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Veröffentlicht: 14.04.2017, 18:24 Uhr

„Matula-Krimi-Special“ im ZDF Er ist wieder da

Claus Theo Gärtner war eine Hälfte von „Ein Fall für zwei“, doch 2013 war Schluss: Nun kehrt er allein zurück und ist in „Matula“ ganz der Alte.

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© ZDF und Georges Pauly Als wäre er nie weg gewesen: Claus Theo Gärtner spielt wieder den Privatermittler Matula.

Josef Matula ist auf den Hund gekommen. Für die Rente hat er wohl nicht genug zurückgelegt, und so sehen wir nun, was aus dem lässigsten aller Frankfurter Privatdetektive geworden ist. Im Herzen halb Sponti (nur ohne Ideologie), halb Cowboy war er nach Schimanski der zweite Unangepasste, der 1981 im öffentlich-rechtlichen Fernsehen auftauchte. Und nun das: Matula, ein piefiger kleiner Kaufhausdetektiv in Security-Kluft. Dass Uniformen nicht unbedingt das Beste im Menschen ans Licht holen, wird Matula klar, als er mit fanatischem Eifer einen Dieb stellt – und beim Blick in den Spiegel einen unangenehmen „Er ist wieder da“-Moment hat. Die Uniformjacke fliegt weg, die Lederjacke muss her, Matula ist wieder ganz der Alte.

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Er lebt zwar jetzt als Dauercamper, sein Stellplatz ist von Gentrifizierung bedroht, das sieht nach Endstation aus. Doch dann läuft dem Knurrigen erst ein knuffiger Hund zu – wenn ein Mann schon nicht mehr die Hälfte eines unwahrscheinlichen Paars ist, braucht er einen anderen Begleiter –, und ein dubioser Dr. Jessen (Götz Schubert) drückt ihm ein paar hundert Euro in die Hand und einen Auftrag aufs Auge. Eine Dame in einem Altenheim an der Nordsee fühle sich verfolgt. Der Detektiv solle so tun, als prüfe er das, und sie beruhigen. Matula startet den stotternden Motor, wirft eine Kassette mit Stromgitarrenmusik ein und rauscht los. Als er in der Seniorenresidenz ankommt, ist die Dame tot. Unfall angeblich. Und Josef Matula hat endlich wieder einen richtigen Fall.

Ermittler ohne Verfallsdatum

Eine in dreihundert Folgen „Ein Fall für zwei“ über drei Jahrzehnte erzählte Figur für ein „Krimi-Special“ zurückzuholen ist nicht ohne Risiko. Retro ist zwar angesagt, das Publikum ist mit Matula gereift, und wer an dessen Seite als Anwalt auftrat, war nach Günter Strack als Dr. Renz und Rainer Hunold als Dr. Franck tatsächlich Nebensache. Kaum ein Schauspieler ist mit seiner Rolle so verschmolzen wie der inzwischen 73 Jahre alte Gärtner mit der des Frankfurter Detektivs im ZDF. Er muss ihn nicht spielen, er muss ihn nur geben. Dennoch: Hätte man es nach dem würdigen Abgang 2013 nicht einfach gut sein lassen können? Und einfach dem neuen Team – Antoine Monot jr. und Wanja Mues – zuschauen?

45835267 © ZDF und Georges Pauly Vergrößern Aufgeweckter Typ: Matula

Hätte man, aber so ist es vergnüglicher. Claus Theo Gärtner ist zwar nicht Clint Eastwood, doch auch er scheint kein Verfallsdatum zu kennen. Und die Befürchtung, dass Drehbuchautor Ben Braeunlich und Regisseur Thorsten Näter den Veteranen aufs Altenteil in einen albernen Schmunzelkrimi setzen könnten, zerstreut sich rasch. Stattdessen suchen die Macher Anleihen bei klassischen „Ein Fall für zwei“-Folgen: Traurige Jazztrompeten wehen durch eine Mainmetropole, die nicht schöner aussieht als in echt, die Kamera (Joachim Hasse) filmt über Gehsteige hastende Beine, wenn sie Figuren folgt, erhebt sich auch mal in die Luft, verzichtet aber auf jede Hektik. Der Plot ist wenig brisant und traditionell unglaubwürdig. Das hier sind Ferien vom Problemfernsehen.

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Einer, der nie aufgibt

Matula bezieht wieder Prügel, und es sieht ganz danach aus, als lasse er sich einmal mehr mit der falschen Frau ein. Statt über Zäune zu hechten wie einst, plumpst er auf der anderen Seite nieder. Vor Garagentoren, unter denen er früher durchgerollt wäre, kapituliert er und lässt sich lieber verhaften. Die Polizei ist zum Glück so ahnungslos wie eh und je. Mit den Jahren wächst die Erkenntnis, dass das Leben eine einzige Tragikomödie ist. „Matula“ würzt die dem Seniorentum geschuldete Komik mit sanfter Ironie und rebellischem Geist. „Was soll der Scheiß“, murrt eine Bewohnerin der Seniorenresidenz, das Rauchen lasse sie sich nicht verbieten. Matulas Laster ist es, Löcher in die Geschichten anderer Leute zu bohren.

45835268 © ZDF und Georges Pauly Vergrößern Knapp: Matula hat Ann-Gret Dahus (Ulrike Krumbiegel) das Leben gerettet.

An einem Institut in Bremerhaven stößt er auf eine manipulierte Studie über die ökologischen Folgen einer Weservertiefung. Das wiederum kreuzt sich mit einem vor Jahrzehnten vertuschten Verbrechen an jenem Institut. Die tote Heimbewohnerin war dort Professorin, eine junge blonde Forscherin namens Helen (Sinja Dieks) sucht Matulas Rat und die Wahrheit, eine rothaarige, reifere Forscherin (Ulrike Krumbiegel) hat etwas zu verbergen und will bei Matula übernachten. Ein Forscher stirbt, ein anderer taucht auf. Am Ende wird das Meer, das die Kulisse für viele stimmungsvolle Bilder von Matula mit Mütze abgegeben hat und manche Schwächen in der Handlung überblendet, das Böse verschlucken und eine Figur, halb Täter, halb Opfer, mit ihrer Schuld zurücklassen. Matula kann mit solchen Uneindeutigkeiten leben. Nicht zuletzt deshalb ist er nicht totzukriegen. „Sie geben wohl nie auf?“, fragt ihn der Bösewicht. „Warum sollte ich?“, entgegnet der Detektiv.

© Matula Fernsehtrailer: „Matula“
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