03.08.2008 · Die Sendung „Boris Becker meets Verona Pooth“ löste gleich eine ganze Fragenkaskade aus: Ob Becker wohl Geldprobleme hat. Ob er wohl Angst davor habe, in Vergessenheit zu geraten. Und am Ende, ob die Produktionsfirma wohl ein düsteres Geheimnis von ihm wisse.
Von Stefan NiggemeierDer beste Moment war der, als Verona Pooth sagte, wegen der Insolvenz der Firma ihres Mannes hätten sie jetzt „permanent Paparazzis vor dem Haus“, und Boris Becker Augen und Mund aufriss und ehrlich schockiert „NEIN!“ ausrief – und die eigenen Gedanken plötzlich abschweiften zur Viva-Moderatorin Gülcan und der Frage, ob es eigentlich wirklich gerecht ist, dass sie als der schlichteste Bewohner unseres Fernsehens gilt.
Nun freut man sich ja schon, wenn es ein Programm überhaupt schafft, Fragen in einem zu wecken. Und „Boris Becker meets Verona Pooth“ am vergangenen Donnerstag bei Pro Sieben löste gleich eine ganze Fragenkaskade aus: vor der Sendung, ob Boris Becker wohl Geldprobleme habe. Während der Sendung, nachdem er zum zweiten Mal sinnlos Tennisschläger durchs Bild getragen hatte, ob Boris Becker wohl Angst davor habe, in Vergessenheit zu geraten. Und am Ende, ob die Produktionsfirma wohl ein düsteres Geheimnis von Boris Becker wisse und ihn damit in der Hand habe.
„Boris hat sich etwas einfallen lassen“
Dabei denkt man sich, dass es eigentlich gar nicht so leicht sein kann, neben Verona als Depp zu wirken. Aber die Verantwortlichen sind, zugegeben, auf Nummer sicher gegangen. Sie haben sich nicht auf das leere Gesicht des früheren Sportstars verlassen, sondern ihm einen Fotoapparat in die Hand gedrückt, um Fotos von Verona aufzunehmen, für einen Benefizkalender, was aus Becker eine Mischung aus zudringlichem Fotografen und nervigem Fan machte. Die Bilder sind erwartbar schaurig und banal, wie gemacht für Veronas Promi-VZ-Profil; Boris sagt: „Erst mal bin ich begeistert von meinem Talent des Fotografierens“, und eine Fahndung nach Selbstironie muss ergebnislos abgebrochen werden.
Alle Beteiligten dieser Sendung scheinen in ein schwarzes Loch der Idiotie gesaugt worden zu sein. Wenn Becker mit Pooth in ein Flugzeug steigt, sagt der Sprecher: „Red Boris verleiht Flügel!“ Und später, während sie in einer Kutsche durch Wien fahren, wie damals, als Verona heiratete, fügt er hinzu: „Kann es etwas Romantischeres geben, als die Fahrt zum Ort der eigenen Traumhochzeit noch einmal zu erleben?“ Mit Boris Becker? Und einem Kamerateam? – Ungefähr alles?
Verona sagt hinterher: „Boris hat sich etwas einfallen lassen, was ich so nicht erlebt hätte.“ Wie – hätte? Sie hat es doch erlebt! Mit Franjo. Man muss aufpassen, nicht zu lange über den Irrwitz nachzudenken, sonst saugt er einen mit in dieses schwarze Loch.
Andererseits: Verona hat selten so eloquent gewirkt. Im Vergleich.
À propos eloquent:
Robin Banks (Tanz_Formel_Tanz)
- 03.08.2008, 15:03 Uhr
Sommerloch?
Marvin Parsons (mapar)
- 03.08.2008, 15:21 Uhr