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Veröffentlicht: 14.11.2014, 17:48 Uhr

Datenschutz-Richtlinien Facebook baut Potemkinsche Dörfer

Neue Regeln sollen den Schutz der Privatsphäre bei Facebook erhöhen. Tatsächlich untergraben sie ihn aber. Denn Facebook sammelt jetzt noch mehr Daten seiner Nutzer ein.

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© AP Schau mir in die Augen, du schöne Welt: Facebook ändert seine Nutzungsbestimmungen.

Wenn Facebook seine Richtlinien zur Privatsphäre ändert, dann geht damit meist die Ankündigung einher, vollständig im Interesse des Nutzers zu handeln. So hält es das Unternehmen auch mit den neuesten Änderungen seiner Nutzungsbedingungen. „Wir hoffen“, heißt es dort, „dass die Aktualisierungen dein Erlebnis verbessern. Der Schutz der persönlichen Informationen und das Bereitstellen von wirksamen Privatsphäre-Kontrollen stehen im Mittelpunkt unserer Tätigkeit.“ Leider entpuppt sich die Auskunft als Potemkinsches Dorf: Denn während Facebook erklärt, den Datenschutz zu erhöhen, erklärt es zugleich, mehr Nutzerdaten zu sammeln.

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In Zukunft, kann man nachlesen, arbeite das Unternehmen „an Möglichkeiten“, die ortsbasierte Werbung zu optimieren. Nutzer, die Nachrichten posten und dabei ihren Standort angeben, könnten daher bald „Speisekarten von Restaurants“ zu sehen bekommen, oder „Statusmeldungen von Freunden in der Umgebung“. Erin Egan, verantwortlich für den Datenschutz bei Facebook, betont, dass man die Personalisierung jederzeit verhindern könne. In einem neuen Bereich können Facebook-Nutzer zum Beispiel herausfinden, warum sie bestimmte Werbeanzeigen sehen und sie notfalls blockieren.

Neuer virtueller Leitfaden

Um ihnen das Verständnis der Funktionen zu erleichtern, hat Facebook außerdem eine animierte Website eingerichtet. Der virtuelle Leitfaden, genannt „Grundlagen der Privatsphäre“, führt den Nutzer durch basale Funktionen und erklärt etwa wie man Nachrichten in der Timeline auf einen bestimmten Personenkreis beschränkt. Einen Teil seiner Richtlinien hat Facebook vollständig dorthin verlagert. Natürlich nur mit dem Ziel, dem Nutzer jederzeit den vollen Durchblick zu verschaffen im Paragraphen-Dschungel von Bestimmungen, Richtlinien und Selbstverpflichtungen.

Tatsächlich erleichtert die Animation das Verständnis von Facebook, und sie dürfte insbesondere für jüngere Nutzer nützlich sein. Allerdings ist die Darstellung teilweise widersprüchlich. Ein Beispiel: Facebook suggeriert, dass man eine Unternehmensseite mit „Gefällt mir“ markieren kann, um ihre Beiträge im Nachrichtenstrom zu sehen. Die Animation blendet hierzu beispielhaft die Seite eines Camping-Ausrüsters ein. Was der Nutzer in der Regel aber nicht weiß, ist, dass Facebooks Algorithmen Beiträge von Personen priorisieren. Wenn Unternehmen Werbung in der Timeline plazieren wollen, müssen sie dafür bezahlen, denn im Schnitt sehen Fans, die eine Unternehmensseite mit „Gefällt mir“ markiert haben, nur 6,5 Prozent ihrer Nachrichten. Das Liken von Unternehmensseiten nützt also vor allem dem Unternehmen Facebook: Es sammelt mehr Daten ein und schärft die Profile seiner Nutzer.

Facebook suggeriert Kontrolle

In den vergangenen Jahren hat Facebook den Prozentsatz an Unternehmensmeldungen sukzessive verringert, die auch wirklich in der Timeline angezeigt werden. Das ist zwar nicht unbedingt „Betrug“, wie ein Video suggerierte, das im Februar die Netzgemeinde aufrüttelte. Niemand möchte PR-Meldungen von Unternehmen in seiner Timeline sehen. Und je mehr sich die Nutzer vernetzten, je mehr Freunde sie sammeln, desto härter ist die Auslese der Nachrichten, desto mehr muss eine Nachricht zu bieten haben, um es nach oben zu schaffen. Dem Nutzer aber weiszumachen, ein „Like“ nutze vor allem ihm selbst, ist doch etwas missverständlich. Denn Facebook redet seinen Nutzern Kontrolle ein, wo es selbst versucht, sie besser zu kontrollieren.

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Das Unternehmen ist ein Paradox: Die Aussagen seiner Mitarbeiter sind an Eindeutigkeit nicht zu überbieten, die Richtlinien bleiben verschwommen. Was bei Facebook mündlich ausgesagt und schriftlich festgehalten wird, unterscheidet sich gewaltig. Erin Egan kommentierte die neuen Richtlinien so: Daten des Messenger-Dienstes Whatsapp, den Facebook im Februar gekauft hatte, würden nicht mit Facebook verknüpft. In den Datenschutz-Regeln steht: Facebook habe das Recht, alle Daten von Tochterfirmen auch zu verwenden.

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