Home
http://www.faz.net/-gsb-wf5e
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Freitag, 10. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Claus Kleber Mann im „Spiegel“

18.03.2008 ·  Jetzt ist Claus Kleber doch noch beim „Spiegel“ gelandet - als Werbefigur für ein Internet-Portal. Doch wiederum erwies sich die Paarung als unglücklich: Denn das Magazin hatte für die Werbung keine Genehmigung eingeholt.

Von Michael Hanfeld
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (1)

„Dieses Angebot vom Spiegel nehme ich gerne an“, heißt es in der Werbung, mit welcher der ZDF-Moderator Claus Kleber diese Woche für das Projekt „Spiegel Wissen“ auftritt. Die Ironie des Slogans ist schlagend, hatte Kleber doch im vergangenen Jahr das Angebot abgewiesen, Chefredakteur des „Spiegels“ zu werden. Die Sache ist also nicht ohne Witz, sie hat aber einen Haken: Das ZDF und Kleber haben den Werbeauftritt nicht genehmigt. Das sei schon „ungewöhnlich“ heißt es auf Anfrage beim Sender. „Zwischen Schmunzeln und Irritation“ bewege sich die Gemütslage an der Spitze des ZDF.

Doch es ist nicht nur „Schmunzeln“, müssen Mitarbeiter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks Werbung doch genehmigen lassen. Und ein Plazet hat Kleber nicht erteilt, nicht der für ihn zuständige Chefredakteur Nikolaus Brender und auch der Sender selbst nicht. Ganz genau spielte sich die Sache nach Darstellung von Kleber und Brender wie folgt ab: Vor geraumer Zeit trat der „Spiegel“ an den Moderator mit dem Ansinnen heran, für „Spiegel Wissen“ zu werben.

Zerknirschte Entschuldigung

Kleber fand den Slogan witzig, gab aber zu bedenken, dass so etwas der Chefredakteur genehmigen müsse. Der überlegte eine Weile und lehnte die Geschichte dann ab. Beim „Spiegel“ aber hatte man vergessen, auf das Plazet zu warten. Und so war man am Sonntag beim ZDF bass erstaunt über die Werbung auf Seite 177 des „Spiegels“ - prominent plaziert, genau dem Impressum gegenüber. Kleber funkte gleich nach Hamburg, die Werbung müsse gestoppt werden, am Montag kam per E-Mail die zerknirschte Entschuldigung.

Man habe die Anzeige in der Tat ohne die Genehmigung von Kleber gedruckt, heißt es auf Anfrage beim „Spiegel“. Der ZDF-Chefredakteur Brender - von dem der Grundsatz überliefert ist „ein Journalist wirbt nicht“ - kommentiert spitz, der „Spiegel“ habe die Werbung „wider besseres Wissen“ gebracht. Doch wissen „Spiegel“-Leser nicht angeblich sowieso immer „mehr“? Ein Honorar gibt es für die Geschichte nicht, dafür eine Spende an die Rory-Peck-Stiftung, ein gemeinnütziges Journalistenhilfswerk. Die Anzeigenkampagne wird sofort gestoppt, nur in der „Zeit“ erscheint Kleber für den „Spiegel“ am Donnerstag noch einmal.

Quelle: F.A.Z., 19.03.2008, Nr. 67 / Seite 40
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Babelsberg, mon amour?

Von Andreas Kilb

Einhundert Jahre wird das Studio Babelsberg alt. Doch Rührung und echte Nostalgie wollen sich nicht einstellen. Babelsberg ist weder eine nationale Ikone noch ein Haus der Träume. Mehr