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Gespräch mit Christoph Keese : Zu klären ist, ob Google zahlen muss

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Für Google läuft die Sache rund: Mit seiner Suchmaschine lenkt der Konzern erst die Daten und dann die Wertschöpfungsströme nach Kalifornien. Bild: Marko Priske/laif

Springer-Mann Christoph Keese hat sich das Silicon Valley genau angeschaut. Er weiß, wie Amerikas Online-Konzerne ticken. Hierzulande kämpft er für das „Leistungsschutzrecht“, mit dem Verlage gegen Google antreten. Wie groß sind ihre Chancen?

          Alle Welt schaut auf das Silicon Valley. Im Sekundentakt bringen amerikanische Entwickler dort Digital-Tüfteleien auf, die unser Leben erleichtern sollen. Sie waren ein halbes Jahr lang da, haben ein Buch dazu geschrieben. Doch kaum zurück in Deutschland, kämpfen Sie für das Leistungsschutzrecht, mit dem sich Verlage vor allem gegen Google wappnen wollen. Warum?

          Gerade weil ich mir einbilde, das Silicon Valley verstanden zu haben. In der Netzökonomie sind diejenigen Unternehmen am stärksten, die eine Plattform betreiben. Auf Plattformen werden Angebot und Nachfrage von Algorithmen zusammengebracht. Diese Vermittlungsaktion ist beinahe beliebig skalierbar und geschieht zu minimalen Grenzkosten. Zugleich wachsen der stärksten Plattform überproportional viele Nutzer zu – „the winner takes it all“ –, bedingt durch den Netzwerkeffekt: Der Nutzen ist für Anbieter und Nachfrager immer dort am größten, wo sich schon das meiste Publikum tummelt. Die Gewinnmargen der Sieger-Plattformen steigen ins Sagenhafte.

          Auch die Gewinne von Google.

          Google ist eine typische Silicon-Valley-Plattform. Mit der Besonderheit, dass Nutzer der Suchmaschine nichts bezahlen, und Verlage, die Texte und Bilder zur Verfügung stellen, nicht bezahlt werden. Google sagt: „Wir zahlen mit Traffic, also den Lesern, die wir den Verlagen schicken.“ Gerade wer das Silicon Valley kennt, muss sich aber kritisch fragen: Wo entsteht eigentlich der höhere Wert? Wirklich bei den Verlagen? Oder in Wahrheit bei Google, ausgelöst durch die Abermillionen Besuche, die sich in der Aussicht auf professionelle Suchergebnisse dorthin begeben? Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: In Deutschland macht Google ein Vielfaches des Werbeumsatzes aller Verlagswebsites zusammen. Das Leistungsschutzrecht tut nichts anderes, als den Verlagen das Recht zuzusprechen, Geld für die Nutzung ihrer Leistungen zu verlangen.

          Der Bundestag hat das Leistungsschutzrecht im März beschlossen. Das Gesetz ermöglicht Verlagen, für die Anzeige ihrer Texte bei Suchmaschinen Lizenzgebühren zu verlangen. Jetzt scheint das Gesetz zu scheitern. Dem Marktbeherrscher Google gegenüber verzichten die Verlage nämlich auf ihre Ansprüche.

          Christoph Keese, Executive Vice President von Springer
          Christoph Keese, Executive Vice President von Springer : Bild: Picture-Alliance

          Die Verlage verzichten keineswegs auf ihre Ansprüche. Im Gegenteil: Sie führen um diese Ansprüche einen Zivilprozess. Die Verlage, die ihr Leistungsschutzrecht wahrnehmen, sind in der Verwertungsgesellschaft Media, der VG Media, organisiert. Die VG Media hat Google Verhandlungen angeboten, doch Google ist zu diesen Gesprächen nicht einmal erschienen, sondern hat kategorisch erklärt, für die Leistungen der Verlage nicht zahlen zu wollen. Daraufhin hat die VG Media Klage auf dem vorgeschriebenen Rechtsweg erhoben. Dieses Verfahren läuft nun, und in diesem Verfahren wird sich erst noch zeigen müssen, wie weit das Leistungsschutzrecht reicht. Auf Ansprüche zu verzichten sähe ganz anders aus. Wer verzichtet, klagt ja gar nicht erst.

          Die VG Media vergibt an Google Gratislizenzen. Wie erklärt sich das denn?

          Durch die Marktmacht von Google. Das Unternehmen beherrscht den Markt für Suche in Deutschland mit über neunzig Prozent. Google hat allen Verlagen, die ihr Recht nutzen, in der sehr robusten Manier von Marktbeherrschern mitgeteilt: Entweder ihr erteilt uns eine Gratislizenz. Oder wir listen alle eure Fotos aus und zeigen von den Textanrissen nur noch die Überschrift an. Wir als Verlage sehen in diesem Verhalten eine unzulässige Diskriminierung. Diejenigen, die ein Recht wahrnehmen, das ihnen der Deutsche Bundestag eingeräumt hat, werden mit einer empfindlichen Strafe belegt, während diejenigen, die es nicht nutzen, einen Vorteil daraus ziehen. Hier hebt ein Netzwerkmonopol sein mächtiges Haupt, und wer glaubt, das beträfe nur die Verlage, der wird sich in einigen Jahren noch die Augen reiben.

          Welche Branchen trifft es?

          Jede Branche, und sei sie noch so irdisch und erdig, wird digitalisiert werden, und in jeder Branche werden über kurz oder lang die Plattformen das Sagen haben.

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