Home
http://www.faz.net/-gsb-6zwbs
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
Bibliothek

Britischer Abhörskandal Liebesgrüße aus London

Rupert Murdochs Chefredakteurin Rebekah Brooks gehört zu den ersten, gegen die im Abhörskandal Anklage erhoben wird. Auch für Premierminister David Cameron wird es durch ihre Aussage immer ungemütlicher.

© AFP Vergrößern Kleinmädchengarderobe, stählerner Blick und sarkastische Höflichkeit: Zu ihrem Auftritt vor dem Leveson-Untersuchungsausschuss kam Rebekah Brooks im sittsamen Kleid mit Peter-Pan-Kragen

Mit der Ankündigung, dass die Staatsanwaltschaft gegen Rebekah Brooks, die ehemalige Boulevard-Chefredakteurin und Geschäftsführerin von News International sowie fünf weitere Personen strafrechtlich vorgehen will, hat der Abhörskandal um den Verlag eine neue Dimension erreicht. Rebekah Brooks, ihr Ehemann, der Rennpferdtrainer Charlie Brooks, ihre Sekretärin, ihr Chauffeur, der Sicherheitsbeauftragte von News International und ein Sicherheitsmann sind die Ersten, gegen die Anklage erhoben wird. Sie werden beschuldigt, im Juli des vergangenen Jahres, als der Skandal in der Enthüllung gipfelte, dass Murdochs inzwischen eingestellte „News of the World“ die Mailbox des entführten und später tot aufgefundenen Mädchens Milly Dowler gehackt hatten, „Dokumente, Computer und andere elektronische Geräte“ vor der Polizei versteckt zu haben. Gegen Rebekah Brooks wird außerdem wegen illegalen Abhörens und Korruptionverdachts ermittelt.

Gina Thomas Folgen:    

Für ihren Auftritt vor dem Leveson-Untersuchungsausschuss Ende vergangener Woche hatte Rebekah Brooks ein sittsames Kleid mit Peter-Pan-Kragen gewählt. Die Kleinmädchengarderobe sollte wohl ein Bild der Unschuld vermitteln. Aber ihr stählerner Blick und die sarkastische Höflichkeit, mit der sie ihrem Befrager begegnete, offenbarten, weshalb sie es so weit gebracht hat in dem Verlag, der durch den Abhörskandal ins Schleudern geraten ist. Die engen Beziehungen, die Rebekah Brooks und ihr Beschützer Rupert Murdoch zu den jeweiligen Amtsinhabern der Downing Street 10 gepflegt haben, sorgen dafür, dass es auch für den Premierminister David Cameron immer ungemütlicher wird. Er steht unter Druck, seinen für Kultur, Medien und Sport zuständigen Minister Jeremy Hunt zu entlassen, der in den Verdacht des heimlichen Zusammenspiels mit Murdoch geraten ist.

Die Anklage wird das Gesamtbild schärfen

Rebekah Brooks hat in ihrem fünfstündigen Verhör den Eindruck verstärkt, dass es zwischen der Politik und Murdochs Konzern eine enge Verstrickung gab. Unfreiwillig machte sie ihren gelegentlichen Reitkumpan David Cameron zum Gespött mit der Enthüllung, dass er SMS-Mitteilungen mitunter mit „lol“ geschlossen habe, in dem Glauben, die Abkürzung stehe für „lots of love“. Der Gruß wurde nicht nur als Beweis für die freundschaftliche Beziehung zwischen den beiden gedeutet, sondern auch als Zeichen dafür, dass der Premierminister seiner Zeit hinterher sei. Rebekah Brooks musste ihn aufklären, dass „lol“ im SMS-Jargon „laughing out loud“ bedeutet.

Mehr zum Thema

Doch wie Rebekah Brooks verwehrte sich auch Alastair Campbell, der ehemalige Kommunikationschef Tony Blairs, gegen die Annahme, es habe zwischen Blair und Murdoch irgendwelche Tauschgeschäfte gegeben nach dem Motto: Einfluss gegen redaktionelle Unterstützung. Der um Neutralität bemühte Richter Leveson nannte die Beziehungen zwischen Downing Street und News International kürzlich indes: „fuzzy“, was so viel wie „verschwommen“ heißt. Die Anklage gegen Rebekah Brooks wird das Gesamtbild sicherlich schärfen.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Liveblog Cameron verspricht auch Engländern mehr Macht

Nach dem Nein der Schotten zur Abspaltung von Großbritannien hat Premierminister David Cameron nicht nur dem nördlichen Teil des Vereinigten Königreichs mehr Autonomie versprochen - auch in England müsse es eigene Gesetze geben. Verfolgen Sie die Ereignisse im Liveblog. Mehr

19.09.2014, 00:09 Uhr | Politik
Nationalisten räumen Niederlage ein

Nach dem Referendum in Schottland haben die Nationalisten ihre Wahlniederlage anerkannt. Der britische Premierminister David Cameron zeigte sich erleichtert: Mehr

19.09.2014, 09:32 Uhr | Politik
Kurz vor dem Referendum Britische Polit-Prominenz kämpft um die Schotten

Großbritanniens Premierminister Cameron hat eindringlich vor einen Zerfall des Vereinigten Königreichs gewarnt. Zusammen mit Chefs der anderen wichtigen Parteien will er die Schotten nun vor Ort davon überzeugen, dass sie beim Referendum gegen eine Abspaltung stimmen. Mehr

10.09.2014, 06:48 Uhr | Politik
EU-Parlament für Juncker als neuen Kommissionschef

Die Sozialisten haben ihre Unterstützung für den Kandidaten der konservativen Fraktion EVP signalisiert. Der britische Premier David Cameron appellierte indes an seine EU-Kollegen, sich nicht vom Parlament unter Druck setzen zu lassen. Mehr

28.05.2014, 08:50 Uhr | Politik
Londons Bürgermeister Boris Johnson vor Rückkehr ins Parlament

Boris Johnson scheint Großes vorzuhaben: Seine Partei gab Londons populärem Bürgermeister für die Unterhauswahl einen sicheren Wahlkreis. Doch sein wahres Ziel ist wohl die Downing Street. Mehr

13.09.2014, 08:06 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 15.05.2012, 17:10 Uhr

Amazon steckt im Kampf um höhere E-Book-Rabatte zurück

Von Andreas Platthaus

Im Streit mit den deutschen Verlagen der Bonnier-Gruppe hat Amazon eingelenkt. Von ihrer Unbeugsamkeit sollte ein Signal ausgehen über die deutschen Grenzen hinaus. Mehr 5 5