12.02.2008 · Bruce Darnell suchte mit Heidi Klum „Germany's Next Topmodel“. Der ARD soll er von heute an junge Seher zuführen. Vorab sehen durften Kritiker von der Show namens „Bruce“ nichts. Um „Coaching“ geht es, wir sind gespannt.
Bruce Darnell suchte mit Heidi Klum „Germany's Next Topmodel“. Der ARD soll er nun junge Seher zuführen. Vorab sehen durften Kritiker von der Show namens „Bruce“ nichts. Um „Coaching“ geht es, wir sind gespannt.
Herr Darnell, versuchen Sie in Ihrer Show „Bruce“ Menschen zu verändern oder nur deren Erscheinungsbild?
In meiner neuen Show versuche ich Menschen nicht zu ändern, es geht darum, ihnen zu helfen. Das ist ein großer Unterschied, der ganz klar betont werden muss. Es geht eben nicht darum, jemanden einfach neue Kleidung zu verpassen, sondern Auswege aus seinem Leben zu finden, vielleicht ein Licht am Ende des Tunnels. Punkt, Ende, aus.
Aber das versuchen Sie doch über ein neues Image zu bewerkstelligen.
Was meinen Sie mit Image?
Eine persönliche Ausdrucksform, die Art, sich darzustellen.
Na klar, das gehört auf jeden Fall dazu. Oder sehen Sie das anders?
Nein, ich frage nur, wie der Weg funktionieren soll, Menschen dazu zu bringen, sich zu akzeptieren, wie sie sind, um gleichzeitig genau das mit einem neuen Image zu versehen?
Wissen Sie, es ist relativ einfach: Ich selber hatte eine sehr schwere Vergangenheit und habe mein Image daraufhin verändert, indem ich seither jeden Tag an mir selbst arbeite. Und genau dazu hat jeder Mensch die Möglichkeit und auch das Recht, sein eigenes Bild zu bearbeiten. Er muss es einfach nur machen.
Was ist Ihre Aufgabe dabei?
Gar keine! Ich habe keine Aufgabe, sondern nur die Funktion, ich selbst zu sein, um Menschen glaubhaft darzustellen, sie könnten etwas aus ihrem Leben machen. Warum muss es im Leben immer Aufgaben geben. Machen Sie etwas aus Ihrem Leben, tun Sie etwas für Ihr Image? Was auch immer Sie an sich verändern - es folgt keinem Ziel, sondern ist Teil eines täglichen Prozesses, an dessen Ende Sie denjenigen, die zu Ihnen sagen, Sie sollen so oder so oder so sein, antworten: Nein! Sie sollen zu sich selbst stehen, Vertrauen haben, aufstehen, egal wofür - den Arbeitsplatz, das Äußere, sich selbst. Punkt, Ende, aus. Nächste Frage bitte.
Ihr Format arbeitet also nicht erfolgs- oder gar leistungsorientiert?
Überhaupt nicht. Das Ziel ist der Prozess: Wie kann ich mich in der Gesellschaft einordnen, was tut mir gut, wer bin ich, wie sehe ich mich selbst?
Was machen Sie als Coach anders als bei den Kandidatinnen von „Germany's Next Topmodel“?
Man geht einfach tiefer in die Menschen rein, obwohl ich das auch bei „Germany's Next Topmodel“ getan habe. Dort sind einfach viele Sachen herausgeschnitten worden, die das verdeutlicht hätten. Die wahre Tiefe wurde nicht gezeigt. Aber ich bin als Person nun mal sehr menschlich, ich versuche, auf andere zuzugehen, etwas bei ihnen zu bewegen. Es geht mir nie um die Oberfläche, auch wenn das beim Topmodel den Eindruck erweckt haben könnte. Das liegt jedoch daran, dass immer nur einzelne Sprüche von mir herausgenommen wurden. Mir ging es bei den Mädchen um Disziplin und die Botschaft: Vielleicht schaffst du es nicht als Topmodel, aber du hast trotzdem die Möglichkeit, in dieser Branche zu arbeiten. So gesehen war meine Arbeit nicht oberflächlich, sondern nur das, was man manchmal gesehen hat.
Darf man das als einen Vorwurf an die Adresse von ProSieben verstehen?
Nein, das darf man nicht. Ich habe den Mädchen beim Lauftraining ja nicht gesagt, sie sollen nur einmal kurz laufen; ich habe sie über einen langen Zeitraum begleitet, sie bei der Hand genommen, gepusht. Andere Lauftrainer sagen: Lauf einmal da rüber und dann geh nach Hause. Ich habe mir viel Zeit für die Mädchen genommen. Mehr als am Ende zu sehen war.
Wissen Sie, was sich die ARD nun von Ihnen erhofft?
Da müssen Sie die ARD fragen.
Aber das Format wurde doch gemeinsam mit dem Sender entwickelt. Gab es Zielvorgaben, oder haben Sie eine Art Narrenfreiheit?
Es gibt keinerlei Vorgaben, ich darf im Gegenteil wahnsinnig spontan sein, so wie ich eben bin. Ich bin Bruce, ich gehe auf die Leute zu und vor allem: Ich höre ihnen zu. Ich will ihnen wirklich helfen und sie ein Stück begleiten. Das sind meine eigenen Vorschriften; mehr habe ich nicht.
Bedeutet der Wechsel zum öffentlich-rechtlichen Programm für Sie ein neues Anspruchsdenken - hin zu mehr Seriosität?
Letztendlich habe ich in beiden Sendungen seriös und ernsthaft gearbeitet. Was die ARD sonst von mir wünscht, kann man nur dort beantworten. Ich wurde angefragt und bin damit wahnsinnig glücklich. Es ist ein tolles Format, wo man Menschen wirklich helfen kann, das ist mein Weg. Auf den bin ich sehr stolz.
Darüber hinaus sollen Gefühle transportiert werden. Wie erreichen Sie das?
Wissen Sie, Gefühle sind doch etwas völlig Normales. Und man muss sie bitteschön auch zeigen dürfen. Ich möchte nicht in einer Gesellschaft leben, wo man wie ein Roboter herumläuft und keine Emotionen zeigen darf. Entscheidend ist doch, dass man die Ehrlichkeit hinter den Gefühlen zeigt, dass man Menschen weinen lässt und durchaus auch mal mitweint. Ich verstehe einfach nicht, warum das in dieser Gesellschaft so schwer ist. Ich werde ständig gefragt, ob es um Gefühle geht. Sollen wir etwa durch die Gegend rennen wie Computer? Gefühle sind menschlich, das müssen wir endlich begreifen.
Absolut. Aber sind es noch die echten, wenn man sie vor einer Kamera zeigt?
Das kann ich nicht beurteilen. Ich kann nur versuchen, zu erspüren, ob es echte Tränen sind und das Gefühl dahinter kein Fake. Natürlich gibt es Leute, die können vor einer Kamera auf Kommando weinen, aber beim Topmodel habe ich es eben gespürt, dass ich den Mädchen geholfen habe. Dass sie sich verändert haben und das auch sehen konnten, wenn sie vorm Spiegel standen mit neuem Make-up, neuen Haaren. Die Tränen danach waren einfach genauso echt wie alle anderen Gefühle?
Sind es Ihre eigenen vor der Kamera auch?
Wie oft haben Sie mich im Fernsehen gesehen? Wie viele Interviews haben Sie gelesen? Sie kennen mich doch sicher nur aus „Germany's Next Topmodel“ und behaupten nun, meine Gefühle seien nicht echt, wenn ich im Fernsehen weine?
Nein, ich frage nur, ob Sie dem Format entsprechend intensiver erschienen sind?
Warum sollte ich das machen?
Weil Sie im Entertainment tätig sind. Fernsehen ist Show.
Ich bin kein Schauspieler und strebe das auch nicht an! Vielen Dank für das Gespräch und einen schönen Tag noch.
Schrott im Ersten
Daniel Crommer (crommer)
- 12.02.2008, 15:56 Uhr
Gut, daß wir Bruce zum "Coachen" haben
Detlef Wolf (dewo)
- 12.02.2008, 16:45 Uhr
schon gezahlt?
Olaf Düttmann (Olli2104)
- 12.02.2008, 19:03 Uhr
Sehe ich anders
Heinz Ebermann (CESA)
- 12.02.2008, 21:18 Uhr