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Videospiel „Ghost Recon“ : Bolivien sieht empört seiner Zerstörung zu

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Bolivien im freien Fall: Als Mitglied einer Spezialeinheit lässt der Spieler die Dinge in „Ghost Recon Wildlands“ in tödlicher Ruhe auf sich zukommen. Bild: Ubisoft

In dem Computerspiel „Ghost Recon: Wildlands“ zerlegen amerikanische Soldaten ein fiktives Bolivien, das unter die Kontrolle eines Drogenkartells geraten ist. Im Land selbst ist man darüber nicht amüsiert.

          Im bolivianischen Hochland ist das Radio das propagandistische Medium der Wahl. Es tönt aus jedem Fahrzeug, das auf sandigen Straßen an den Koka-Feldern vorbeibrettert. Es singt ein Loblied auf das Drogenkartell „Santa Blanca“, das den „Wohlstand“ und die „Freiheit“ gebracht habe. Es lenkt von den Körpern ab, die mancherorts aufgeknüpft am Straßenrand baumeln, und es ruft beiläufig dazu auf, die Aktivitäten der Rebellen zu melden.

          Letzteres ist dringlich. Denn im Videospiel „Tom Clancy’s Ghost Recon: Wildlands“ ist Bolivien nicht mehr das Bolivien des Präsidenten Evo Morales. Es hat sich in einen „Narco State“ verwandelt, der von einem Kartell kontrolliert wird, das sich selbst jener Unidad-Truppen bedienen kann, die das Verbrechen ursprünglich bekämpfen sollten. Wo es Widerstand wittert, lässt es foltern, töten und verwischt die Spuren.

          Ein Horrorszenario. Aber ein Skandal? Die echte bolivianische Regierung in La Paz hat sich über das Spiel empört. Sie zitierte den französischen Botschafter Denys Wibaux zu sich. Frankreich ist der Hauptstandort der Herstellerfirma Ubisoft. In La Paz beklagt man, dass Ubisoft in seinem neuen Spiel unverkennbar die Landschaft sowie Hoheitssymbole Boliviens benutzt. Ubisoft erklärte, man habe bloß ein „Werk der Fiktion“ geschaffen. Man hege allerdings die Hoffnung, dass die grafische Darstellung der fiktiven Welt von „Ghost Recon“ der „wunderschönen Topographie des Landes“ in der Wirklichkeit möglichst nahe komme. Während man sich in La Paz nun rechtliche Schritte vorbehalten will, schweigt die Regierung in Paris zum halb-virtuellen Zwist lieber.

          Ob die Erzählung über ein „Szenario“ hinausreicht, scheint einerlei

          Der prominente Berater und Koautor des Spiels, der amerikanische Schriftsteller Don Winslow, scheint das Szenario allerdings für hinreichend glaubwürdig zu halten. Zusammen mit dem Hollywood-Autor Shane Salerno (der auch bei Oliver Stones Film „Savages“ mitarbeitete, der auf Winslows Roman „Zeit des Zorns“ beruht) schrieb er die Geschichten und Dialoge der verschiedenen Charaktere des Spiels. Die Episode „Wildlands“ ist die neueste Folge der seit 2001 publizierten Computerspielserie „Ghost Recon“. In den bisherigen Geschichten hatten es die amerikanischen Spezialkommandos unter anderen mit ultranationalistischen russischen Milizen zu tun, mit Warlords in Eritrea, mit altkommunistischen Rebellen in Kuba nach dem (fiktiven) Tod von Fidel Castro oder mit Guerrilleros in Mexiko.

          Ob dabei zwingend so etwas wie eine Erzählung herauskommt, die über ein „Szenario“ hinausreicht, scheint oft einerlei – solange die Spielmechanik für den kontinuierlichen Ausstoß von Stresshormonen sorgt. Doch, dass sich Story zu Spiel wie Butter zu Brot verhält, wird offensichtlicher, je stärker Videospiele zum steuerbaren filmischen Erlebnis werden. Vielleicht liegt es an der bolivianischen Höhe, doch in puncto Handlung geht „Ghost Recon: Wildlands“ schnell die Luft aus. Ausgerechnet der Erz-Bösewicht El Sueño – ein Drogenbaron mit tätowiertem Glatzkopf und dem Charme einer bemalten Billardkugel – ist ein überheblicher, tumber Typ. Dieser Boss der Bosse lässt nun ein protziges Mausoleum auf einem Bergrücken für sich errichten. Ganz so, wie es die echten Kartellbosse tun. Zur Einführung darf er darin umherwandeln und hochpathetische Sätze sagen: „Wie Moses führte ich mein Volk ins gelobte Land.“

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