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Veröffentlicht: 07.01.2015, 23:07 Uhr

Anschlag auf „Charlie Hebdo“ Diese Karikaturen werden gebraucht!

Der dänische Zeichner Kurt Westergaard wird selbst von Islamisten verfolgt, er lebt seit Jahren unter Polizeischutz. Angesichts des Terroranschlags auf „Charlie Hebdo“ appelliert er, man dürfe nicht den Mut verlieren, für die Meinungsfreiheit zu kämpfen.

von Matthias Hannemann
© dpa Kurt Westergaard

Der dänische Karikaturist Kurt Westergaard, der seit dem Abdruck der sogenannten „Mohammed-Karikaturen“ selbst von Islamisten mit dem Tod bedroht wird, hat sich zu dem Anschlag auf die Redaktion der französischen Satire-Zeitschrift „Charlie Hebdo“ geäußert.

„Ein phantastisches und anarchistisches Blatt“

Die Internetausgabe der Zeitung „Jyllands-Posten“ zitiert ihn mit den Worten, „Charlie Hebdo“ sei „ein phantastisches und anarchistisches Blatt, das auf alle Mächtigen losgeht, wenn es einen Grund dafür zu geben scheint. Sie schonen niemanden, und sind sehr scharf und im Ausdruck teils grotesk.“  Auch wenn sie manchmal an die Grenzen gingen, würden Zeichnungen wie die von „Charlie Hebdo“ publizierten gebraucht. Sie seien ein Ausdruck der Meinungsfreiheit. Gleichwohl könne er verstehen, dass sich muslimische oder auch christliche Gruppen an den Arbeiten der Zeitschrift stoßen. Wenn man als Karikaturist arbeite, wisse man, auf welchem sensiblem Bereich man sich bei der Verwendung religiöser Symbole bewege.

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Dem norwegischen Rundfunk sagte Westergaard „Das Schlimmste - abgesehen von der Tragödie, dass unschuldige Menschen ermordet wurden - ist die Angst vor der Meinungsfreiheit. Dass die Medien Angst bekommen, sich zu äußern, über bestimmte Begebenheiten zu schreiben oder zu zeichnen. Ich hoffe, dass sich diejenigen, die wir moderate Muslime nennen, nun auf der Straße in einer großen Demonstration zeigen und ihre Loyalität gegenüber den modernen, demokratischen Ländern mit ihrer Meinungsfreiheit zum Ausdruck bringen.“

32478667 © twitter.com/@davpope Vergrößern Eine Zeichnung von Cartoonist David Pope

Die Zeitung „Jyllands-Posten“, die  im September 2005 die „Mohammed-Karikaturen“ veröffentlicht hatte, spricht in einem Kommentar von einem Angriff auf die Meinungsfreiheit und Demokratie: „,Charlie Hebdo‘ war eines der Magazine, die sich auf dem Höhepunkt der Karikaturenkrise am stärksten mit ,Jyllands-Posten` solidarisierten. Das haben wir nicht vergessen.“ Auf das freie Wort zu setzen, während man bedroht werde, nehme sich zuweilen wie in einem schlimmen Traum aus.

© dpa, reuters Weltweite Anteilnahme für „Charlie Hebdo“
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