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„Collateral Murder“-Video : Erstaunliche Wendung in Sachen Wikileaks

  • -Aktualisiert am

Szene aus dem Irak-Video, das der amerikanische Soldat Bradley Manning offziellen Angaben zufolge an Wikileaks weitergeleitet hat Bild: AFP

Das Magazin „Forbes“ berichtet, dass es sich bei dem angeblichen Hacker Adrian Lamo, dem sich der amerikanische Soldat Bradley Manning wegen des Irak-Videos „Collateral Murder“ angeblich anvertraute, tatsächlich um einen Sicherheitsspezialisten im Regierungsdienst handelt.

          Nach der Veröffentlichung eines Videos aus dem Irakkrieg im Mai und der afghanischen „Kriegstagebücher“ der amerikanischen Armee in der letzten Woche ist die Internet-Plattform Wikileaks allen politisch interessierten Amerikanern ein Begriff. Die führenden Blätter vergleichen die Rolle der Afghanistan-Papiere mit den Pentagon-Papieren von 1971 zum Vietnamkrieg. Es gibt Kolumnisten, die drastische Maßnahmen gegen die unamerikanischen Umtriebe fordern.

          Den vorläufigen Höhepunkt markiert ein Beitrag, den Marc Thiessen in der „Washington Post“ veröffentlichte. In ihm fordert der ehemalige Redenschreiber von Präsident George W. Bush und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld die Geheimdienste aller Nato-Partner auf, die Protagonisten von Wikileaks zu suchen und zu verhaften. Der Kampf um die Informationen müsse konsequent geführt werden, so Thiessen.

          Gegen diese Drohung hat Wikileaks eine verschlüsselte Datei veröffentlicht, die den Namen „Insurance File“ trägt. Sie ist offenbar eine Art Versicherung für den Fall, dass Aktivisten von Wikileaks verhaftet werden. Dann könnten andere das Passwort veröffentlichen, wodurch die umfangreiche Datei von 1,4 Gigabyte zu sichten wäre.

          Der Soldat und ein angeblicher Hacker

          Ein „Opfer“ der Wikileaks-Aktivitäten sitzt bereits in Untersuchungshaft. Der 23 Jahre alte Soldat Bradley Manning wird verdächtigt, zumindest das Video aus dem Irakkrieg an Wikileaks weitergeleitet zu haben. Manning arbeitete als Sicherheitsspezialist beim amerikanischen Kommando in Bagdad und hatte Zugang zu dem besonders geschützten SIPRnet des Militärs.

          Er soll Dateien während der Arbeitszeit schlicht auf private DVDs kopiert und unbehelligt in die Heimat mitgenommen haben, weil er sie als Musik-Videos von Lady Gaga deklarierte. Dieser Hergang beruht allein auf Aussagen eines Ex-Hackers namens Adrian Lamo, der Manning bei den Polizeibehörden anzeigte, weil er angeblich die Sicherheit und das Leben amerikanischer Soldaten in Gefahr sah. Nach Lamos Darstellung wurde er von Manning kontaktiert, weil dieser jemanden suchte, dem er „beichten“ konnte.

          Die Frage, wie Manning ausgerechnet auf Lamo kam, der in der amerikanischen Hacker-Szene weder besonders bekannt war noch einen guten Ruf hatte, blieb ohne Antwort. Nun wird die Darstellung Lamos durch neue Informationen ad absurdum geführt, die ein Reporter des amerikanische Magazins „Forbes“ veröffentlichte.

          Sechshundert Freiwillige für den Selbstschutz

          Danach ist Lamo ein Sicherheitsspezialist, der für das geheime „Project Vigilant“ arbeitete (https://www.projectvigilant.us/). Dieses Projekt wurde von Mark Rasch mit Spenden aus der Wirtschaft gegründet. Rasch leitete neun Jahre lang die „Internet Crime Unit“ des amerikanischen Justizministeriums und holte für sein Projekt Top-Leute ins Boot, unter anderem Ira Winkler, der bei der NSA (National Security Agency) für FISA-Aktivitäten (Foreign Intelligence Surveillance Act) zuständig war und ausländische Geheimdienste beobachtete.

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