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Vorwürfe gegen CBS-Chef : Dass „nein“ eben „nein“ bedeutet

  • -Aktualisiert am

Der Vorstand seiner Sendergruppe berät, ob er suspendiert wird: Leslie Moonves, Chef von CBS. Bild: dpa

Leslie Moonves ist in der amerikanischen Medienbranche einer der Großen. Nun wird dem Chef der Fernsehgruppe CBS sexuelle Belästigung vorgehalten. Recherchiert hat die Geschichte Ronan Farrow.

          Mit Leslie Moonves steht abermals eine führende Figur der amerikanischen Medienbranche unter dem Verdacht sexueller Belästigung. Moonves ist der Chef des Senderkonzerns CBS. Er soll mindestens sechs Frauen bedrängt haben. Die Vorfälle reichen bis in die achtziger Jahre zurück. Nachzulesen sind die Beschuldigungen in dem Magazin „The New Yorker“. Der Vorstand von CBS wollte am gestrigen Montag entscheiden, ob Moonves für die Zeit der Überprüfung der Vorwürfe suspendiert wird.

          Moonves ist seit dreiundzwanzig Jahren in leitenden Funktionen für den Fernsehkonzern CBS tätig, seit 2016 steht er an dessen Spitze. Mit einem Jahresgehalt von siebzig Millionen Dollar zählt Moonves zu den höchstbezahlten Managern weltweit.

          Die gegen ihn vorgebrachten Vorwürfe hat der Journalist Ronan Farrow, der zuvor den Weinstein-Skandal mit ins Rollen gebracht hatte, zusammengetragen. Die Schauspielerin Illeana Douglas schildert in Farrows Artikel, wie Moonves sie 1997 (er war damals Unterhaltungsschef von CBS) bei einem geschäftlichen Gespräch auf die Couch in seinem Büro gedrückt, sie gewaltsam geküsst und ihr den Rock hochgeschoben habe. Sie habe sich befreien und das Büro verlassen können. In der Woche darauf sei Moonves bei den Proben zu ihrer CBS-Comedyserie „Queens“ aufgetaucht. Douglas sei wie gelähmt gewesen, erinnert sich ihre damalige Kollegin Penelope Ann Miller. Moonves habe sie unter Druck gesetzt: Sie sei nicht komisch, gebe sich keine Mühe. Am Telefon, so Douglas, habe er ihr gedroht, sie werde keinen Pfennig ihrer Gage sehen und nie wieder einen Job bei CBS bekommen. Als der von ihr daraufhin eingeschaltete Anwalt der CBS-Betriebsleitung von dem Treffen zwischen Moonves und Douglas berichtete, habe sie das Angebot für eine außergerichtliche Einigung und die Zusage für eine neue Miniserie erhalten. Dass er sie zu küssen versucht habe räumt Leslie Moonves in einer von CBS verbreiteten Stellungnahme ein. Den Vorhalt „sexuelle Übergriffe, Einschüchterung oder von Racheaktionen“ weise er zurück.

          Ronan Farrow ist einer der drei Journalisten die für ihre Berichte über den Missbrauchsskandal um Harvey Weinstein ausgezeichnet wurden.

          Die Autorin Janet Jones berichtete Farrow von einer ähnlichen Begebenheit und einer verschlossenen Bürotür, die Moonves erst mit einem Knopf an seinem Schreibtisch geöffnet habe. Auch ihr habe er gedroht, ihre Karriere zu zerstören. Von Ähnlichem wissen in dem Artikel im „New Yorker“ die Produzentinnen Christine Peters, Dinah Kirgo sowie eine ungenannt bleiben wollende Schauspielerin zu berichten, die angibt, sie habe, nachdem sie Moonves Avancen abgewehrt habe, ihre Rolle als Polizistin in einer CBS-Serie verloren.

          Eine bittere Pointe stellt in diesem Zusammenhang dar, dass Leslie Moonves infolge der #MeToo-Protestbewegung im vergangenen Jahr die „Kommission über sexuelle Belästigung und die Förderung von Gleichstellung am Arbeitsplatz“ mitgründete, „um die weitreichende Kultur des Missbrauchs und der Machtungleichheit in Angriff zu nehmen“.

          In einem Statement bekannte Leslie Moonves, es habe „vor Jahrzehnten Zeiten gegeben, zu denen ich einige Frauen mit Avancen in Bedrängnis gebracht haben mag. Das waren Fehler, und ich bereue sie sehr. Aber ich habe immer verstanden und respektiert – und mich an das Prinzip gehalten – dass ,nein‘ eben ,nein‘ bedeutet, und ich habe meine Position nie dazu missbraucht, die Karriere anderer zu beschädigen oder zu behindern.“

          Verschiedene Gesprächspartner Farrows bestätigten indes die Anschuldigungen. Der Rechercheur sprach mit dreißig aktiven und ehemaligen Mitarbeitern von CBS. Sie berichten von einer Atmosphäre der Diskriminierung, von sexueller Vorteilsnahme und Vergeltung in dem Konzern, in dessen Programm Erfolgsserien wie „Navy CIS“ und „CSI“, Realityshows wie „Survivor“ und der Comedyhit „The Big Bang Theory“ laufen. Viele Beschuldigte seien befördert worden, einige Betroffene jedoch meldeten sich zu Wort. Im vergangenen November kostete dies den CBS-Talkmaster Charlie Rose seinen Job. Zurzeit steht der „60 Minutes“-Produzent Jeff Fager in der Kritik. Ihm wird vorgeworfen, in angetrunkenem Zustand bei Konzernpartys übergriffig geworden zu sein.

          Ronan Farrow prangerte in einem Gespräch mit dem „Hollywood Reporter“ eine „Kultur der Straflosigkeit“ bei CBS an. Gemeinsam mit Kollegen war er kürzlich für seine Recherchen zum Skandal um den Filmproduzenten Harvey Weinstein mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet worden. Farrow hatte mit sechzehn Jahren ein Jura-Studium in Yale aufgenommen, er arbeitete zu Zeiten der Obama-Regierung für Hillary Clinton im amerikanischen Außenministerium. Als Enthüllungsjournalist profilierte er sich bei dem Fernsehsender NBC und beim „New Yorker“. Ronan Farrow ist der Sohn von Mia Farrow und Woody Allen. Den Kontakt zu dem Regisseur hat Ronan Farrow abgebrochen; ebenso wie Mia Farrow bezichtigte er Allen, Ronans Schwester Dylan als Kind sexuell belästigt zu haben. Allens Beziehung zu seiner Adoptivtochter Soon-Yi Previn nannte Ronan Farrow eine „ungeheuerliche moralische Grenzüberschreitung“.

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