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Fernsehproduktionen : Das Oligopol der Tochterfirmen

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Das Bundeskartellamt ermittelt gegen die Produktionsfirmen Bavaria und Studio Adlershof wegen des Verdachts der Preisabsprachen. Doch wer produziert für die Sender eigentlich was? Eine Übersicht fördert Erstaunliches zutage.

          Der Sprecher des Kartellamts, Kay Weidner, sagt, dass er vorerst nichts mehr sagt zu den Ermittlungen bei mehreren deutschen Produktionsfirmen wegen des Verdachts unerlaubter Preisabsprachen. „In dem laufenden Verfahren geben wir keine Wasserstandsmeldungen ab und kommentieren auch nicht, welche Studios alle betroffen sind. Erst wenn wir unsere Ermittlungen abgeschlossen haben, werden wir uns wieder öffentlich äußern.“ Das Kartellamt hatte in der vergangenen Woche Räume der Bavaria-Studios in München und das Studio Adlershof in Berlin durchsucht.

          Was aus dem Verdacht wird, ist das eine, die Verfasstheit der hiesigen Produzentenlandschaft das andere. Dort hat sich ein Oligopol herausgebildet, das von Tochterfirmen der öffentlich-rechtlichen Sender beherrscht wird und zu Absprachen einlädt. Das zu erkennen, reicht eine Untersuchung, welche die Produzentin Sharon von Wietersheim im Auftrag des Verbands Deutsche Filmproduzenten zum Fernsehjahr 2013 angestellt hat. Akribisch genau listet die damalige Vorsitzende des Verbandes gemeinsam mit ihrem Kollegen Frank Meiling auf, wer welchen Film produziert hat. „Wie in den EU-Richtlinien zur Lösung des Interessenkonflikts zwischen Politik und Medien dargelegt, stellen Eigentumskonzentration und fehlende Transparenz die größte Bedrohung für Qualität, die Unabhängigkeit der Beschäftigten in der Medienbranche und für den Wettbewerb zwischen den Medien dar. Dies auszuschließen sollte Ziel und Anliegen von Sendern und Filmschaffenden sein“, schreibt von Wietersheim. So sei es „unabdingbar, den allgemeinen Anspruch auf Vielfalt zu sichern und die breit gestellten Auftragsvolumen der öffentlich-rechtlichen Sender auf so viele Themen und unterschiedliche Produktionsfirmen wie möglich zu verteilen“.

          Ein drastisches Ergebnis

          270 Fernsehfilme wurden 2013 erstausgestrahlt, die 26 erfolgreichsten waren bis auf eine Ausnahme allesamt „Tatorte“. Die Ausnahme war ein „Polizeiruf“ auf Platz dreizehn. Erstaunlicher aber ist, wer was produzierte: So machten zehn Produktionsfirmen sechzig Prozent aller Filme unter sich aus, zeichneten also für 163 Filme verantwortlich. Das waren neben der Ufa (Bertelsmann/RTL) mit 32 Filmen die Bavaria (BR, MDR, SWR, WDR) mit 26 und die hundertprozentige ZDF-Tochter Network Movie mit 21 Filmen auf den ersten drei Plätzen, gefolgt von Studio Hamburg (NDR, 18), Constantin (13), Ziegler (12), ARD-Eigenproduktionen (zwölf), NdF (elf), FFP New Media (zehn) und Eyeworks (acht).

          Löst man das für die beiden öffentlich-rechtlichen Sender auf, so wird das Ergebnis noch drastischer: Von den 127 Erstausstrahlungen, die 2013 im Ersten liefen, wurden 77 Filme (61 Prozent) von zehn Produktionsunternehmen (zwanzig von der Bavaria) produziert. Die restlichen fünfzig Filme teilten sich 36 Produktionsfirmen. Im ZDF gingen von 113 Erstausstrahlungen sogar 78 Prozent (88 Filme) an zehn Produktionsfirmen, davon produzierte Network Movie zwanzig Filme. Die restlichen 25 Filme wurden von siebzehn verschiedenen Produktionsfirmen erstellt. Die Privatsender spielten 2013 bei der Produktion von Fernsehfilmen keine große Rolle. Sat.1 brachte es auf fünfzehn Fernsehfilme, und bei RTL waren es vier.

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