http://www.faz.net/-gqz-85k7w

Nobelpreisträger Tim Hunt : Der Professor und die Frauen im Labor

Die Kritik an seinem erzwungenen Rücktritt wird lauter: Tim Hunt. Bild: AFP

Eine als Witz gemeinte Bemerkung hat den Biochemiker Tim Hunt den Job gekostet. Jetzt hat sein Arbeitgeber, das University College London, den Fall beraten. Und kommt zu einem erstaunlichen Ergebnis.

          Trotz heftiger Einwände von renommierten Wissenschaftlern, darunter zehn Nobelpreisträgern, wird der Biochemiker Tim Hunt nicht wieder als Ehrenprofessor am University College London eingesetzt. Der Nobelpreisträger war wegen ungeschickter frotzelnder Bemerkungen über die vermeintlich negative Wirkung von Frauen im Labor zum Rücktritt gezwungen worden.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Hunt hatte im vergangenen Monat bei einer Tagung vor Wissenschaftsjournalistinnen in Südkorea erklärt, dass Frauen im Labor aus drei Gründen Schwierigkeiten bereiteten: „Man verliebt sich in sie, sie verlieben sich in einen und wenn man sie kritisiert, weinen sie.“ Als eine selektive Darstellung dieses Auftritts im Internet, ausgelöst durch den Hashtag #distractinglysexy bei Twitter, zu einem Entrüstungssturm führte, wurde Hunt unverzüglich zum Rücktritt gezwungen, ohne dass das College versucht hätte, sich ein eigenständiges Bild des Vorgangs zu machen. Man hätte sich zum Beispiel die Frage stellen können, ob Hunts Bemerkung dezidiert frauenfeindlich gemeint oder ein misszuverstehender Faux-pas-Scherz war.

          Der Rat des University College hat bei seiner Sitzung die vielfach kritisierte Entscheidung der Hochschul-Leitung jedoch gestützt. Das Gremium bemängelt jedoch Fehler in der Vorgehensweise. Man bedauere den Kummer, der Hunts Frau, der beim University College beschäftigten Immunologin Mary Collins, durch die ungeschickte Handhabung bereitet wurde, man werde die Art und Weise der Kommunikation in diesem Fall überprüfen. In einer Erklärung des University College, mit der wohl ein Schlussstrich unter die Affäre gezogen werden soll, heißt es, der Rat bestätige, dass sich alle Beteiligten einig seien, dass eine Wiedereinsetzung Hunts unangemessen wäre.

          Weitere Themen

          Schluss für Peter Tauber Video-Seite öffnen

          CDU- Generalsekretär : Schluss für Peter Tauber

          Der 43-Jähtrige gibt demnach seine Führungsrolle schon Ende Februar auf. Ein Nachfolger könnte die Vorsitzende der Christdemokraten , Angela Merkel, schon bald benennen. Der Rücktritt hat auch private Gründe.

          Topmeldungen

          Mit einer Kundgebung vor dem Berliner Reichstagsgebäude fordern Demonstranten die Abschaffung von Paragraf 219a.

          Abtreibungsgesetz : Straffrei, aber geächtet

          Die Debatte zum Paragraphen über das Verbot der Werbung für Abtreibung wirft Fragen auf: Können Politiker Reklame und Information nicht unterscheiden? Und verhindert das Gesetz auch nur eine einzige Abtreibung?
          Der amerikanische Präsident Donald Trump droht Nordkorea mit neuer Eskalationsstufe

          Atom-Konflikt : Trump droht Nordkorea mit „Phase zwei“

          Sollte die neue Verschärfung der Sanktionen keine Wirkung zeigen, droht der amerikanische Präsident mit einer neuen Eskalationsstufe: Diese werde eine „sehr raue Angelegenheit “, die „sehr bedauerlich für die Welt“ sein könnte.
          Schuldgeständnis: Trumps ehemaliger Wahlkampfberater Rick Gates wird nach seinem Gerichtstermin in Washington von Demonstranten konfrontiert.

          Russland-Affäre : Früherer Trump-Berater Gates bekennt sich schuldig

          Unter dem Druck von Sonderermittler Mueller gibt der ehemalige Wahlkampfhelfer zu, dass er an einer Verschwörung zum Betrug an den Vereinigten Staaten beteiligt gewesen sei. Trumps Ex-Wahlkampfchef Manafort beteuert weiterhin seine Unschuld.
          In der Münchner BMW-Zentrale muss man sich nun kritische Nachfragen gefallen lassen

          Diesel-Affäre : BMW spielte falsche Abgas-Software auf

          Eine irrtümlich aufgespielte Software sorgt nun für einen Rückruf: BMW muss 12.000 Dieselmotoren korrigieren. Eine peinliche Lage für den selbsternannten Saubermann der Branche.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.