicher Verluste wächst Twitter kontinuierlich. Um die Einnahmen zu erhöhen, werden schon länger mehrere Methoden ausprobiert, darunter die Erhöhung der Nutzeraktivität und die personalisierte Werbung. Diese wurde bisher jedoch nur durch die wenigen Informationen ausgewertet, die die Nutzer in ihre Profile schrieben, beziehungsweise durch die Inhalte ihrer Tweets. Welche Nutzer welchen Personen folgen und die anderen persönlichen Angaben sind öffentlich einsehbar, die verarbeiteten Datenmengen hielten sich bislang stets im Rahmen und drangen nicht in die Privatsphäre der Nutzer ein. Dieser Schritt wird auch bei den Datenschützern für Unmut sorgen, die Twitter gegenüber bisher wohlgesonnen waren.

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