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Christiansen-Nachfolge Dusseligkeit, Logorrhoe, Wichtigtuerei - und Kalkül

14.01.2007 ·  Haben die ARD-Oberen Günther Jauch verhindert, damit Frank Plasberg ins Erste kommt? Während Jauch wohl eine andere Art des Polit-Talks - näher an den Menschen - geboten hätte, steht Plasberg für die klassische politische Talkshow: konfrontativ und entlarvend.

Von Stefan Niggemeier
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Es war ja nicht nur Dusseligkeit, Logorrhoe und Wichtigtuerei von ARD-Vorsitzenden, ARD-Intendanten, designierten ARD-Intendanten, ARD-Hinterbänklern und sich in ARD-Gremien langweilenden Parteivertretern, die verhindert haben, dass Günther Jauch die Nachfolge von Sabine Christiansen antritt. Es war auch Kalkül. Um das zu erkennen, muss man nicht einmal in die genauen Frontverläufe zwischen den verschiedenen ARD-Hierarchien eingeweiht sein.

Es reicht zu bemerken, dass SWR-Intendant Peter Voss nur drei Stunden, nachdem Jauch abgesagt hatte, schon einem Journalisten den Reim „Ohne Jauch geht's auch“ diktiert und Frank Plasberg als ideale Lösung genannt hatte. Offenkundig gab es ein Interesse daran, Günther Jauch zu verhindern, um Frank Plasberg zu ermöglichen.

Öffentliche Selbstdemontage

Das ist vielleicht die größte Absurdität: dass es am Ende auf diese Alternative hinauslief. Als ob das Engagement Jauchs den Aufstieg Plasbergs ins Erste hätte verhindern müssen. Als ob der Sender keinen Platz für eine weitere profilierte politische Gesprächssendung hätte (okay, vielleicht hätte sein Profil als erste Adresse für Kitschfilme und Volksmusik gelitten).

Natürlich hätte, wenn Plasberg nun einen Platz im Ersten bekäme, die öffentliche Selbstdemontage der ARD wenigstens einen positiven Effekt. Aber weil hinter der Verhinderung Jauchs auch das Kalkül steckte, Plasberg zu befördern, ist Plasberg nun für die Jauch-Förderer schwer zu akzeptieren. Die Frage, wer diese zweifelhafte Institution beerben soll, die „Christiansen“ im deutschen Fernsehen und in der deutschen Politik war, wird also fast ausschließlich in senderpolitischen Kategorien diskutiert werden. So anachronistisch und handlungsunfähig ist die ARD.

Jenseits von parteipolitischem Geklüngel

Was für eine politische Gesprächssendung wollen wir überhaupt am Sonntagabend? Man macht es sich zu leicht, wenn man die Wahl zwischen Plasberg und Jauch auf die schlichte Formel Journalist gegen Unterhalter reduziert. Es wäre interessant gewesen, Jauchs Konzept einer anderen Sonntagabend-Talkshow zu sehen. „Politik heißt für mich nicht in erster Linie Parteipolitik“, hat er gesagt, wollte Themen wie Schule, Armut, Steuern „jenseits von ausschließlich parteipolitischem Geklingel und Geklüngel diskutieren“.

Man muss nur die kurzen Gesprächsexkurse Jauchs mit seinen Kandidaten in „Wer wird Millionär“ kennen, um zu wissen, wie sehr er - trotz aller Millionen - in der Welt der Zuschauer lebt (anders als Sabine Christiansen, die genauso gut Woche für Woche von einem anderen Stern eingeflogen sein konnte). Exemplarisch war auch die „Stern TV“-Sendung mit Gabriele Pauli, in der er Stoibers Part übernahm - ein erhellendes Rollenspiel, während Christiansen daraus die übliche erkenntnislose Alibirunde machte.

Eine politische Sendung mit Jauch, befreit von all den Sendezeitfüllern in „Stern TV“, hätte eine Bereicherung fürs deutsche Fernsehen und die ARD sein können - insbesondere in Zeiten, da sich das Publikum angesichts der Abgründe der großen Koalition von der Parteipolitik abwendet.

Immer streng nach Proporz

Plasberg steht im Vergleich dazu viel mehr für eine Talkshow, die der klassischen, mit Parteipolitikern besetzten Variante entspricht. Im Unterschied zu Christiansen schafft Plasberg es, mit diesen Politikern umzugehen, ihre Floskeln zu entlarven, sie mit dem Leben zu konfrontieren und regelmäßig dafür zu sorgen, dass der Zuschauer nach der Sendung klüger ist als vorher. Aber wenn man am vergangenen Mittwoch wieder „Hart aber fair“ gesehen hat, wächst der Wunsch, dass es daneben auch eine andere Art politischer Gesprächssendung geben könnte, eine, die zum Beispiel ohne Markus Söder (CSU) und Hans-Ulrich Jörges („Stern“) auskommt.

Ganz abgesehen davon ist die Frage noch offen, ob Plasberg es sich auch im Ersten leisten könnte, solche Sendungen nicht immer streng nach Proporz zu besetzen, ohne dass 277 ARD-Chefredakteure, ARD-Gremienvertreter, ARD-Hinterbänkler öffentlich aufjaulen.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 14.01.2007, Nr. 2 / Seite 25
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