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Das Videospiel „Prey“ : Mit der Rohrzange durch die Raumstation

Des Wahnsinns fette Beute: In „Prey“ muss der Spieler sich in der Raumstation eines Technologie-Konzerns zurechtfinden und albtraumhafte Gestalten austricksen. Bild: Bethesda

Angst-Management trifft auf schwarzen Humor: Im Videospiel „Prey“ tritt man mies bewaffnet gegen dunkle außerirdische Biomasse an, die nach Belieben ihre Gestalt wechselt. Doch die wahre Herausforderung liegt ganz woanders.

          Ein Geflecht aus flüssigem Schatten huscht in der Form eines übergroßen Schlangensterns (die schwarzen Verwandten der Seesterne) um eine Ecke. Dann herrscht Stille. Nur eine kleine Kaffeetasse kullert unschuldig ins Sichtfeld. Als der Spieler durch die Augen der Spielfigur – Morgan Yu, Angestellter des Technologie-Konzerns „TransStar“ – angespannt um die Ecke lugt, scheint alles ruhig. Der Schreibtisch des Wissenschaftlers, der die erhoffte Schlüsselkarte enthält, sieht sauber aus. Neben der Computertastatur steht noch die Kaffeetasse. Halt. Sie sieht der Kaffeetasse auf dem Boden verdächtig ähnlich.

          Axel Weidemann

          Redakteur im Feuilleton.

          Im Videospiel „Prey“ (engl. für Beute) muss der Spieler doppelt aufpassen, sobald er doppelt sieht. Seine Gegner, die außerirdischen „Typhon“ (in der griechischen Mythologie bezeichnet der Name einen schlangenköpfigen Riesen, Sohn der Gaia und des Tartaros), sind Meister der Tarnung. Kaum ein Gegenstand, dessen Gestalt sie nicht annehmen können. Es passiert schnell, dass so eine vermeintliche Kaffeetasse einem mit vier Tentakeln ins Gesicht springt – was zum sofortigen Ableben führt.

          Ein Spiel, das mit der Angst des Spielers spielt.

          Grusel und gekonnt inszenierte Schockmomente sind dieser Tage die Währung vieler sogenannter Ego-Shooter, solcher Videospiele, die sich der Spieler aus der Ich-Perspektive ersch(l)ießt. Hier wird gern mit den klassischen Mitteln des Horrorfilms gearbeitet, indem das Grauen zunächst immer nur mit etwas Abstand durch das Bild, respektive das Sichtfeld des Spielers huscht – bis es dann plötzlich aus dem Nichts zuschlägt. So auch hier: Während der Spieler das Spiel spielt, spielt das Spiel mit der Angst des Spielers. Das ist kein Alleinstellungsmerkmal für „Prey“, doch die Art, wie man sich hier mit gezückter Rohrzange einer scheinbar harmlosen Kaffeetasse nähert, unterscheidet es neben einem eher gemächlichen Tempo deutlich von populären Vertretern seines Genres.

          Spieletrailer : „Prey“

          Doch zu Beginn ist es vor allem ein Instrument, mit dem „Prey“ die üblichen Offensiv-Mechanismen des Shooter-Genres fast ad absurdum führt. Nachdem der Spieler der vermeintlichen Kaffeetasse und ihren sonstwie verdinglichten Kollegen lange nur durch einen Hieb mit der Rohrzange beikommen kann, findet er endlich ein rot funkelndes Gerät, das so aussieht, als könnte es jedes dieser hinterlistigen Schattenwesen mühelos via Knopfdruck in eine zart nachglimmende Staubwolke verwandeln. Dabei hätte man schon bei der Beschreibung stutzig werden müssen: „GLOO-Cannon“. Aber der hektische Spieler, gedrillt auf Wehrhaftigkeit, liest nicht. Nicht, bevor er abdrückt. So steht man auf einmal im Atrium der Forschungseinheit einer Raumstation, blickt den anrückenden Horden aus zirpendem Schattengewusel siegesgewiss entgegen und drückt den Abzug durch – das heißt langsam ausatmend, aber sehr fest auf die linke Maustaste.

          Pampelmusengroße Klebschaumblasen ploppen

          Statt Laserstrahlen und Raketen zündet hier der erste wundervoll schwarze Scherz, den sich die Entwickler der amerikanischen Spieleschmiede „Arkane Studios“ mit dem Spieler erlauben: Pampelmusengroße Klebschaumblasen ploppen schmatzend aus der vermeintlichen Vernichtungswaffe. Treffen die Blasen, härtet der Schaum aus und der Gegner ist Bewegungsunfähig. Doch nur für kurze Zeit. Die sollte man entweder nutzen, um die Rohrzange zu schwingen oder die virtuellen Beine in die Hand zu nehmen. Erst im Laufe des Spiels lernt man die „GLOO-Cannon“ als höchst effizientes Werkzeug schätzen. Sie löscht Brände, isoliert zerstörte Elektroleitungen und baut vermittels ausgehärteter Schaumhaufen veritable Treppenstufen, die an sonst unerreichbare Orte führen.

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