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Veröffentlicht: 09.10.2013, 21:13 Uhr

Boris Becker bei „DAS!“ Der rosa Elefant im Slip

In der NDR-Sendung „DAS!“ verrät Boris Becker, warum er „Das Leben ist kein Spiel“ geschrieben hat. Mehr Heuchelei, billiger Machismo und Frauenfeindlichkeit in einer Dreiviertelstunde geht nicht.

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© NDR Will kein Dukatenesel sein: Boris Becker in der NDR-Talkshow „DAS!“

Kennen Sie das? Sie müssen permanent an etwas denken, an das Sie partout keinen Gedanken verschwenden wollen. Aber sie haben es gehört oder gesehen. Und jetzt ist es da und geht nicht mehr weg. Wie heißt es noch? Denken Sie nicht an einen rosa Elefanten! Eine miese Anweisung, denn jetzt steht der rosa Elefant an jeder Ecke.

Michael Hanfeld Folgen:

Mein rosa Elefant heißt Boris Becker. Denn er taucht im Augenblick überall auf und hat in seinem Buch „Das Leben ist kein Spiel“ einen Satz geschrieben, den ich nicht mehr los werde: „Stellen wir uns also mal Boris Becker im Slip vor und gehen auf der Landkarte seiner Verletzungen spazieren.“

Drei Farben Rosa

Boris Becker im Slip. Das war's. Das ist er, der rosa Elefant. Sorry, dass ich das jetzt weitergebe. Boris Becker mit siebzehn in kurzen Tennishosen, als er Wimbledon gewann – in Ordnung. Aber der Boris Becker von heute, wie er da und dort stockend aus seinem Buch vorliest? Etwa die Stelle, in der es um die Schläge geht, die er angeblich von seiner Ex-Frau Barbara kassiert hat? Lesung mit einem rosa Elefanten in seiner ganzen Rosaheit. Da wird mir grün und blau.

Und das mit dem Elefanten ist jetzt auch nicht meine persönliche Einbildung. Denn in der Boulevardshow „DAS!“ im NDR-Fernsehen spricht Boris Becker sogar selbst davon – nicht von der Farbe Rosa, wohl aber von der „Elefantenhaut“, die er sich zugelegt habe in all den Jahren, in denen soviel Schlechtes über ihn geschrieben wurde. Und der Elefant vergisst bekanntlich nie. Und schreibt. Und schlägt zurück.

Das Geschäftliche ist die Privatsphäre

Bei „DAS!“ sitzen allerdings gleich zwei Elefanten auf dem roten Sofa. Der Zweite ist Hinnerk Baumgarten, der sich vor ein paar Monaten in eben dieser Sendung durch sein Gespräch mit der Schauspielerin Katja Riemann in die Top Ten der elefantösesten Moderatoren aller Zeiten katapultiert hat. In dem Verständnis, das ihm damals für sein Gegenüber fehlte, geht er bei Boris Becker nun förmlich auf. Sofort respektiert er Beckers „Privatsphäre“, die dieser in seinen wahnsinnig erfolgreichen geschäftlichen Tätigkeiten sieht, über die er nicht reden will. Er investiert, in Immobilien und Technologie, und so. Er hat beste Verbindungen, verkehrt in den besten Kreisen und trifft die Royals. Alles klar?

Nach dem, worüber der einstige Tennis-Star in seinem Buch schreibt, fragt Baumgarten ganz zaghaft von hinten durch die Brust ins Auge in diesem uneigentlichen Johannes-B.-Kerner- oder Markus-Lanz-Stil. „Wie sehr hat Sie dieser Artikel geärgert?“, will Baumgarten zu einer Story aus der „Bunte“ wissen. Was ihm der Sport „an Jugend genommen“ habe, was sein früher Erfolg für seine Familie bedeutete. „Tut das weh, etwas aus der Zeitung über die Tochter zu erfahren?“ (Nein, diese Frage tut weh.)  „So ganz einfach ist sie wohl nicht zu handeln?“ (Gemeint ist Angela Ermakowa, die Mutter von Beckers Tochter, mit der er seine Frau betrog, als diese gerade mit dem zweiten Sohn schwanger war.) „Was gibt Ihnen England, was Sie in Deutschland nicht bekommen?“ („Eine gewisse Privatsphäre“, antwortet Becker – zu der wahrscheinlich beiträgt, dass sein Buch, in dem es nur um Privates geht, dort nicht erscheinen soll.) „Wie schwer ist es für Sie, im Umgang mit Frauen herauszufinden, ob es wirklich Gefühle sind oder ob die Frau nur eine Namen will?“ (Sehr schwer.)

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Glosse

Wer liest denn schon noch?

Von Kerstin Holm

Selbst Menschen, die öffentlich über Bücher sprechen, erklären häufig, sie hätten ja gar keine Zeit zum Lesen. Der Bazillus des nichtinformierten Diskurses verbreitet sich zusehends. Mehr 5