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Conrad Black Ein Medienmogul muss ins Gefängnis

12.12.2007 ·  Als Medienunternehmer wetteiferte Conrad Black mit Rupert Murdoch. Als die Erträge stockten, griff er in die Firmenkasse. Die nächsten sechseinhalb Jahre wird er nun im Gefängnis verbringen müssen: die Geschichte eines Absturzes.

Von Gina Thomas
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Conrad Black ist eine Nachteule und steht notorisch spät auf. Demnächst wird er jedoch einem anderen Regiment gehorchen müssen. Im Gefängnis, wo der ehemalige Zeitungsverleger die nächsten sechseinhalb Jahre verbringen muss, beginnt der Tag kurz nach sechs Uhr morgens.

Die amerikanische Staatsanwaltschaft hatte bis zu vierundzwanzig Jahre Haft gefordert für das im Juli wegen Betrugs und Justizbehinderung verurteilte Mitglied des britischen Oberhauses. Aber Richterin Amy St. Eve, die Respekt geerntet hat für ihre ruhige Abwicklung des Prozesses in Chicago, ließ sich nicht beeinflussen von den Affekten, die sich in der Post-Enron-Ära gegen Wirtschaftskriminelle breitmachen.

Bleich, aber kerzengerade

Neben der mäßigen Gefängnisstrafe verhängte sie gegen den 63 Jahre alten Angeklagten ein Bußgeld von 125.000 Dollar und bewertete den Betrug mit 6,1 Millionen, nicht mit 32 Millionen Dollar, wie die Staatsanwaltschaft behauptete. Dem bleich, aber kerzengerade vor ihr stehenden Black sagte sie, niemand stehe in den Vereinigten Staaten über dem Gesetz, „gleich wie mächtig, erfolgreich, intelligent oder gebildet“. Sie könne nicht fassen, wie jemand von seiner Statur, an der Spitze eines Medienreiches, sich so verhalte, dass er alles aufs Spiel setzte, eingeschlossen den Ruf und die Integrität. In den zivilen Klagen, die ihm drohen, könnte er auch noch sein Vermögen verlieren.

Vor sechs Jahren wurde Black im hermelingesäumten Umhang als Baron auf Lebenszeit in die zweite Kammer eingeführt. Damals stand er einem der größten Zeitungsimperien der Welt vor. Ihm gehörten neben dem „Daily Telegraph“, der „Jerusalem Post“ und der „Chicago Sun Times“ etliche Provinzblätter in Amerika. Zusammen mit seiner zweiten Ehefrau, der Kolumnistin Barbara Amiel, führte der gebürtige Kanadier den Lebensstil eines Milliardärs. Dabei war er bloß Millionär.

Griff in die Firmenkasse

Als Medienunternehmer wetteiferte er mit Murdoch, gesellschaftlich wollte er mithalten mit New Yorker Mega-Financiers, geistig nahm der Autor wuchtiger Bände über Franklin D. Roosevelt und Richard Nixon es mit namhaften Historikern auf. Als die Erträge stockten, griff Black in die Firmenkasse. Beim Verkauf der amerikanischen Titel handelten er und einige Mitarbeiter Wettbewerbsklauseln aus. Die Gelder flossen auf persönliche Konten. Als die Dividenden fielen, brachte ein Aktionär das Gerichtsverfahren ins Rollen.

Am 3. März muss Black seine Villa in Palm Beach verlassen und den Maßanzug gegen die Gefängnisuniform tauschen. Er beteuert seine Unschuld, hofft auf die Berufungsverhandlung und glaubt, sich jeder Situation anpassen zu können. Die Mithäftlinge dürfen auf einen höchst unterhaltsamen Sträfling gespannt sein. Mit Conrad Black wird es nie langweilig.

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Jahrgang 1957, Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

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