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Computerpionier auf der IFA Kurzweil, ewig

 ·  Ray Kurzweil sagt seit mehr als zwanzig Jahren die Zukunft heraus. Auf der IFA in Berlin hat Microsoft nun einen Ausblick ins Jahr 2050 gewagt. Da durfte der amerikanische Computerpionier nicht fehlen.

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Aus irgendeinem Grund wollte er dann offensichtlich doch persönlich nach Deutschland kommen: Ray Kurzweil, der vielleicht berühmteste Futurologe der Welt. Dass es an den technischen Möglichkeiten scheiterte, sein Bild und seine Stimme von New York nach Berlin zu transportieren, ist jedenfalls eher unwahrscheinlich, seine Freunde von Microsoft hätten sicher ihr Möglichstes gegeben. Doch scheint auch der Computerkonzern auf die Aura des Originals zu vertrauen. „Zum Ausklang der IFA“ hatte das Unternehmen zur sogenannten „What’s Next Matinée“ in die Räume der „Tube Station“ geladen, einen jener Veranstaltungsorte, deren hybrides Konzept (tagsüber Konferenzraum, abends Club) zukunftsgewandter als ihr nostalgisches Retro-Ambiente ist. Zusammen mit Kurzweil wollte man dort „einen Ausblick in das Jahr 2050 wagen“, wozu man allerdings sicherheitshalber die ziemlich veränderungsresistente Form des Powerpoint-Vortrags wählte.

Seit mehr als zwanzig Jahren sagt Kurzweil jetzt die Zukunft voraus, das World Wide Web hat er kommen sehen und den Zusammenbruch der Sowjetunion, das Lieblingsereignis aller Propheten. Zuletzt kündigte er die Ankunft der „Singularity“ an, den Punkt, von dem an künstliche Intelligenz klüger sein wird als der Mensch. 2045 soll das sein. Das allerdings wäre dann auch das Ende von Kurzweils Geschäftsmodell: Wenn Maschinen übernehmen, welche denken, kommunizieren und selbständig handeln können, sagt Kurzweil, dann machen sie den technischen Fortschritt unter sich aus. Kein Mensch kann ihn dann noch vorhersehen. Bis dahin aber ist das der Job von Mitarbeitern des technisch-visionären Komplexes wie Kurzweil. Er spricht vom exponentiellen Wachstum von Geschwindigkeit und Leistung, von informationstechnischen Umwälzungen, die längst alle Bereiche erfassen – die Medizin, die Energiewirtschaft, die Welt der physischen Objekte –, er schwärmt von programmierbaren Roboter-Blutzellen, die Softwareupdates für das Immunsystem aus dem Internet herunterladen, er prognostiziert das Verschmelzen von Hirn und Maschine – und das ewige Leben.

Kurzweil ist jetzt 64. Er würde den Tag, an dem er unsterblich wird, gern noch erleben. Zweihundert Vitamintabletten schluckt er dafür täglich. Die wunderbaren Häppchen, die nach seinem Vortrag aufgetischt wurden, ließ er stehen. Aber wer weiß: Vielleicht war es ja doch sein Avatar.

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Jahrgang 1970, Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

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