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Britischer Abhörskandal Liebesgrüße aus London

 ·  Rupert Murdochs Chefredakteurin Rebekah Brooks gehört zu den ersten, gegen die im Abhörskandal Anklage erhoben wird. Auch für Premierminister David Cameron wird es durch ihre Aussage immer ungemütlicher.

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© AFP Vergrößern Kleinmädchengarderobe, stählerner Blick und sarkastische Höflichkeit: Zu ihrem Auftritt vor dem Leveson-Untersuchungsausschuss kam Rebekah Brooks im sittsamen Kleid mit Peter-Pan-Kragen

Mit der Ankündigung, dass die Staatsanwaltschaft gegen Rebekah Brooks, die ehemalige Boulevard-Chefredakteurin und Geschäftsführerin von News International sowie fünf weitere Personen strafrechtlich vorgehen will, hat der Abhörskandal um den Verlag eine neue Dimension erreicht. Rebekah Brooks, ihr Ehemann, der Rennpferdtrainer Charlie Brooks, ihre Sekretärin, ihr Chauffeur, der Sicherheitsbeauftragte von News International und ein Sicherheitsmann sind die Ersten, gegen die Anklage erhoben wird. Sie werden beschuldigt, im Juli des vergangenen Jahres, als der Skandal in der Enthüllung gipfelte, dass Murdochs inzwischen eingestellte „News of the World“ die Mailbox des entführten und später tot aufgefundenen Mädchens Milly Dowler gehackt hatten, „Dokumente, Computer und andere elektronische Geräte“ vor der Polizei versteckt zu haben. Gegen Rebekah Brooks wird außerdem wegen illegalen Abhörens und Korruptionverdachts ermittelt.

Für ihren Auftritt vor dem Leveson-Untersuchungsausschuss Ende vergangener Woche hatte Rebekah Brooks ein sittsames Kleid mit Peter-Pan-Kragen gewählt. Die Kleinmädchengarderobe sollte wohl ein Bild der Unschuld vermitteln. Aber ihr stählerner Blick und die sarkastische Höflichkeit, mit der sie ihrem Befrager begegnete, offenbarten, weshalb sie es so weit gebracht hat in dem Verlag, der durch den Abhörskandal ins Schleudern geraten ist. Die engen Beziehungen, die Rebekah Brooks und ihr Beschützer Rupert Murdoch zu den jeweiligen Amtsinhabern der Downing Street 10 gepflegt haben, sorgen dafür, dass es auch für den Premierminister David Cameron immer ungemütlicher wird. Er steht unter Druck, seinen für Kultur, Medien und Sport zuständigen Minister Jeremy Hunt zu entlassen, der in den Verdacht des heimlichen Zusammenspiels mit Murdoch geraten ist.

Die Anklage wird das Gesamtbild schärfen

Rebekah Brooks hat in ihrem fünfstündigen Verhör den Eindruck verstärkt, dass es zwischen der Politik und Murdochs Konzern eine enge Verstrickung gab. Unfreiwillig machte sie ihren gelegentlichen Reitkumpan David Cameron zum Gespött mit der Enthüllung, dass er SMS-Mitteilungen mitunter mit „lol“ geschlossen habe, in dem Glauben, die Abkürzung stehe für „lots of love“. Der Gruß wurde nicht nur als Beweis für die freundschaftliche Beziehung zwischen den beiden gedeutet, sondern auch als Zeichen dafür, dass der Premierminister seiner Zeit hinterher sei. Rebekah Brooks musste ihn aufklären, dass „lol“ im SMS-Jargon „laughing out loud“ bedeutet.

Doch wie Rebekah Brooks verwehrte sich auch Alastair Campbell, der ehemalige Kommunikationschef Tony Blairs, gegen die Annahme, es habe zwischen Blair und Murdoch irgendwelche Tauschgeschäfte gegeben nach dem Motto: Einfluss gegen redaktionelle Unterstützung. Der um Neutralität bemühte Richter Leveson nannte die Beziehungen zwischen Downing Street und News International kürzlich indes: „fuzzy“, was so viel wie „verschwommen“ heißt. Die Anklage gegen Rebekah Brooks wird das Gesamtbild sicherlich schärfen.

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