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Charlie Sheens neue Serie So inszeniert man ein Comeback

 ·  Im vergangenen Jahr wurde Charlie Sheen wegen seiner Exzesse bei „Two and a Half Men“ gefeuert. Mit „Anger Management“ kehrt Amerikas bestbezahlter Schauspieler ins Fernsehen zurück.

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© dapd Vom Baseball-Star zum Therapeuten: Als Charlie Goodson versucht der Schauspieler Charlie Sheen seinen Patienten beim „Anger Management“, also bei der Zornbewältigung, zu helfen. Beim Helfen hilft ihm seine Supervisorin Kate (Selma Blair).

In den vergangenen Wochen fand sich in verschiedenen amerikanischen Magazinen eine Werbeanzeige, in der ein grinsender Charlie Sheen durch eine Ödnis wandert, im Hintergrund das qualmende Wrack eines Zuges. „Trainwreck“ war das oft gehörte Wort, mit dem die amerikanische Presse Charlie Sheens Ego-Explosion im vergangenen Jahr beschrieb, jene schier endlose Serie von öffentlichen Verunglimpfungen und Selbstbeweihräucherungen, mit der sich der bis dato bestbezahlte amerikanische Fernsehschauspieler aus der CBS-Erfolgsserie „Two and A Half Men“ hinauskatapultierte.

Dass er diesem Wrack unversehrt entkommen sei, soll nun „Anger Management“ beweisen, mit dem der kleine Kabelsender FX („Rescue Me“, „American Horror Story“ „Louie“) Sheen ein neues Forum bietet. Sheen spielt einen Mittvierziger, der einst seine Baseball-Karriere mit einer bizarren Selbstsabotage beendete: In einem Wutanfall zerbrach er eine Keule über dem Knie. Jetzt ist er Therapeut für „Anger Management“, also für Zornbewältigung, und versucht nicht nur seinen Klienten zu einem entspannteren Leben zu verhelfen, sondern auch die Konsequenzen eigener Ausraster auszubügeln. Dass das vertraut klingt, ist durchaus kalkuliert.

Ein geläuterter Charlie Harper

Charlie Sheen, der hier auf erstaunliche Weise ganz der Alte ist, tourt schon seit über zehn Jahren als Parodie seiner selbst durchs Fernsehen. In „Spin City“, wo er 2000 Michael J. Fox ersetzte, hieß seine Figur Charlie Crawford, in „Two and A Half Men“ war er Charlie Harper, jetzt, in „Anger Management“, steht er als Charlie Goodson vor der Kamera. In den Werbespots zur neuen Serie sagt der jetzt sechsundvierzig Jahre alte Sheen grinsend: „Komm schon, jeder verdient eine vierundzwanzigste Chance!“ Bewusst verstärkt er so den Imagewandel vom einst talentierten Schauspieler zum hedonistischen Hanswurst. Kürzlich trat er in einer Fiat-Werbung auf, hatte eine dralle Dame im Arm und sagte: „Ich liebe Hausarrest. Was bekomme ich für gutes Benehmen?“

Für „Anger Management“ stand also das Schlimmste zu befürchten, weshalb man nun auf angenehme Weise enttäuscht ist. Charlie Goodson ist so etwas wie die geläuterte Variante von Charlie Harper, ein liebenswerter Kerl, der sich ehrlich darum bemüht, die Dinge wiedergutzumachen. Er lässt mehr oder weniger geduldig die genüsslichen Gemeinheiten seiner Ex-Geliebten Jennifer (Shawnee Smith) über sich ergehen und coacht nachsichtig seine Patienten: Lacey etwa (Noureen de Wulf als Trash-Zicke, die ihrem untreuen Lover in den Unterleib schoss), Patrick (Michael Arden als Schwuler in Beziehungsnöten) und Ed (Barry Corbin als cholerischer Rentner). Er selbst sucht Rat bei der Therapeutin Kate (Selma Blair), die überdies seine Bettgespielin ist.

Vox wird „Anger Management“ ausstrahlen

Die Dialoge sind konventioneller als in „Two and A Half Men“ - die gutgelaunte Harmlosigkeit dieser Serie ist ganz offensichtlich dem Geschäftsziel entsprungen, den Hauptdarsteller zu rehabilitieren. Mitproduziert wurde die Serie von Estevez Sheen Productions, einer Firma, die von Sheen selbst, seinem älteren Bruder Ramon und seinem Vater Martin geführt wird. In der zweiten Folge taucht eine Frau auf, die Charlie einst als hässlichstes Mädchen der Stadt bezeichnet und gleichwohl ins Bett gezogen hatte, angeblich, um so die Pechsträhne seines Baseball-Teams zu brechen. Jetzt trifft er sie wieder und versucht ihr weiszumachen, er sei tatsächlich scharf auf sie gewesen, um schließlich doch mit der Wahrheit herauszurücken. Als Wiedergutmachung verspricht er, händchenhaltend mit ihr durch die Stadt zu schlendern, um die alte Schmach zu tilgen. Bei einem derart abgefeimten Umgang mit den Nebenfiguren können auch die Lacher vom Band kaum Heiterkeit erzeugen. Doch das mangelnde Ingenium der neuen Serie ist zweitrangig. Viel wichtiger ist die Botschaft, dass Sheen wieder im Fernsehen gelandet ist - für Hollywood ein Signal, dass sein Charme überlebt hat und er seinen Job noch immer mühelos beherrscht.

Charlie darf jetzt schickere Hemden tragen und „an einem glücklicheren Leben arbeiten“, wie er es für seine Patienten zusammenfasst. Damit sein Comeback indes nicht zur sterilen Läuterungsstory wird, bekannte Sheen vor ein paar Tagen, dass er zwar inzwischen die Finger von Drogen lasse, dem Alkohol aber weiterhin zugetan sei. Therapie, sagte er zu der ABC-Journalistin Elizabeth Vargas, sei einfach nichts für ihn. Geschickter jedenfalls kann man ein Comeback kaum inszenieren. Jeweils gut fünfeinhalb Millionen Zuschauer verfolgten die ersten Episoden. Und sogleich wurde die Serie auch nach Deutschland verkauft: Der Privatsender Vox, der zur RTL Group gehört, wird „Anger Management“ hierzulande ausstrahlen. Ein Starttermin steht allerdings noch nicht fest.

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