Das Jahr 2009 wird sich in einem Punkt vom zu Ende gehenden Jahr 2008 nicht unterscheiden: Es wird ein Jahr des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sein. Denn mit der neuen Rundfunkgebühr, die vom 1. Januar an gilt, stehen den Sendern von ARD und ZDF aus Gebühreneinnahmen nicht mehr 7,3 Milliarden, sondern geschätzte vierhundert Millionen Euro mehr pro Jahr zur Verfügung. Und so ist 2009 das Jahr, in dem der Etat des ZDF erstmals mehr als zwei Milliarden Euro umfasst. Damit lässt sich in Zeiten der Weltwirtschaftskrise gut leben (siehe: Neuer Rundfunkstaatsvertrag: Gebühren doppelt und dreifach).
Den Schluss, den Markus Schächter, der Intendant des ZDF, daraus aber bei der Vorstellung seines Haushalts gezogen hat, möchte man gern erweitern. Sagte er doch mit Blick auf die Wirtschaftskrise und die deshalb plötzlich in besserem Licht erscheinenden öffentlichen Finanzinstitute, die Sparkassen: „Anscheinend bewahrheitet sich mal wieder die alte Regel, dass man erst in der Krise merkt, was man an einem verlässlichen System hat.“ Schächter wollte das als Verweis auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk verstanden wissen, der allein eine „stabile Grundlage“ des dualen Mediensystems darstelle, das wiederum eine große Rolle spiele für „das Funktionieren unserer Demokratie“.
Der Souverän zahlt
Was der Intendant dabei aber vergisst, ist zweierlei: die freie, auch vom Staat unabhängige Presse sowie den Umstand, dass der Souverän, in diesem Fall die Gebührenzahler, die Grundlage für das gesamte System schafft. Ein wenig Demut also wäre angesichts der in den übrigen gesellschaftlichen Kreisen obwaltenden Verwerfungen angebracht. Demut - und nicht das Auftrumpfende, mit dem die (gebührenfinanzierte) Kinowerbung von ARD und ZDF daherkommt, die den Untergang der Demokratie für den Fall beschwört, dass irgendjemand die Gebühren nicht zahlt; Demut - und nicht das Auftrumpfende, mit dem die ARD in einer Broschüre die vergangenen beiden Jahre unter dem Vorsitz des Saarländischen Rundfunks Revue passieren lässt und man den Eindruck hat, hier blicke jemand auf den Dreißigjährigen Krieg zurück; Demut - und nicht das Auftrumpfende, das auch aus den Worten des ZDF-Intendanten spricht.
Die privaten Antipoden der Öffentlich-Rechtlichen sollten dieser Tage eigentlich Grund zu feiern haben. Denn vor fünfundzwanzig Jahren wurde mit der Gründung von RTL und Sat.1 der Grundstein für die beiden großen Senderfamilien des hiesigen Fernsehens gelegt. Doch es gibt nichts zu feiern. Bei RTL muss man sich damit abfinden, bei der Jahresendabrechnung auf dem Zuschauermarkt hinter den Öffentlich-Rechtlichen auf Platz vier zu liegen, was auch daran liegt, dass ARD und ZDF die Olympischen Spiele und die Fußball-Europameisterschaft zeigen konnten. Auf einen Marktanteil von 13,4 Prozent kommen die ARD, deren dritte Programme zusammengerechnet auf 13,2, das ZDF auf 13,1 Prozent und weit dahinter erst RTL mit 11,8 Prozent. Die - gelinde gesagt - Stagnation, die sich auch im Programm zeigt, ist für den Primus unter den Privatsendern ein Menetekel.
Das desaströse Wirken der Investoren
Doch ist das kein Vergleich zur Lage von Sat.1. Der Sender muss 2009 im Grunde genommen neu gegründet werden, da er von Berlin nach München umzieht und von der alten Führungsriege so gut wie niemand mehr dabei ist (Interview: Für Sat.1 lässt sich in Berlin ein Nachmieter finden): Warum den Laden eigentlich nicht gleich umtaufen? Zu Kabel 1, dem kleinen Sender, der auch zur Familie von Pro Sieben Sat.1 gehört und von dem nun viele Führungskräfte zum Schwestersender gestoßen sind, gesellte sich dann Sat.2. Das wäre wenigstens ehrlich. An Sat.1 wiederum kann man das desaströse Wirken von Finanzinvestoren studieren, die in der Medienbranche wie in anderen Wirtschaftszweigen Unternehmenswerte vernichten, die andere über Jahre aufgebaut haben.
Bei der Presse macht das David Montgomery mit seiner Mecom vor, die Zeitungen in ganz Europa - unter Pump, wie unter Investoren üblich - aufgekauft hat und diese trotz drakonischer, ins Absurde gehender Sparrunden wahrscheinlich nicht wird halten können. Auf den Berliner Verlag, der Montgomerys Herzstück im deutschen Pressemarkt sein sollte, hat jetzt DuMont ein Auge geworfen. Vielleicht müssen clevere Verleger einfach nur lange genug warten, bis den Investoren mit ihren überhöhten Gewinnerwartungen die Luft ausgeht, um dann zuzuschlagen.
Wachstum im eigenen Land?
Gerade in der Krise zeigt sich, wer sein Geschäft allein um des finanziellen Gewinns willen betreibt und wer nicht, wer auspresst und wer investiert, weil er in seinem wirtschaftlichen und publizistischen Handeln einen Wert an sich erkennt. Vielleicht werden wir in Kürze ja sogar den Tag erleben, an dem für Sat.1 ein wirklicher Käufer gesucht wird, weil die Finanzinvestoren von KKR und Permira der Schulden, mit der sie ihre Sender überhäuft haben, nicht mehr Herr werden. Dann könnte Springer noch einmal die Probe aufs Exempel machen und ausprobieren, ob die vorherrschenden deutschen Medienhäuser im eigenen Land noch wachsen können oder nicht.
Bei Bertelsmann, dem größten deutschen Medienunternehmen, wiederum wächst zum Jahreswechsel der Ärger über die Tochterfirma Gruner + Jahr. Die Art und Weise, in der die Demontage des Verlagschefs Bernd Kundrun vor sich geht - durch sein eigenes Zutun, aber auch durch das der Konzernzentrale in Gütersloh -, zeigt einmal mehr, wie falsch das Pathos der Gründerfamilie Mohn ist: von einem sozialverträglichen, ethisch verantworteten und protestantisch begründeten unternehmerischen Handeln ist hier jedenfalls nichts mehr zu spüren. Gruner + Jahr wirft in einem dramatischen Akt vielmehr alle Wirtschaftstitel - von der Financial Times Deutschland bis zu „Capital“ - in einen Topf und dabei ein Großteil der Belegschaft über Bord, um zu retten, was vielleicht nicht mehr zu retten ist (Gruner + Jahr legt Wirtschaftstitel zusammen). Dass man hier früher und stärker hätte investieren müssen, wie der Noch-Gruner + Jahr-Chef-Kundrun im Bertelsmann-Vorstand moniert haben soll, ist sicherlich richtig. Nur wäre es an ihm gewesen, es durchzusetzen und zu tun. Nun endet seine Ära mit einem über publizistische Bande gespielten Egoshooter-Showdown: ein Eiertanz, wie er für Bertelsmann mittlerweile typisch ist.
Gewinner in der zweiten Reihe
Die Gewinner des Jahres 2008 muss man sehr genau suchen, aber es gibt sie. Der „Spiegel“ hat seine Führungskrise hinter sich und wieder Fahrt aufgenommen - in Hamburg kann man froh sein, dass die Berufung der beiden jugendlich-energischen Chefredakteure Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron über die Bühne gegangen ist, bevor beim Mitgesellschafter Gruner + Jahr die Dämme brachen (Die „Spiegel“-Chefredakteure im Interview: Wir führen das Unternehmen Aufklärung weiter). Bei Burda haben sie mit dem neuen Vorstand Philipp Welte einen zwischenzeitlich zu Springer abgewanderten Wunsch-Kronprinzen wieder, allerdings zwischendurch die nicht weniger energische Christiane zu Salm verloren. Und im Fernsehen - da sitzen die Gewinner am ehesten in der zweiten Reihe, dort, wo man sich mit einem Nischenprogramm auf die zunehmende Segmentierung der Mediennutzung am besten eingestellt hat. So hat der Sender Tele 5 seinen Tagesmarktanteil bei den jüngeren Zuschauern um 38 Prozent auf im Schnitt 1,1 Prozent gesteigert, die Bruttowerbeumsätze stiegen um 83 Prozent - und kein Finanzinvestor schöpft sie ab.
Für einen Sender soll 2009 übrigens endgültig den Durchbruch bringen: Die Deutsche Welle schreitet mit ihrem Umbau zu einem auf internationale Eliten zugeschnittenen und folglich vornehmlich englischsprachigen Programm voran. Allerdings hat der deutsche Auslandsfunk noch ein paar Hausaufgaben zu lösen. Die journalistische Arbeit der chinesischen Redaktion, der Leisetreterei im Umgang mit dem chinesischen Regime nachgesagt wird, ist weiterhin mit Fragezeichen behaftet. Wobei noch niemand den Blick auf die übrigen achtzig fremdsprachlichen Programme geworfen hat.