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„Clarissas Geheimnis“ im Ersten : In der Löwengrube

  • -Aktualisiert am

Der Lebemann Lorenz (Hary Prinz) erläutert Stella (Paula Kalenberg) , was es mit den geschäftlichen Winkelzügen der Löwenthals auf sich hat Bild: ARD Degeto/Zoela Film/P. Domenig

Von Südafrika über Triest in die Steiermark: Bei „Clarissas Geheimnis“ stimmt außer der Reiseroute so gut wie nichts. Wir sehen den Schnulzenfilm der Woche - oder wir lassen es besser.

          Am Ende seines Lebens liest der Patriarch reumütig Tolstois „Krieg und Frieden“ in seiner Matratzengruft, während er um Atem ringt. Albert Löwenthal (Friedrich von Thun), aus echt österreichischem Gutsadel, hat mit Diamantminen in Südafrika und seiner Wein- und Sektkellerei in Österreich ein Vermögen angehäuft, seine Nachkommen aber, charakterlich degeneriert oder von fragwürdiger moralischer Haltung, sind schwach, kriminell oder verzweifelt.

          Einzig Lieblingstochter Clarissa (Katja Riemann), die vor Jahren auf Nimmerwiedersehen verschwand, hatte Format. Warum sie ging, weiß nur der Alte. Die Schuld, so sieht es aus, lässt ihn weder am Leben bleiben noch in Ruhe sterben.

          Vom Familienmelodram „Clarissas Geheimnis“ kann man beim Blick auf die Besetzungsliste einiges erhoffen. Mit Friedrich von Thun, Katja Riemann, Herbert Knaup, Fritz Karl, Krista Stadler und Thomas Sarbacher spielen gestandene Mimen, die selbst schwächeren Drehbüchern zu Glaubwürdigkeit verhelfen. Mit Xaver Schwarzenberger, der Regie und Kamera verantwortet, ist ein renommierter Macher am Werk. Zumindest zu erwarten wäre genau inszeniertes, sorgfältig bebildertes, opulentes Unterhaltungsfernsehen, das von den Schauplätzen Südafrika, der Steiermark und Triest zehrt.

          Postkartenpanoramen zuhauf

          „Clarissas Geheimnis“ aber ist so gründlich misslungen, dass man sich fragt, ob einer der Beteiligten dem Flickwerk, das sich Drehbuch nennt, mehr als einen flüchtigen Blick geschenkt hat. Das Prädikat „Edelkitsch der Woche“ hat sich der Schnulzenfilm, der jedes Vorurteil bestätigt, das man gegen die ARD-Produktionsfirma Degeto haben kann, am Ende redlich verdient, wenn die Bösen verhaftet sind und die verfolgte Unschuld dem üblen Teil der österreichischen Sippe den Rücken Richtung Johannesburg kehrt.

          Hier passt einfach gar nichts zusammen (und die schmalzende Musik tut ein Übriges), also wird es vom Drehbuch zusammengezwungen. Die Eröffnungssequenz mit Löwen spielt in Afrika. Dann stirbt die alternativ lebende Safariführerin Clarissa (Katja Riemann) bei einem Autounfall nach einem Zusammentreffen mit dem Journalisten Carlo (Fritz Karl), der einer ganz großen Schweinerei auf der Spur ist. Dann entdeckt hre Tochter Stella (Paula Kalenberg als unschuldiges Naturkind) ihre unbekannte Verwandtschaft - und dann geht es stehenden Fußes in die Steiermark.

          Ein Postkartenpanorama löst das andere ab; die Tourismusindustrie dankt. Auf dem Gut der Löwenthals, zu dem sich Stella zunächst nur undercover als Au-Pair-Mädchen Zutritt verschaffen kann, macht sich die geschlossene Gesellschaft gegenseitig das Leben schwer. Auftritt: Die machthungrige, skrupellose Schwester des siechen Albert, Dodo (Krista Stadler); die Zwillingsschwester Clarissas, Charlotte (ebenfalls Riemann); der in kriminelle Machenschaften verwickelte Cousin Konstantin (Knaup), und der alkoholabhängige Cousin Lorenz (Hary Prinz), der als trunkener Hofnarr fungiert. Ivana (Nina Proll als Russin), luxussüchtige Gattin Konstantins, der Leibdiener Singh (Irshad Panjatan), für die weisen Kalendersprüche zuständig, Charlottes Mann Jakob (Sarbacher), der sich hauptsächlich in Brüssel der Politik widmet und der fesche Bursche und Traktorfahrer Franz (Aaron Karl) vervollständigen das Personal.

          Obwohl es die Intrigen, Lebenslügen, Dramen und Verbrechen im Dutzend billiger gibt, bleibt der Film im Ungefähren. Die Charaktere sind Pappkameraden, die Erzählökonomie stimmt nicht, die konventionell geschnittenen Szenen erschöpfen sich in Klischees. Und die Löwenthals, nachdem ihre Geheimnisse aufgeklärt und der gröbste Unfug beseitigt ist, entpuppen sich als Schmusekatzen, die sich fast alle doch irgendwie ganz lieb haben.

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