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Chris Hughes, Verleger Sein Baby heißt „New Republic“

Als Mitbegründer von Facebook wurde Chris Hughes reich. Jetzt steckt er sein Geld in die Zeitschrift „New Republic“: Als deren Verleger strebt er offen nach Einfluss und macht gerne Politik.

© ANGEL FRANCO/The New York Times/ Vergrößern Ab ins Traditionsmedium: Chris Hughes ist Verleger geworden

Als Chris Hughes, den Mitbegründer von Facebook, die Anfrage des Chefredakteurs der „New Republic“ erreichte, ob er nicht vielleicht die Zeitschrift kaufen wolle, ließ er sich nicht nur die Bilanzen vorlegen. Erst recht genügte es ihm nicht, die Zahlen der Internetnutzer abzurufen, die nach eigener unverbindlicher Angabe das vor fast hundert Jahren gegründete Blatt „mögen“.

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Hughes zog sich zum Lesen zurück - nicht aufs Sofa in seinem 370-Quadratmeter-Loft im New Yorker Kreativarbeiterviertel Soho oder in seinem schlossartigen Anwesen im Hudson Valley, sondern in die Bibliothek. Hughes, dessen Vermögen nach dem Börsengang von Facebook auf 850 Millionen Dollar geschätzt wird, glaubt an öffentliche Güter, die der Markt nicht bereithält, und besitzt wie zwei Millionen Mitbürger einen Benutzerausweis der New York Public Library.

Im Lesesaal händigte man ihm nicht die gebundenen Bände älterer Jahrgänge der „New Republic“ aus, sondern Ablichtungen auf Mikrofilm. Hughes begegnete auf den oft unscharf reproduzierten Seiten einem progressiven Geist, der den Regierungsbetrieb durch Mitdenken provozierte: Die „New Republic“ lieferte Ideen für den „New Deal“, bot dreißig Jahre später aber auch der Kritik an den betäubenden Effekten des Wohlfahrtsstaats eine Plattform, die der demokratische Senator Daniel Patrick Moynihan vortrug.

Online-Mobilisierung für Obama

In der Anfangszeit von Facebook war Hughes der Kommunikator des Unternehmens - so etwas wie der bestbezahlte Pressesprecher aller Zeiten. 2007 schied er aus, um die Online-Mobilisierung für den Präsidentschaftskandidaten Barack Obama zu organisieren. Hughes erfand die Website MyBarackObama.com - ein soziales Wahlkampfmedium, das Sympathisanten in Aktivisten verwandelte, indem es sie zur selbständigen Gruppenbildung animierte. Keinen Erfolg hatte Hughes mit der Internetplattform Jumo, deren Geschäft das Ranking von Wohltätigkeitsorganisationen nach dem Muster von Notensammelseiten wie Yelp sein sollte.

Sein eigenes Geld sah Hughes, der mit großen Spenden den Kampf für die Homosexuellenehe fördert, bei der „New Republic“ richtig angelegt. Im März kaufte er einem Konsortium von Hedgefondsmanagern und Immobilienspekulanten die Zeitschrift ab, im Mai entließ er den Chefredakteur, der ihn angeworben hatte. Der neue Eigentümer firmiert im Impressum über dem neuen „Editor“ Franklin Foer, dem Bruder des Schriftstellers Jonathan Safran Foer, als Verleger und „Editor-in-chief“.

Dieses Rudolf-Augstein-Modell der Verbindung von verlegerischer und redaktioneller Macht hat bei der „New Republic“ Tradition. Der Harvard-Professor Martin Peretz, der die Zeitschrift 1974 mit dem Geld seiner Frau, einer Erbin des Singer-Nähmaschinen-Vermögens, gekauft hatte, nutzte sie jahrzehntelang, um Werbung für seinen Schüler Al Gore zu machen und Nibelungentreue gegenüber Israel zu predigen.

Sich mit Geld Gehör verschaffen

Ob Hughes seinen Einstieg beim Traditionsmedium eher als geschäftliches oder als mäzenatisches Engagement verstehen möchte, muss er nicht entscheiden, da er politisch wirken will. Nach der Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe im Bundesstaat New York hat er den Schwerpunkt seiner Spendenaktivität auf das Thema Wahlkampfreform verlagert.

Die Zurückdrängung des Einflusses der Reichen ist ein klassisches progressives Desiderat, das durch jüngere Entscheidungen des Obersten Gerichtshofs über das Geldausgeben als Meinungsäußerung noch dringlicher ist. Indem Hughes diesem Anliegen mit seinem Geld Gehör verschafft, befindet er sich in einem Dilemma, das er auflösen möchte, indem er nicht verdeckt, sondern offen nach Einfluss strebt.

In der Gesellschaft von Manhattan will er eine sichtbare Rolle spielen. Ein Mittel sind Homestorys. Als Chris Hughes am 30. Juni seinen langjährigen Freund Sean Eldridge heiratete, der sich und seinem Bräutigam diesen Tag als Cheflobbyist der Eherechtsreformer erkämpft hatte, feierte die Presse ein „power couple“ neuen Stils.

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