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Veröffentlicht: 01.01.2009, 15:29 Uhr

Bilanz 2008 Gewinn und Verlust eines Medienjahrs

Warum ARD und ZDF etwas Demut zeigen sollten. Warum Sat.1 eigentlich sofort den Namen ändern müsste. Warum Bertelsmann nicht mehr protestantisch ist: die Bilanz des Medienjahrs 2008. Und wie die Aussicht auf 2009 ist.

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© AP Ein Verlierer 2008: Bernd Kundrun von Gruner + Jahr

Das Jahr 2009 wird sich in einem Punkt vom zu Ende gehenden Jahr 2008 nicht unterscheiden: Es wird ein Jahr des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sein. Denn mit der neuen Rundfunkgebühr, die vom 1. Januar an gilt, stehen den Sendern von ARD und ZDF aus Gebühreneinnahmen nicht mehr 7,3 Milliarden, sondern geschätzte vierhundert Millionen Euro mehr pro Jahr zur Verfügung. Und so ist 2009 das Jahr, in dem der Etat des ZDF erstmals mehr als zwei Milliarden Euro umfasst. Damit lässt sich in Zeiten der Weltwirtschaftskrise gut leben (siehe: Neuer Rundfunkstaatsvertrag: Gebühren doppelt und dreifach).

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Den Schluss, den Markus Schächter, der Intendant des ZDF, daraus aber bei der Vorstellung seines Haushalts gezogen hat, möchte man gern erweitern. Sagte er doch mit Blick auf die Wirtschaftskrise und die deshalb plötzlich in besserem Licht erscheinenden öffentlichen Finanzinstitute, die Sparkassen: „Anscheinend bewahrheitet sich mal wieder die alte Regel, dass man erst in der Krise merkt, was man an einem verlässlichen System hat.“ Schächter wollte das als Verweis auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk verstanden wissen, der allein eine „stabile Grundlage“ des dualen Mediensystems darstelle, das wiederum eine große Rolle spiele für „das Funktionieren unserer Demokratie“.

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Der Souverän zahlt

Was der Intendant dabei aber vergisst, ist zweierlei: die freie, auch vom Staat unabhängige Presse sowie den Umstand, dass der Souverän, in diesem Fall die Gebührenzahler, die Grundlage für das gesamte System schafft. Ein wenig Demut also wäre angesichts der in den übrigen gesellschaftlichen Kreisen obwaltenden Verwerfungen angebracht. Demut - und nicht das Auftrumpfende, mit dem die (gebührenfinanzierte) Kinowerbung von ARD und ZDF daherkommt, die den Untergang der Demokratie für den Fall beschwört, dass irgendjemand die Gebühren nicht zahlt; Demut - und nicht das Auftrumpfende, mit dem die ARD in einer Broschüre die vergangenen beiden Jahre unter dem Vorsitz des Saarländischen Rundfunks Revue passieren lässt und man den Eindruck hat, hier blicke jemand auf den Dreißigjährigen Krieg zurück; Demut - und nicht das Auftrumpfende, das auch aus den Worten des ZDF-Intendanten spricht.

Die privaten Antipoden der Öffentlich-Rechtlichen sollten dieser Tage eigentlich Grund zu feiern haben. Denn vor fünfundzwanzig Jahren wurde mit der Gründung von RTL und Sat.1 der Grundstein für die beiden großen Senderfamilien des hiesigen Fernsehens gelegt. Doch es gibt nichts zu feiern. Bei RTL muss man sich damit abfinden, bei der Jahresendabrechnung auf dem Zuschauermarkt hinter den Öffentlich-Rechtlichen auf Platz vier zu liegen, was auch daran liegt, dass ARD und ZDF die Olympischen Spiele und die Fußball-Europameisterschaft zeigen konnten. Auf einen Marktanteil von 13,4 Prozent kommen die ARD, deren dritte Programme zusammengerechnet auf 13,2, das ZDF auf 13,1 Prozent und weit dahinter erst RTL mit 11,8 Prozent. Die - gelinde gesagt - Stagnation, die sich auch im Programm zeigt, ist für den Primus unter den Privatsendern ein Menetekel.

Das desaströse Wirken der Investoren

Doch ist das kein Vergleich zur Lage von Sat.1. Der Sender muss 2009 im Grunde genommen neu gegründet werden, da er von Berlin nach München umzieht und von der alten Führungsriege so gut wie niemand mehr dabei ist (Interview: Für Sat.1 lässt sich in Berlin ein Nachmieter finden): Warum den Laden eigentlich nicht gleich umtaufen? Zu Kabel 1, dem kleinen Sender, der auch zur Familie von Pro Sieben Sat.1 gehört und von dem nun viele Führungskräfte zum Schwestersender gestoßen sind, gesellte sich dann Sat.2. Das wäre wenigstens ehrlich. An Sat.1 wiederum kann man das desaströse Wirken von Finanzinvestoren studieren, die in der Medienbranche wie in anderen Wirtschaftszweigen Unternehmenswerte vernichten, die andere über Jahre aufgebaut haben.

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