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„Circus Halligalli“ Schlaftabletten im Doppelpack

 ·  In der Trotzphase: Joko & Klaas wechseln mit ihrer Unterhaltungsshow von ZDFneo zu Pro Sieben. Sonst ändert sich nichts: Die ewigen Bubis des deutschen Fernsehens machen überall den gleichen Quatsch.

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© ProSieben Vergrößern Halligalli - jetzt erst recht: Joko und Klaas sind gerüstet für den Zirkus.

Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung, heißt es – und so klang es auch im Werbevideo für die neue Show des Moderatorenduos Joko & Klaas: „Seien wir ehrlich: In der Vergangenheit beruhte unsere Unterhaltungskompetenz hauptsächlich auf diesem Humorkonzept“ – Joko ohrfeigt Klaas – „kindisch!“ Pause. Große Erwartungen. Dann sieht man noch einmal die Ohrfeigenszene, nun in Zeitlupe und mit auflodernden Flammen im Hintergrund.

Die ewigen Bubis des deutschen Fernsehens sind also jetzt in der Trotzphase. „Circus Halligalli“ heißt ihre neue Show Pro Sieben, wie die Vorgängersendung auf ZDFneo läuft sie einmal wöchentlich. Sonst ändert sich nichts: Das Konzept ist nahezu dasselbe wie bei der Show „Neoparadise“ , und auch viele Einzelelemente werden beibehalten: die Herausforderung zu dämlichen Mutproben zwischen Joko und Klaas, die kuriose Gräfin Violetta im Hintergrund, der Liedermacher Olli Schulz als derb-bräsiger Sidekick der Moderatoren.

Das Konzept wurde in Teasern für die Sendung vielfach ironisiert: Dass „Circus Halligalli“ natürlich ein selten dämlicher Titel für eine Sendung sei. Dass die Redaktion aus Affen bestehe. Dass auch das Pups-Spray nicht  verschwinde, sondern man nun gleich „500 Tonnen“ davon geordert habe. Alles also unter dem trotzig-ironischen Vorbehalt: „Jetzt erst recht!“, dazu eine große Plakatkampagne, ja sogar noch eine am Montagabend schon während der davor laufenden Serie „The Big Bang Theory“ eingeblendete, rückwärts laufende Uhr, die den Countdown bis zum unglaublichen „Circus Halligalli“ anzeigt: Großer Trommelwirbel.

Und dann das: eine gute Stunde Fernsehen, die an Langeweile und mauen Witzen kaum zu überbieten ist. Nicht mal einen ordentlichen Stand-Up-Beginn bringen Joko und Klaas zustande – statt dessen läuft gleich ein zwanzigminütiges Video der beiden vom Kölner Karneval mit der Herausforderung, zu allem Ja zu sagen. Also etwa dazu, sich mit Ketchup bekleckern zu lassen.

Trauriger Höhepunkt mit Helge Schneider

Der eigentliche Showteil der Sendung im vertäfelten Studio mit Western-Atmosphäre schrumpft zwischen einem zweiten, sehr langen Video von einem betrunkenen, auf einer Film-Branchenveranstaltung rebellierenden Olli Schulz sowie Musikeinlagen der Rapper Cro und Sido zu einem Minimum. Und hat als traurigen Höhepunkt einen Auftritt von Helge Schneider, der als „Don Helge“ hinter einer Sonnenbrille und mit verschrobenen Gesten seine bekannte Verweigerungshaltung an den Tag legt – nur leider hier wie ein sehr lasches Abbild seiner selbst aus seiner besten Zeit wirkt. Es war wohl der Versuch, einem nun zwanzig Jahre jüngeren Publikum noch einmal sehr plakativ zu zeigen, was die Kunstfigur „Helge Schneider“ sein soll. Aber selbst die kommt an ihre Grenzen, wenn ihr Fragen wie „Herr Schneider, wie geht’s, wie steht’s, wie hängt der Sack?“ gestellt werden. Joko und Klaas können darüber sogar erstaunlich gut lachen, aber alle drei sehen dabei nicht sehr überzeugend aus.

Schneiders eigene, jüngst nach zwei Folgen grandios gescheiterte Sendung „Helge hat Zeit“ war im Vergleich zum Auftakt von „Circus Halligalli“ noch unterhaltsam. Der Marktanteil von Joko und Klaas war zwar überraschend hoch – ob die durch die Werbekampagne geschürten Erwartungen aber bis zur nächsten Woche reichen, scheint nach dieser Schlaftablette von Abendshow überaus fraglich. Aber Joko und Klaas ist das vermutlich ohnehin egal. Sie machen seit ihrem Beginn bei MTVHome vor einigen Jahren auf allen Kanälen den gleichen Quatsch. Bei Pro Sieben ist es ihre nunmehr fünfte Show. Da kommt es auf eine mehr oder weniger und wie sie läuft, ja auch kaum an.

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