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Montag, 13. Februar 2012
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Das Erste Harald Schmidt bald nur noch mittwochs?

27.11.2006 ·  Eigentlich läuft es für die ARD ganz gut. Dennoch wollen die Verantwortlichen Veränderungen - beispielsweise mehr Naturdokumentationen. Harald Schmidt könnte dafür bald doppelt so lange Witze reißen - aber nur noch einmal in der Woche.

Von Michael Hanfeld
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Im Wettbewerb der Fernsehsender läuft es wie in der Bundesliga: Das Niveau ist mäßig und viele suchen nach ihrer Form. RTL richtet sein Programm nach der amerikanischen Erfolgsserie „CSI“ aus, Sat.1 justiert im Vorabendprogramm nach und gruppiert ganze Abende neu. Und die ARD? Bei der läuft es ganz gut, nach dem Eindruck der Verantwortlichen aber nicht gut genug. Also wurde vergangene Woche in der Fernsehprogrammkonferenz beschlossen, ein paar Dinge zu ändern. Der Montag ist im Ersten künftig Naturtag oder Dokutag oder Infotag. Mittwochs könnte Harald Schmidt künftig doppelt so lange senden. Und dafür donnerstags gar nicht. Dann hätte er es Mitte der Woche schon hinter sich.

Der neue Montag in der ARD kommt zustande, weil die Serienwiederholungen nach der „Tagesschau“ - im Augenblick läuft der „Fahnder“ - kein Publikum aufbauen, von dem die nachfolgenden Sendungen zehren könnten. Das sollen von Januar an nun Tier- und Naturfilme leisten, wie der Chefredakteur und Politikkoordinator Thomas Baumann dieser Zeitung sagte. Es gehe um große, moderne Naturdokumentationen, mit spektakulären Bildern und ebensolchen Geschichten.

„Ratgeber“ kommt später wegen Sportübertragungen

Den Anfang macht ein Stück über die Wasserfälle von Iguazu, es folgt ein Zweiteiler mit dem Titel „Abenteuer Yukon“. Drei Monate lang probieren Baumann und seine Kollegen das neue Montagsmodell aus, zum April hin ziehen sie Bilanz. So bekommt die ARD eine Informationsstrecke, wie wir sie lange nicht gesehen haben: Dem Naturfilm um Viertel nach acht folgt um neun Uhr die nächste Dokumentation, eine Dreiviertelstunde später legen die Politikmagazine los, danach sind die „Tagesthemen“ dran.

Ein wenig umgestellt wird das Informationsprogramm im Ersten auch am Samstag. Die „Ratgeber“, die Politikkoordinator Baumann für ein „sehr wichtiges“ öffentlich-rechtliches Format hält, laufen künftig um 17.03 Uhr, statt zuvor um halb fünf. Das sieht nach einem ganz kleinen Dreh aus, hat aber zur Folge, daß die „Ratgeber“ nicht mehr so häufig wegen der Sportübertragungen am Samstag nachmittag ausfallen. Die enden nämlich meist um fünf Uhr nachmittags.

Struve will zum nächsten kleinen Coup nichts sagen

Soweit die Beschlußlage der Programmdirektoren, Chefredakteure und Kulturchefs. Was bei anderen Sendern ein Federstrich des Geschäftsführers oder ein Zweikampf zwischen Programmchef und Chefredakteur ist, gerät in der ARD ja zwangsläufig immer zur Staatsaktion. So war es bei der Programmreform im vergangenen Jahr, die angeblich zum Ziel hatte, die „Tagesthemen“ mit dem Beginn um 22.15 Uhr zu stärken, in Wahrheit aber auf die Unterhaltungsstrecken schielte, die sich zwischen „Tagesschau“ und „Tagesthemen“ einpassen lassen.

Doch auch daran kann man nochmals ein wenig ziehen und da kommt die nächste Staatsaktion und mit ihr der Programmdirektor des Ersten, Günter Struve, ins Spiel. Erstaunlich lange hat man nichts von ihm gehört, was man bei ihm stets als Ruhe vor dem nächsten kleinen Coup interpretieren sollte, zu dem Struve auf Anfrage noch weniger - besser gesagt, gar nichts - sagen will als er den versammelten Kollegen der Fernsehprogrammkonferenz letzte Woche verraten hat: Harald Schmidt, sagte Struve, könnte künftig statt zweimal eine halbe Stunde am Mittwoch und Donnerstag nurmehr mittwochs, dafür aber eine Stunde am Stück auftreten.

Für Günther Jauch ändert sich trotz der Kritik nichts

Was zur Folge hätte, daß die Dokumentationen mittwochs noch später anfingen und donnerstags vielleicht auch - wenn anstelle von Schmidts Show Tita von Hardenberg mit „Polylux“ auftaucht. Das aber würde nur wenige der ARD-Programmleute erfreuen, am wenigsten die Chefredakteure. Debattiert wurde über die Idee nicht. Einige befürchten, daß der Programmdirektor Struve sie morgen auf der Intendantentagung vorträgt und diese die Sache am Ende entscheiden.

Sie hätten es dann mit zwei prominenten Programmentscheidungen zu tun - mit dem Vertrag von Harald Schmidt und dem von Günther Jauch. Bei Jauch ist trotz Kritik klar, daß sich für ihn nichts ändern wird. Er bleibt RTL in vollem Umfang erhalten, weist also unter der Woche die ARD als Glücksspiel- und „Stern TV“-Moderator nach Quoten in die Schranken, um sonntags als Nachfolger von Sabine Christiansen den Spieß umzudrehen.

Was nicht paßt, wird im Zweifel passend gemacht

Seine Werbeaktivitäten wird Jauch auch weiterführen können, der von Intendanten angesprochene Maßstab, daß bestimmte Werbung nicht zum öffentlich-rechtlichen Profil passe, ist dehnbar und von anderen - denken wir nur an Beckmanns Altersrentenreklame - längst verbogen worden. Und über die Tatsache, daß wir im Augenblick Harald Schmidts Stimme in der Werbung für einen Mediendiscounter hören, regt sich ja auch niemand auf. Was sollte da in Jauchs Fall nicht passen?

Bei der ARD wird im Zweifel, was nicht paßt, passend gemacht. Und am Ende paßt immer alles. Und passen müßte der Struve-Plan eigentlich auch Harald Schmidt, wenn man sich ansieht, mit welch gezügeltem Temperament er seine Show abspult. „Der künstlerische Wert dessen, was ich im Fernsehen bringe, beträgt ungefähr 500 Euro pro Sendung, Mehrwertsteuer inklusive“, hat Schmidt einmal gesagt. Die ARD zahlt ihm etwas mehr.

Quelle: F.A.Z., 27.11.2006, Nr. 276 / Seite 40
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