Home
http://www.faz.net/-gsb-750vk
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
Bibliothek

Britische Tageszeitung „Times“-Chefredakteur Harding geht

Nach fünf Jahren im Amt tritt „Times“-Chefredakteur James Harding zurück. Ihm sei klar geworden, dass Rupert Murdoch einen neuen Chefredakteur wünsche, sagte er seinen Mitarbeitern.

© AFP Vergrößern James Harding

An der Spitze von Rupert Murdochs „Times“ findet ein Wechsel statt. James Harding, seit fünf Jahren Chefredakteur der britischen Tageszeitung hat am Mittwoch seinen Rücktritt bekanntgegeben. Ihm sei klar gemacht geworden, sagte er am Nachmittag vor der benommenen Belegschaft, dass News Corp, Murdochs amerikanische Muttergesellschaft, einen neuen Chefredakteur wünsche. Deswegen habe er eingewilligt, zu kündigen.

Gina Thomas Folgen:    

Er habe Murdoch am Morgen angerufen und dieser habe seinen Rücktritt angenommen. Harding verlässt die Zeitung zum Monatsende. Es wird vermutet, dass John Witherow, seit fünfzehn Jahren Chefredakteur der Schwesterzeitung „Sunday Times“, seine Nachfolge antreten wird und dass der „Sunday Times“-Kolumnist Martin Ivens zum Chefredakteur der Sonntagszeitung aufrücken wird.

„Bester Chefredakteur“

Hardings Stellvertreter soll unter Tränen gesagt haben, er sei der beste Chefredakteur gewesen, den die „Times“ je gehabt habe. Der Journalist, der von der „Financial Times“ kam, war Leiter des Wirtschaftsressorts der „Times“, als er im Jahr 2007 zum jüngsten Chefredakteur befördert wurde. Mit 38 Jahren war er damals jünger als jeder seiner Vorgänger.

Mehr zum Thema

Harding verlässt die Zeitung zu einem kritischen Zeitpunkt. Nach der Veröffentlichung des umstrittenen Leveson-Berichts hat er eine führende Rolle bei der Suche nach einer Form der Selbstregulierung gespielt, die ohne die vom Lordrichter empfohlene gesetzliche Regelung auskommt und dennoch das allgemeine Bedürfnis nach einer strengeren Kontrolle der Presse erfüllt. In seiner Rücktrittsrede äußerte Harding die Hoffnung, dass die Zeitung unter seiner Führung mit der von den Lesern erwarteten Integrität und Unabhängigkeit über den Abhörskandal und die damit verbundenen Kontroversen um News International, des britischen Arms von Murdochs Medienimperium berichtet habe.

Harding hat das Missfallen Rupert Murdochs erregt. Er hatte den Hintergrund der Geschichte eines anonymen Polizeibloggers preisgegeben, dessen persönliches Email-Konto im Jahr 2009 von einem „Times“-Journalisten gehackt wurde. Murdoch sagte während seiner Vernehmung durch Lordrichter Leveson, er sei enttäuscht gewesen, dass Harding die Sache öffentlich gemacht habe.

Quelle: FAZ.NET

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
News Corp gegen Google Schlagabtausch in offenen Briefen

Ein furioser Angriff, eine auffallend blasse Gegenwehr: Der Medienriese News Corp und der Internetriese Google streiten in offenen Briefen über die Marktmacht im Netz. Mehr Von Fridtjof Küchemann

26.09.2014, 21:54 Uhr | Feuilleton
Briten suchen den Mörder

In Großbritannien ist man geschockt über die Tatsache, dass ein Brite den US-Journalisten James Foley ermordet haben soll. Die britischen Sicherheitsbehörden haben Ermittlungen aufgenommen, um die Identität des Mannes zu klären. Mehr

21.08.2014, 14:13 Uhr | Gesellschaft
Islamistischer Terror IS-Miliz verbreitet weiteres Geisel-Video

Die IS-Terrormiliz hat ein weiteres Propagandavideo veröffentlicht, in dem die britische Geisel John Cantlie das Vorgehen des amerikanischen Präsidenten Barack Obama kritisiert. Mehr

30.09.2014, 07:03 Uhr | Aktuell
Clooney dreht Film über News of the World-Skandal

Die britische Zeitung News of the World wurde 2011 nach 168 Jahren dicht gemacht. Damals waren illegale Abhörpraktiken ihrer Journalisten aufgeflogen. In dem Buch Hack Attack wird der Skandal beschrieben. Den Stoff will Hollywoodstar Clooney nun im nächsten Jahr verfilmen. Mehr

04.09.2014, 11:13 Uhr | Feuilleton
Schriftsteller John Burnside Schottland braucht, was jedes Volk Europas braucht

Nach der Abstimmung kann nur ein radikaler Wandel des politischen Systems zum Ziel führen. Die Schotten müssen lernen, weiterhin Nein zu sagen. Mehr Von John Burnside

25.09.2014, 16:52 Uhr | Feuilleton
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 12.12.2012, 21:40 Uhr

Werk ohne Fisch

Von Annabelle Hirsch

Eine Strategie der Kunst ist es, mit menschlichen Abgründen zu verstören. Auf der Art Berlin Contemporary liegt der Skandal anderswo: Es gab Streit über echte Tiere in der Kunst. Mehr