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Das Youtube-Phänomen Ylvis : Und der Fuchs macht „A-hee-ahee ha-hee!“

  • -Aktualisiert am

Wie macht der Fuchs? Bild: Screenshot: YouTube

Eigentlich wollte das norwegische Comedy-Duo Ylvis bloß seine Fernsehtalkshow promoten, dann aber entwickelt sich das Musikvideo „The Fox“ zum Internet-Ereignis. Jetzt fragt sich jeder: Wie macht eigentlich der Fuchs?

          Ylvis spüren gerne den ganz großen Fragen nach. Seit kurzem versuchen die beiden norwegischen Comedians etwa, einem scheuen Waldbewohner sein großes Geheimnis zu entlocken: Was bloß ist der Laut des Fuchses? Das ist eine Frage, die sich so vermutlich noch nicht viele gestellt haben, die aber, ist man erst einmal damit konfrontiert, durchaus ihre Berechtigung hat: Ja, wie machen Füchse denn eigentlich?

          Ylvis, das sind die norwegischen Brüder Bård und Vegard Ylvisåker, die in ihrem Heimatland bereits seit vielen Jahren als Comedy-Duo bekannt sind. Die beiden haben schon mehrere englischsprachige Musikvideos veröffentlicht, aber keines davon erfuhr so viel Aufmerksamkeit wie ihr neuestes Werk „The Fox“, das seit dem 3. September bei Youtube abrufbar ist: Nach zehn Tagen zählt „The Fox“ bereits mehr als 22 Millionen Klicks.

          Das Musikvideo über das Phänomen des Fuchslauts hat sich also selbst zu einem veritablen Internet-Phänomen gemausert. Es wird geklickt, geteilt, gecovert und besprochen. Und gestaunt und gelacht.

          Die Testvorführung floppte

          „The Fox“ beginnt mit einer Reihe von Tierlauten, die wohl bekannt sind: „Dog goes woof/ Cat goes meow/ Bird goes tweet/ And mouse goes squeek.“ Vorgetragen in einer butterweichen Stimme, unterlegt mit eingängigen Dance-Pop-Harmonien. Begleitet von Bildern einer Party, deren Gäste sich in Tierkostümen bewegen, – Bilder, die surreal anmuten wie aus Schnitzlers „Traumnovelle“ entsprungen.

          Nachdem festgestellt wurde, dass Enten „quack“ und Fische „blub“ machen, fragt der Refrain: „What does the fox say?“ Und antwortet mutmaßend mit „Ring-ding-ding-ding-dingeringeding“ und „Wa-pa-pa-pa-pa-pa-pow“. Währenddessen bewegt sich der jüngere Bruder  Bård im Fuchskostüm inmitten einiger Tänzerinnen mit Fuchsmasken im Wald, eingebettet in ein Licht, das an „Akte X“ erinnert, kurz bevor – etwaige Wortspiele sind nicht beabsichtigt – Fox Mulder von Außerirdischen entführt wird.

          „The Fox“ verbreitet sich rasant, nicht nur in sozialen Netzwerken, sondern auch in traditionellen Medien. Der „Guardian“ hat bereits darüber berichtet, genau wie NBC und CNN, für die es das „Musikvideo des Sommers“ ist. Somit hat „The Fox“ seinen Zweck bereits erfüllt, dabei handelt es sich nämlich um ein virales Video. Das bedeutet, es wurde produziert, um sich im Netz und in den Medien zu verbreiten und somit auf das eigentliche Produkt dahinter aufmerksam zu machen. „The Fox“ sollte den Start der dritten Staffel der Talkshow „I kveld med Ylvis“ (etwa: Heute Abend mit Ylvis) promoten, die am 10. September im norwegischen Fernsehen Premiere feierte.

          Die Brüder Ylvisåker haben mit so einem Erfolg freilich nicht gerechnet. Eine Testvorführung des Videos vor zehn Leuten habe keinen einzigen Lacher produziert, wie Bård Ylvisåker der Nachrichtenseite „Mother Jones“ verriet.

          Und was ist der Zweck von Stonehenge?

          Dabei hat „The Fox“ alle Zutaten, die eine musikalische Parodie benötigt, wie sie auch schon Künstler wie Tenacious D oder The Lonely Island gemacht haben. Ein abstruser Text und ein verrückter Refrain antithetisch verbunden mit einem überbordend seriösen Vortrag: Das Video ist professionell produziert, die Musik Hit-verdächtig, das sängerische Talent der beiden Brüder offenbar – und deren tragisch-ernste Mimik und Gestik könnten es spielend mit den Barden von Take That aufnehmen. Das Video nimmt ähnliche Dance-Pop-Musik angemessen aufs Korn.

          Viele sind der Meinung, „The Fox“ habe das Zeug, zum neuen „Gangnam Style“ zu werden. Wir erinnern uns: Der Song des Südkoreaners Psy steht mit über einer Milliarde Youtube-Klicks im Guinness-Buch der Rekorde und stürmte im vergangen Jahr an die Spitze so ziemlich aller Hitlisten. Ob „The Fox“ eine ähnliche Karriere blüht, bleibt abzuwarten. Tanzbar ist es allemal, aber ob ein Refrain, der aus „Fraka-kaka-kaka-kaka-kow“ besteht, Charts-tauglich ist, ist zumindest anzuzweifeln. Immerhin: Der Song ist in den “Hot 100“ der US-Billboard-Charts auf Platz 29 eingestiegen. Wie auch immer, seinen Zweck hat „The Fox“ auf jeden Fall erfüllt: Die neue Staffel von „I kveld med Ylvis“ kann sich einer breiten Aufmerksamkeit sicher sein.

          „The Fox“ ist übrigens nicht das erste Rätsel, das Ylvis zu lösen versucht. Bereits 2011 ging das Duo dem schottischen Phänomen Stonehenge auf den Grund und fragte verzweifelt nach dem Zweck des gewaltigen Steinhaufens:

          Is it a giant birthday cake
          Or a prison far too easy to escape?

          Um es aufzulösen: Stonehenge diente wohl als Grabanlage. Und der Laut des Fuchses soll gerüchteweise einem Bellen, manchmal auch dem markerschütternden Schrei einer Frau ähneln. Aber, zugegeben, die Vorschläge von Ylvis haben auch ihren Charme.

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