http://www.faz.net/-gqz-760rl
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 25.01.2013, 10:21 Uhr

Burda-Vorstandschef Kallen im Gespräch Wir entwickeln Angebote, die früher undenkbar waren

Die Burda Media hat 2012 Rekordumsatz gemacht: 2,45 Milliarden Euro. Man fragt sich, wie ein Unternehmen das schafft, das online auf Giganten wie Google trifft. Es gibt Rezepte, die funktionieren.

© Flo Hagena / Burda Media „Es ist für ein Medienunternehmen wichtig, Technologien mitzugestalten“: Paul-Bernhard Kallen

Seit wann ist Burda kein Verlag mehr, sondern ein digital getriebenes Unternehmen?

Getrieben sind wir gar nicht. Wir treiben an und sind ein breit aufgestelltes Medienunternehmen. Diese Bezeichnung würde ich als berechtigt ansehen seit 2005, 2006.

Was muss ein Medienunternehmen heute tun, um am Markt zu bestehen?

Ich denke, dass es für Medienunternehmen generell wichtig ist, die Technologien, auf denen sie basieren, zu verstehen und mitzugestalten. Das haben wir bei allem, was wir anpacken, versucht und gefragt: Was ist die technologische Basis? Wir sind bis heute Drucker, wir sind im Radio und im Fernsehen und haben auch dort ziemlich genau verstanden, worum es technologisch geht, und das versuchen wir im Internet auch. Das Zweite ist: Man muss nah am Leser, am Konsumenten sein und dessen Bedürfnisse kennen.

Mit den Rezepten aus der analogen Welt in der digitalen zu bestehen bereitet den meisten Medienunternehmen Probleme, weil Geschäftsmodelle sich nicht übertragen lassen. Was muss man als einst reiner Druckverlag anders machen?

Man muss wirklich begreifen, welche Möglichkeiten die neuen Technologien bieten. Wenn man nur seine Inhalte nimmt und auf eine andere Plattform stellt, wird man kaum oder gar nicht reüssieren oder ein sehr kleines Geschäft betreiben. Nutzt man neue Technologien, muss man Produkte von Grund auf neu denken. Es hilft nicht, wenn man sich wie in den ersten Tagen des Films vor die Kamera setzt, ein Buch vorliest und Klavier spielt. Neue Erzählformen sind notwendig für neue Medien. Nur wenn man das beherzigt, kann man erfolgreich sein.

Bei den Umsätzen im Internet setzen Verlage auf Werbeerlöse. Deren Maß scheint aber beschränkt zu sein.

Das ist - so muss man heute sagen - für Verlage ein Seitenpfad. Alle haben gehofft, dass es anders kommt. Aber letztlich hat der Monopolist Google dafür gesorgt, dass das Internet im Wesentlichen ein Transaktionsmedium geworden ist, das vom Verkauf beziehungsweise von der Vermittlung von Waren und Dienstleistungen lebt, und hat für diejenigen, die Inhalte mit Markenwerbung finanzieren, kaum etwas übriggelassen. Wir haben daher für unsere digitalen Medienangebote neue, transaktionsnahe Erlösquellen erschließen müssen.

Sie sind belächelt worden, nach dem Motto: Burda macht Umsatz mit Futtermitteln auf dem Onlineshop Zooplus.

1 | 2 | 3 | 4 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Digitale Assistenten Google will die Wohnung steuern

Amazon hat mit dem digitalen Assistenten Echo einen Überraschungserfolg gelandet. Jetzt präsentiert Google seine Kampfansage an das Online-Kaufhaus. Mehr Von Roland Lindner, New York

18.05.2016, 20:35 Uhr | Wirtschaft
(Englisch) Vorstellung des Google Cultural Institute

Vorstellung des Google Cultural Institute, das die Besichtigung von Museen und Betrachtung von Kunstwerken online möglich macht. Mehr

28.04.2016, 11:25 Uhr | Feuilleton
Recht auf Vergessen Google kämpft mit Frankreich um Privatsphäre

Diesmal geht Google in die Offensive. Denn der Internetkonzern fürchtet Zensur. Dabei kommt das Unternehmen immer weniger Löschanträgen nach. Mehr Von Jonas Jansen

19.05.2016, 15:56 Uhr | Wirtschaft
Mountain View Google setzt auf sprachgesteuerte Web-Suche und Geräte-Kontrolle

Google hat ein neues System zur sprachgesteuerten Internet-Suche und Geräte-Kontrolle vorgestellt. Konzernchef Sundar Pichai stellte die neuen Produkte am Mittwoch auf einer Entwicklerkonferenz in Kalifornien vor. Mit Google Home, einer Kombination aus Sprach-Fernbedienung und Lautsprecher, sowie dem damit verbundenen Google Assistant will der Internet-Riese Amazon Konkurrenz zu machen. Mehr

19.05.2016, 13:52 Uhr | Technik-Motor
Weitere Nachrichten Cisco-Aktie nach Quartalszahlen im Aufwind

Der amerikanische Netzwerkriese Cisco hat Anleger mit besser als erwartet ausgefallen Quartalszahlen erfreut, der SAP-Rivale Salesforce überrascht mit einer angehobenen Umsatzprognose und Amerika prüft Patentverletzungsvorwürfe gegen VW bei Hybridautos. Mehr

19.05.2016, 07:02 Uhr | Wirtschaft
Glosse

Drohgebete

Von Regina Mönch

Persönliche Drohungen gegen den Universitätspräsidenten und Demonstranten, die kein Deutsch sprechen: Eine Protestaktion gegen das Verbot, eine Turnhalle der TU Berlin als informelle Moschee zu nutzen, trägt schrille Züge. Mehr 12 89