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Das Online-Portal „Republik.ch“ : Sind sie die Retter der Online-Zeitung?

Ein bisschen Glitzer-Glitzer: das „Rothaus“ in Zürich beim Launch des Online-Magazins „Republik“ im Januar 2018 Bild: Jan Bolomey

Das Schweizer Onlineportal „Republik“ will zahlende Leser mit viel Transparenz und ausführlichen Geschichten an sich binden – damit die verstehen, was sie für ihr Geld bekommen. Ein Besuch in der Redaktion.

          Es sieht nach Arbeit aus. In der Kommandozentrale dieses neuen europäischen Journalismus-Start-ups stapeln sich Pizzakartons. Klebezettel pflastern die Tapete des Besprechungszimmers. Aus digitalen Bilderrahmen blicken dem Besucher wechselnde Porträts von Männern und Frauen in Schwarz-Weiß entgegen. Es sind die Verlegerinnen und Verleger des Schweizer Online-Magazins „Republik“: „Das sind die Leute, für die wir das machen“, sagt Christof Moser, 38, Mitbegründer und einer von zwei Chefredakteuren des Mediums, das im vergangenen Sommer mit einem angeblichen Crowdfunding-Weltrekord viel Beachtung fand. Denn: Verleger nennen darf sich seitdem jeder, der bereit ist, 240 Franken (etwas mehr als 200 Euro) im Jahr zu bezahlen. Dafür gibt es Zugang zu den Artikeln hinter der Bezahlschranke der Internetseite republik.ch. Oft sind das recht ausführliche Stücke aus den Bereichen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Die Seite kommt komplett ohne Werbung aus. Das ursprüngliche Ziel von 3000 Abonnenten hatten die „Republik“-Gründer – darunter auch der gebürtige Frankfurter Constantin Seibt – bereits nach wenigen Stunden erreicht. Bis zum offiziellen Start der Seite Mitte Januar registrierten sich fünfmal so viele Nutzer, ohne dass sie wussten, was genau ihnen das Team um die ehemaligen Zeitungsjournalisten Moser und Seibt liefern würde.

          Felix Hooß

          Koordinator für Premium-Inhalte bei FAZ.NET.

          Seitdem wächst die „Republik“ täglich weiter: Etwas mehr als 20.000 Mitverleger sind es nun, zweieinhalb Monate nach dem Start. Rund 2,7 Millionen Euro haben sie mit ihren Beiträgen in die Kassen des jungen Unternehmens gespült, dazu kommen noch mal drei Millionen durch Investoren. „Die haben wir im Hintergrund als Anschub“, sagt Moser, „aber das müssen wir irgendwann ausgleichen.“ Der Plan lautet, den Investoren innerhalb der nächsten fünf Jahre ihr Geld zurückzuzahlen. Dann sollen die Einnahmen durch die Leser das Projekt allein tragen. 23.000 Abonnenten müssen dafür laut Businessplan dauerhaft an Bord bleiben. „Momentan glauben wir nicht, dass wir das gegen die Wand fahren“, sagt Moser verhalten optimistisch. „Aber wir wissen auch: Das Ganze ist fragil.“

          Einer von zwei „Republik“-Chefredakteuren: Christof Moser

          Ein bisschen Ungläubigkeit ist bei Moser, dunkelblauer Schlabberpulli, zerzaustes Haar, zurückgeblieben – trotz der ermutigenden Zahlen. „Das hat uns ziemlich von den Socken gehauen“, sagt er über den Wirbel, den er und sein Unternehmen entfacht haben. Dass die Idee funktionieren, sich tatsächlich eine relevante Anzahl an Nutzern finden würde, die bereit sind, Geld für ein reines Onlinemedium auszugeben, war nicht sicher. Vieles hat sich gefügt für die „Republik„-Macher, so wie das Domizil in der Züricher Sihlhallenstraße, unweit des Hauptbahnhofs. Das „Rothaus“ ist ein alter roter Backsteinbau, der früher als Hotel diente und noch davor als Bordell. Während Redaktionen in Deutschland und der Schweiz in Hochhäuser am Stadtrand ziehen, wähnt sich die „Republik“ mittendrin. „Das hat Einfluss auf das, was wir tun, es ist unsere Trutzburg nach außen“, erzählt Moser, während er durch das enge, grün gestrichene Treppenhaus des Gebäudes führt. Schilder an den ehemaligen Hotelzimmern weisen den Weg zu den verschiedenen Abteilungen: Die IT sitzt im „Engine Room“, die Social-Media-Abteilung im „Community Department of Magic“, eines der Redakteurszimmer trägt den Titel „Random Stories“.

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