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Caroline Peters : Sie ist der Chef

„Wir glauben an die Genauigkeit unserer Zuschauer und dass sie das spüren“, sagt Caroline Peters. Wäre es anders, wäre die ARD-Serie mit ihr, „Mord mit Aussicht“ nicht so erfolgreich Bild: Georg Soulek

Sie sucht die Wahrheit im Trivialen und hat keine Angst vor Hysterie und Chaos. Caroline Peters wurde mit dem Eifel-Krimi „Mord mit Aussicht“ bekannt, an diesem Mittwochabend spielt sie ein Opfer - von Datendiebstahl.

          Es ist an der Zeit festzustellen, dass sich die ARD-Provinzkrimiserie „Mord mit Aussicht“ zu einer der erfolgreichsten Unterhaltungsproduktionen der letzten Jahre entwickelt hat. Es begann 2008 mit einem Serienwettbewerb der ARD und kleinen Einschaltquoten aller ins Rennen gegangenen Anwärter. Wenigstens zu einer der Miniserien aber gab es dutzendweise Leserbriefe und gute Fernsehkritiken. So bekam „Mord mit Aussicht“ den Zuschlag, bald schon erklomm die Serie über eine Polizeistube in der Eifel die ersten Millionenhöhen, am Ende der zweiten Staffel waren es regelmäßig über sechs, ein kleines virales Wunder. Inzwischen gibt es Wiederholungsausstrahlungen auf allen Kanälen, die dritte Staffel wird von Sommer an für 2014 gedreht.

          Uwe Ebbinghaus

          Redakteur im Feuilleton.

          Zusammengehalten wird dieser Erfolg von Caroline Peters, genauer gesagt: von ihrer Mimik, einem ungläubigen Weiten der Augen bei gleichzeitigem Anheben der Brauen und leidensfähiger Mundwinkel. Sie spielt die Polizistin Sophie Haas aus Köln, die wegen ungestümer Ermittlungsmethoden in die Eifel weggelobt wird - nach Hengasch, das so heißt, weil es, aus der Luft betrachtet, angeblich so aussieht, wie der Arsch der Welt.

          Was hält Sophie Haas in der Eifel, fragen wir Caroline Peters, die zierlicher als erwartet mit großer Sonnenbrille vor dem Hotel am Dom in Köln aus dem Taxi gestiegen ist, und sie antwortet wie aus der Pistole geschossen: „Sie ist der Chef.“ Ein Anspruch, der Caroline Peters persönlich fremd zu sein scheint. Taxifahrten scheinen sie noch immer mit schlechtem Gewissen zu erfüllen, und dass die zwei Espressi ohne Zucker, die sie an diesem sonnigen Vormittag an einem Tisch mit Blick auf den Dom zu sich nimmt, beim Servieren schon abgekühlt sind, bemerkt sie mit keinem Wort. Über ihre Arbeit spricht sie erfrischend technisch, sie weiß genau, was sie tut, hat die Auswirkungen der HD-Technik auf die Raumtiefe im Blick und führt den Erfolg von „Mord mit Aussicht“ unter anderem darauf zurück, dass die Zuschauer ungewöhnlich große Bildausschnitte und damit mehr Interaktion als üblich sehen.

          Zwischen Spott und Menschenliebe

          Für deutsche Seelen, naive wie sentimentalische, ist „Mord mit Aussicht“ geradezu unwiderstehlich. Die Serie zeigt die bewaldete Provinz in ihrer liebevollsten Skurrilität. Selbst Zurück-zur-Natur-Euphoriker werden ertappt über den Running Gag schmunzeln, dass bei Verfolgungsjagden meist eine Schafherde oder ein Traktor im Weg sind. Aus der Beschleunigung heraus läuft die Alltagshektik leer, und der Zuschauer vernimmt in seinen dramaturgischen Jetlag hinein das Mähen der Schafe. Und wenn man dann Sophie Haas in Großaufnahme sieht, die verzweifelt dreinblickt und der man doch anmerkt, dass sie ihr groteskes Leid auch ein wenig genießt, muss man einfach lachen, ein befreiendes, lebensbejahendes Lachen. Die eingefleischten Fans der Serie sagen, sie benutzten das DVD-Set als Stimmungsaufheller.

          “Alles, was man im Bild sieht, ist durchdacht“, sagt Caroline Peters. „Wir glauben an die Genauigkeit unserer Zuschauer und dass sie das spüren.“ Nicht, dass ihr Spiel besonders reflektiert wirkte, das soll es gerade nicht, es ist im Gegenteil temperamentvoll, oft überspannt. Aber jeder Satz von Sophie Haas, und es sind, dank des genialen Drehbuchs von Marie Reiners und einiger anderer, wirklich solche darunter, bei denen die Pointe hundertprozentig sitzen muss, trifft genau den richtigen Ton zwischen Spott und Menschenliebe. Ein Grundton, der sicher auch dem „Stromberg“-Regisseur Arne Feldhusen zu verdanken ist, der die ersten drei Folgen prägte, bevor er vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen erst mal eine Auszeit brauchte.

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