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Veröffentlicht: 19.05.2016, 15:41 Uhr

Erdogan-Limerick Schmähgedichte für Europas Freiheit

Der ehemalige Londoner Bürgermeister Boris Johnson gewinnt einen Böhmermann-Solidaritäts-Gedichtwettbewerb – natürlich geht es darin auch um Liebe mit Ziegen.

© Reuters Bier, Brexit und derbe Dichtkunst: Boris Johnson, ehemaliger Bürgermeister von London, hält sich an die konservativen britischen Tugenden.

Dass wir das noch erleben dürfen: „Boris Johnson wins poetry prize for goat sex limerick“, lautet lapidar die Überschrift eines realexistierenden, nicht parodistisch gemeinten Artikels des Londoner Evening Standard. Hier wird nüchtern vermeldet, was schlicht den Tatsachen entspricht: Der einstmalige Bürgermeister von London gewann den Böhmermann-Solidaritäts-Gedichtwettbewerb des konservativen britischen Magazins „The Spectator“ mit einem Gedicht über den Akt mit einer Ziege und darf sich über eintausend Pfund Preisgeld freuen (etwa 1300 Euro). Das Gedicht entstand spontan im Rahmen eines Interviews für die Schweizer Weltwoche.

Da das Gedicht anscheinend noch in voller Länge legal zitierbar ist, bevor der Bedichtete juristisch einschreitet, möchten wir es Ihnen an dieser Stelle nicht vorenthalten:

„There was a young fellow from Ankara

Who was a terrific w**kerer

'Till he sowed his wild oats

With the help of a goat

But he didn't even stop to thankera.“

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Die Qualität des Werkes über einen jungen Kerl aus Ankara, der sich an einer Ziege die Hörner abstößt ohne ihr zu danken, legt nahe, dass Johnsons Name bei der Preisvergabe eine Rolle gespielt haben könnte. Auch Gschaftlhuberei muss vermutet werden, denn Johnson war selbst früher Chefredakteur des „Spectator„. Es sei wunderbar, so lässt die Zeitschrift verlauten, dass ein britischer politischer Anführer gezeigt habe, dass Großbritannien nicht vor dem „vermeintlichen Kalifen in Ankara“ einknicken werde. „Erdogan mag seine Gegner in der Türkei inhaftieren. Kanzlerin Merkel mag Erdogans Kritiker in Deutschland inhaftieren. Aber in Großbritannien leben und atmen wir noch frei“, schreibt Redakteur und Schiedsrichter Douglas Murray. „Und wir brauchen keinen Richter, schon gar keinen deutschen Richter, der uns anweist, was wir lustig zu finden haben.“ Da schlägt das Empire zur Not auch mit Ziegensexlimericks zurück, wenn es die politische Lage verlangt.

Der glühende Brexit-Befürworter Johnson, der immerhin auf einen türkischen Urgroßvater verweisen kann, sagte der Schweizer Weltwoche, wenn jemand einen Witz über die Liebe machen möchte, die zwischen dem türkischen Präsidenten und einer Ziege erblühe, so solle er dies in jedem europäischen Land tun dürfen, "auch in der Türkei". Europa bleibt da natürlich nichts anderes übrig, als sich für derart glühenden Einsatz alliierter Kräfte an der Gedichtfront zu bedanken.

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