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Veröffentlicht: 11.08.2014, 17:20 Uhr

Comedy aus Afrika Mit Hummercremesuppe gegen die Armut

Eine kenianische Comedy-Serie persifliert dekadente Entwicklungshelfer. Das Crowdfunding-Projekt hofft auf Spenden, um die Satire weiter finanzieren zu können.

von ELEONOR BENÍTEZ
© Xeinium Productions Mit Entwicklungshilfe und hedonistischem Lebensstil zur gelungenen Satire. Szene aus „The Samaritans“

Für umgerechnet drei Euro und zweiundachtzig Cent kann man sich im Internet unter www.aidforaid.org die ersten beiden Folgen einer kenianischen Comedy-Serie ansehen, der man weltweiten Erfolg wünscht: „The Samaritans“. Die Samariter, um die es hier geht, sind Entwicklungshelfer, die nur sich selbst helfen. Und denen nicht zu helfen ist. Denn bei denen, die Hilfe nötig hätten und denen sich diese Samariter angeblich verschrieben haben, kommt keine Hilfe an. Wie auch?

Beginnen wir mit dem Chef: Maßanzug, protzige goldene Armbanduhr, gegeltes Haar: Scott Bartley, Amerikaner, wirkt wie die Karikatur eines Vertreters der Wirtschaftselite, die eher im Londoner oder Frankfurter Bankenviertel zu Hause ist. Bartley ist achtundzwanzig Jahre jung, er hat seinen Master in „International Development“ und null Kenntnisse über Afrika - geschweige denn über Kenia. Gleichwohl wird er Direktor der Dependance einer NGO in Nairobi. Die Zentrale der Nichtregierungsorganisation ist in London, fern jeglicher afrikanischen Misere.

Der neue Chef gibt sich zupackend, ins rechte Licht rückt er aber nur seine eigene Person. „Nun, als ihr Direktor bin ich hier, um den Unterschied auszumachen - den Wechsel für Afrika.“ Schöner Spruch, doch steckt nichts dahinter. Damit allerdings passt Bartley bestens zu einer Organisation, deren Aufgabe als running gag der Serie ein einziges großes Fragezeichen ist. Ihren Namen bezieht sie von dem abgegriffenen Wahlspruch vieler Hilfsprojekte in Entwicklungsländern: „Aid for aid“.

Spenden für Afrika

„Hilfe zur Selbsthilfe“ meint in der Satire des Regisseurs Hussein Kurji allerdings: „Hilfe für nichts“. Nichts ist nämlich das, was die zusammengewürfelte Truppe vermeintlicher Samariter den lieben langen Tag tut. Und was für ein Personal sich hier einfindet: Da ist die scharfzüngige Martha, der Bartley als Chef vor die Nase gesetzt wurde. Sie greift im Büro gerne zu diversen Rauschmitteln. Da ist der indische Buchhalter und Lichtschwert-Fan, der sexistische Sprüche von sich gibt, oder da ist die weiße Computerprogrammiererin, die seit ihrer Ehe mit einem weitaus jüngeren Schwarzen mit Rastafari-Dreadlocks und benebeltem Hanfblick umherstolziert.

Im Oktober 2012 hatte die Produktionsfirma Xeinium das Projekt „The Samaritans“, das zuvor auf dem Montreux Comedy Festival vorgestellt worden war, auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter.com zur Finanzierung angemeldet. Anfang dieses Jahres feierten die ersten beiden Folgen Premiere. Das Ziel ist es nun, genug Geld einzutreiben, um mindestens zwei Staffeln zu vollenden. Größere Spenden für das kenianische Fernsehvergnügen werden dankend entgegengenommen: Mit einer Spende von tausend Dollar oder mehr kann man Nebendarsteller werden, wer mindestens dreitausend Dollar gibt, wird als Koproduzent genannt. Mit einer Neuntausend-Dollar-Spende habe man die Welt wahrscheinlich schon ein bisschen gerettet, heißt es auf der Website der Serie.

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Dem Regisseur Hussein Kurji kam die Idee zu seiner Comedy-Serie schon vor Jahren, als er noch in einem Fünfsternehotel in Nairobi arbeitete. Dorthin nämlich zogen sich die gestressten Entwicklungshelfer zurück, um bei Hummercremesuppe zu besprechen, wie man die Armut am besten bekämpfe. Dass es in Afrika heißt, NGO stehe für „Nothing Going On“, mag da nicht sonderlich verwundern. Angesichts von viertausend allein in Kenia registrierten NGOs und der großen internationalen Migration von Hilfskräften war Kurji klar, dass es genügend Stoff für eine Satire gibt. Skurrilerweise erhielt die Produktion auch finanzielle Unterstützung von einer realen NGO.

Ein Kosmos voller Pointen

Davon, dass in Kenia nahezu fünfzig Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze leben, sechzig Prozent der Bevölkerung Nairobis in Slums wohnen oder eine permanente Unterversorgung an lebensnotwendigen Ressourcen besteht, sieht man in der Serie, die das Publikum in Kenia begeisterte, erst einmal nichts. „Warum gibt es hier so viel zu essen?“, fragt Direktor Bartley, als er bei Rotwein und Sushi seine Mitarbeiter zu motivieren versucht, mit Scrabble-Steinchen das perfekte Akronym für das nächste Projekt zurechtzulegen. „Warum nicht?“, fragt die schicke asiatische Mitarbeiterin zurück.

Nicht nur der Regisseur kennt sich mit NGOs aus. Liam Acton, der Darsteller des Ekelpakets Bartley, hat selbst eine Hilfsorganisation in Kenia geleitet. In einem Gespräch mit CNN sagte er frank und frei, er sei ohne Frage nicht qualifiziert gewesen. Das ist die ideale Voraussetzung für seine Rolle, möchte man meinen. Es gebe eine feine Trennlinie zwischen dem, was witzig, und dem, was tragisch sei, sagte Acton. „The Samaritans“ bewegt sich zweifelsohne auf einem schmalen Grat. Die Satire funktioniert aber ganz wunderbar, weil sie überladene Tragik erst gar nicht in Betracht zieht. Die Welt der NGOs ist hier nichts als ein Kosmos voller Pointen.

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